Das dialogische Prinzip des Gottesdienstes

modern_worshipVor langer Zeit hatte ich schon einen Artikel über das regulative Prinzip der Anbetung geschrieben. Regulativ heißt, dass die Bibel gewisse Regeln für den Gottesdienst aufstellt, wie zum Beispiel: Was zu einem Gottesdienst gehört und was nicht. In der Gemeinde, wo ich bin, gibt es zum Beispiel keine Gästegottesdienste. Das heißt nicht, dass wir nur unter Christen sind und bei uns keine Gäste willkommen sind. Nein, wir sind nur der Meinung, dass der Gottesdienst in erster Linie für Gottes Volk ist. Wir freuen uns natürlich, wenn Kirchenfremde bei uns das Evangelium hören wollen, aber wir denken nicht, dass bei uns ein Kabarett notwendig ist; wir bieten unseren Mitgliedern keine schauspielerischen Szenen, Pantomime oder ähnliche Kunststücke an.

Oh wie schade! Würdet ihr das tun, hättet ihr sicherlich mehr Zuschauer.

– Wir wollen aber keine Zuschauer haben, sondern Anbeter. Sicherlich wünschen wir uns manchmal eine größere Gemeinde, aber wir wissen, dass so etwas nur möglich ist, wenn Gott selbst Wachstum schenkt, nicht wenn wir den Menschen attraktive Programme anbieten. Wir gehen auf die Straße und predigen das Evangelium, und deshalb klatschen die Menschen nicht bei uns. Einige beschimpfen uns sogar, noch andere hören jedoch mit Neugier zu. Weiterlesen „Das dialogische Prinzip des Gottesdienstes“

Gottes Gegenwart beim Gottesdienst

Warum ist der reformierte Gottesdienst feierlich aber auch ernst, für viele vielleicht zu enst? Es ist in vielen Freikirchen heute üblich, den Gottesdienst relativ locker zu gestalten. Man lacht gerne und Gottesdienstleiter machen oft Witze. Es ist auch nicht unüblich, dass man ganz am Anfang mit einer coolen Formel begrüßt wird, wie: „Schön, dass Ihr es geschafft habt, heute in den Gottesdienst zu kommen!

Diese Ansicht mag viel Zustimmung bei unseren Geschwistern finden, sie verkennt leider den wahren Sinn des Gottesdienstes. Es ist äußerst wichtig zu begreifen, dass während dem Gottesdienst der Herr in der Mitte seines Volkes ist. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns total anders verhalten würden, wenn wir diesen heiligen Gott „sehen“ könnten.

Gott ist selbstverständlich immer bei seinen Kindern, auch wenn sie alleine im „Kämmerlein“ beten. Christen sind auch nicht mehr an einem bestimmten Ort gebunden, wie im Alten Testament, wo die Menschen an dem Tempel von Jerusalem gebunden waren. Weiterlesen „Gottes Gegenwart beim Gottesdienst“

Wie Reformierte Evangelisation verstehen

Folgendes Vorurteil hat sich in vielen Köpfen festgesetzt: Reformierte halten nur ihre Gottesdienste; sie evangelisieren nicht, weil sie der Überzeugung sind, dass die Auserwählten sowieso irgendwann gerettet werden.

Eine solche Beurteilung ist aus zwei Gründen falsch:

  • Reformierte legen viel Wert auf die Evangelisation, nur evangelisieren sie anders.
  • Gott ist zwar souverän, aber in seiner Gnade möchte Er uns gerne gebrauchen.

Evangelisation durch den Gottesdienst?

Wenn Evangelikale an Evangelisation denken, sind sie der Meinung, dass man unbedingt spezielle Gottesdienste für Kirchenferne planen sollte. Laut dieser Auffassung könnten Kirchenferne nämlich fast nichts mit einem herkömmlichen Gottesdienst anfangen. Reformierte vertreten da eine ganz andere Meinung: Evangelistische Veranstaltungen sind wünschenswert aber sie sollten nie auf Kosten des regelmäßigen Gottesdienstes geschehen. Der Gottesdienst ist zwar primär für die Erbauung der Gläubigen gedacht, wir können jedoch unsere Freunde und Bekannten auch dazu einladen, weil Gott sie dort durch gewöhnliche Gnadenmittel wie die Wortverkündigung ansprechen kann.

