Eheschließung vor dem Standesamt… und vor der Kirche?

Wir erleben heute mit der sog. „Ehe für alle“ eine maßgebliche Neudefinition der Ehe durch die öffentliche Gewalt. Was bisher in den meisten Kulturen (auch nicht unbedingt judeochristlich) als Union zwischen einem Mann und einer Frau verstanden wurde, wird auf andere Formen von Lebensgemeinschaften erweitert: homosexuelle Lebensgemeinschaften zum Beispiel. Weiterlesen

Das Wort richtig austeilen. Eine Widerlegung des Dispensationalismus

Viele Christen werden das Wort Dispensationalismus nie gehört haben, und trotzdem bestimmt diese Lehre vielleicht mehr als sie denken ihr Verständnis der Bibel.

Eigentlich könnte man diesen theologischen Begriff so umschreiben: die Lehre der Haushaltungen oder der biblischen Zeitalter. Dispensationalisten betrachten die Heilsgeschichte als eine Abfolge von Zeitperioden, die, was das Heil angeht, erhebliche Unterschiede aufweisen: es gab zum Beispiel das Zeitalter des Gesetzes, das Zeitalter der Gnade; es kommt noch das Zeitalter des tausendjährigen Reichs.

Die meisten reformierten Christen (außer vielleicht Leute wie John MacArthur)vertreten eine andere Lehre: die sogenannte Theologie des Bundes.

Es ist aber nicht so, dass die Lehre des Dispensationalismus eine Einhait bildet. Wir finden einige Varianten:

  • C.I. Scofield sieht als klassischer Dispensationalist 7 Zeitalter: die Unschuld, die Zeit des Gewissens, der menschlichen Regierung, die Verheißung, das Gesetz, die Gnadenzeit, das Königreich.
  • E.W. Bullinger (nicht der Reformator!) unterteilt die Bibel so: Gott redet direkt zu einzelnen Menschen, Gott redet durch Propheten zu Israel, Gott redet durch seinen Sohn Jesus zu Israel, Gott redet durch die Apostel zu Israel, Gott redet durch Paulus zu den Nationen, Gott redet durch Johannes zu Israel.
  • In der Praxis werden wir oft mit einer einfachen Version des Dispensationalismus  zu tun haben: Zeitalter Israels, Zeitalter der Gemeinde, Tausendjähriges Reich. Weiterlesen

Das Volk Gottes

Die Frage, die wir in diesem Artikel beantworten wollen, ist folgende: Wer gehört eigentlich zum Volk Gottes? Steht es nur den Juden zu oder gehören auch die erretteten Heiden der Gemeinde zum Volk Gottes? Dass heute viele der Meinung sind, dass es nur Israel zusteht, hat mit dem breiten Erfolg der Theologie des Dispensationalismus zu tun. Die Dispensationalisten haben es irgendwie geschafft, dass man ausschließlich die Israeliten mit dem Volk Gottes identifiziert. Fast alle Kirchenväter haben jedoch in der Kirche das „neue“ Volk Gottes gesehen.

Die Erwählung Israels als Volk Gottes

Die Zugehörigkeit zum Volk Gottes hängt eigentlich von zwei Dingen ab. Zum einen hängt es von der Erwählung Gottes ab. In seiner Souveränität erwählt Gott diejenigen, die Er zu seinem Volk machen will. Gott hat sich im Alten Bund um das Volk Israel erbarmt: Weiterlesen

Die Bundestheologie unter Beschuss

Für diejenigen, die vielleicht nicht wissen, was der Begriff „Bundestheologie“ bedeutet, verweise ich auf diesen einführenden Artikel.

Die Bundestheologie (oder auch Föderaltheologie) ist eine wichtige Säule des reformatorischen Lehrguts und ist, meiner Ansicht nach, das geeigneste Modell, um die biblische Heilsgeschichte zu verstehen. Es mag sein, dass sie an einigen Stellen Schwächen aufweist, aber andere Modelle sind sicherlich weniger befriedigend.

Nun ist diese Theologie manchmal schwer angegriffen worden, wie beispielsweise von Lewis Sperry Chafer, Gründer des Dallas Theological Seminary und Befürworter des Dispensationalismus. Weiterlesen

Bundestheologie: Was ist damit gemeint?

Die Befürworter der Bundestheologie (auch Föderaltheologie genannt) haben ein Modell entwickelt, welches vorsieht, dass im Laufe der Heilsgeschichte Gott seine Beziehungen zu den Menschen im Rahmen von Bünde (oder Verträgen) gestaltet. Dies ist keine bloße Erfindung, sondern basiert auf festen biblischen Belegen.

Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, kann zum Beispiel die Stelle von Jeremia 30, 22 erwähnt werden, wo Gott sagt:

Und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

Gott hat nach dieser Theorie sechs Bünde mit den Menschen geschlossen:

  1. einen Bund mit Adam
  2. einen Bund mit Noah
  3. einen Bund mit Abraham
  4. einen Bund mit Mose
  5. einen Bund mit David
  6. einen Neuen Bund in Jesus Christus

Der erst genannte Bund basierte auf Werken; da er von Adam gebrochen wurde, können die Menschen nie wieder auf der Grundlage ihrer Werke Gott gefallen. Weiterlesen

Wird ganz Israel errettet?

Es wird den Reformierten vorgeworfen, sie würden in Bezug auf Israel eine Substitutionstheologie vertreten. Dieser Begriff bedeutet, dass das von Gott erwählte Volk Israel durch die Kirche ersetzt (substituiert) worden ist. So wäre die Kirche das neue Israel und hätte alle Verheißungen an Israel geerbt. Die Israeliten hätten in diesem Zusammenhang nur eine Zukunft innerhalb der Kirche.

Diese Behauptung entspricht aber nicht der Wahrheit; die von den Reformierten vertretene Bundestheologie sieht nicht vor, dass das neue sichtbare Reich der Kirche (so wie die Katholiken es verstehen) das alte irdische Reich Israels ersetzt hätte. Sie sieht eher eine verborgene Kontinuität zwischen dem Gnadenbund im Alten Testament und im Neuen Testament, in dem sich die Verheißungen an das Volk Israel wohl erfüllen können. Weiterlesen

Gläubigentaufe und Kindertaufe

Der Begriff „Gläubigentaufe“ bezeichnet eine Taufe, die an mündigen Taufbewerbern vollzogen wird. Dieser Begriff ist passender als „Erwachsenentaufe“, weil in der Praxis auch minderjährige Kinder getauft werden. Diese Taufe wird in vielen Freikirchen praktiziert: Baptisten, offene Brüdergemeinden, Pfingstgemeinden… Vertreter der Gläubigentaufe betrachten die Taufe als ein Zeugnis und einmaliges Festmachen der eigenen Glaubensentscheidung vor der Gemeinde. Nach ihrem Standpunkt erfüllt eine Kindertaufe diese Voraussetzungen nicht, weil Säuglinge nicht glauben können. Dies war auch lange meine eigene Position; ich musste sie leider irgendwann revidieren!

Mit der Kindertaufe (wie sie in der reformierten Theologie verstanden wird) wird eine Taufe gemeint, die an Säuglingen von mindestens einem christlichen Elternteil vollzogen wird. Man spricht auch manchmal von Haustaufe, weil man damit ausdrücken will, dass die Taufe ein äußerliches Zeichen für den Bund ist, den Gott mit den Gläubigen schließt, in dem er auch der Gott ihrer Nachkommen sein will. Im Gegensatz zu den Katholiken glauben die Reformierten nicht, dass die Taufe alleine den Täufling rettet! Wiedergeboren wird man nur durch den Glauben! Weiterlesen