Die Frage ist nämlich: Was traue ich Gott zu? Verlasse ich mich auf geschickt angewandte Techniken und sanfte menschliche Methoden, die Gefühle hervorrufen aber nicht unbedingt Herzen zur Umkehr (Buße) führen können oder will ich die Verlorenen direkt mit Gottes Botschaft konfrontieren und dabei erwarten, dass der Heilige Geist sie überzeugt? Weiterlesen „Wie Reformierte Evangelisation verstehen“

Gottesdienst nach Lust und Laune?

Seit einigen Jahren sind die sogenannten Gästegottesdienste in vielen Gemeinden üblich geworden. Im Gegensatz zum „normalen“ Gottesdienst bietet ein Gästegottesdienst (oder Gottesdienst für Kirchenferne) die Möglichkeit, einige Experimente zu machen: neben einer verkürzten Botschaft werden theatralische Darbietungen oder Lobpreistanz angeboten, und das Publikum wird mehr eingebunden als im Normalfall.

Schön und gut, könnte man sagen: Wenn man Kirchenferne erreichen will, muss man auch den Gottesdienst schmackhaft machen. Eine Frage stellt sich nur: Darf man das?

Für die lutherische Kirche und die meisten Evangelikalen gilt das Prinzip: Alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Ob die Heilige Schrift oder die guten Sitten bestimmen sollen, was verboten ist, wird aber meistens nicht spezifiziert. Darf man zum Beispiel einen Party-Gottesdienst feiern oder einen Motorrad-Gottesdienst?

Für die Reformierten gilt längst ein anderes Prinzip, das sogenannte regulative Prinzip. Darunter wird verstanden, dass alles, was in der Schrift nicht explizit genannt wird, verboten ist. Weiterlesen „Gottesdienst nach Lust und Laune?“

Die Bedeutung des Abendmahls

Je nachdem zu welcher Konfession man gehört, nimmt das Mahl des Herrn eine besondere Bedeutung ein. In bestimmten Gemeinden wird es wöchentlich gefeiert, in anderen vielleicht nur mehrere Male im Jahr.

Aber wer kann noch sagen, was das Abendmahl wirklich bedeutet? Vereinfacht dargestellt,  werden 4 Positionen vertreten: die katholische; die lutherische; zwei reformierten (Zwingli und Calvin).

Im Katholizismus hat das Abendmahl eine zentrale Bedeutung. Während dem Gottesdienst wird das Opfer Christi wiederholt: Brot und Wein werden in den Leib und in das Blut Jesu verwandelt. Diese Verwandlung der Substanzen nennen die Katholiken Transsubstantiation. Weiterlesen „Die Bedeutung des Abendmahls“

Religion zum Anfassen!

Vor einiger Zeit habe ich eine interessante Kritik von David Wells gelesen: es heißt Natural Vs. Supernatural Religion. In diesem Artikel bezeichnet Wells die modernen Spiritualitätsformen, die sich zur Zeit in der Aufkommenden Gemeinde („Emerging Church“) oder sogar in den Gemeinden für Kirchenfernen entwickeln, als natürliche Religion. Auf der anderen Seite gibt es das, was er übernatürliche Religion nennt; darunter versteht er den rechtmäßigen Gottesdienst, so wie er bisher nach dem biblischen Vorbild (Apostelgeschichte 2, 42) gefeiert wurde.

Nach seiner Auffassung sind die Merkmale der natürlichen Religion folgende:

  • der Zugang zu Gott ist selbstverständlich; wir brauchen keine besondere Vorbereitung dazu. Wenn ich mich entscheide, einen Spaziergang im Wald zu machen, habe ich einen unmittelbaren Zugang zu der Natur und kann sie nach Lust und Laune genießen. Wenn ich einen Gottesdienst für Kirchenfernen besuche, kann ich mich gemütlich hinsetzen und mich auf das Angebot einstellen. Ich entwickle damit auch eine Verbrauchermentalität, urteile über die Qualität der Veranstaltung, evaluiere und kritisiere die Darsteller. Weiterlesen „Religion zum Anfassen!“