Das Volk Gottes

Die Frage, die wir in diesem Artikel beantworten wollen, ist folgende: Wer gehört eigentlich zum Volk Gottes? Steht es nur den Juden zu oder gehören auch die erretteten Heiden der Gemeinde zum Volk Gottes? Dass heute viele der Meinung sind, dass es nur Israel zusteht, hat mit dem breiten Erfolg der Theologie des Dispensationalismus zu tun. Die Dispensationalisten haben es irgendwie geschafft, dass man ausschließlich die Israeliten mit dem Volk Gottes identifiziert. Fast alle Kirchenväter haben jedoch in der Kirche das „neue“ Volk Gottes gesehen.

Die Erwählung Israels als Volk Gottes

Die Zugehörigkeit zum Volk Gottes hängt eigentlich von zwei Dingen ab. Zum einen hängt es von der Erwählung Gottes ab. In seiner Souveränität erwählt Gott diejenigen, die Er zu seinem Volk machen will. Gott hat sich im Alten Bund um das Volk Israel erbarmt:

Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat.
5 Mose 7, 6-8

Zum zweiten gestaltet Gott die Beziehungen zu seinem Volk innerhalb eines Bundes. So stand Israel in dem mosaischen Bund, den Gott am Berg Sinai verordnet hatte. Die Bedingung, damit Israel als Nation in diesem Bund bestehen konnte, war die Einhaltung des Gesetzes. Da Israel diesen Bund gebrochen hat, gelten die Verheißungen dieses Bundes nicht mehr. Trotzdem bleibt Gott seinen Erwählten in diesem Volk treu.

Gott kündigt im AT an, Er will Nationen zu seinem Volk rechnen

Die Verordnung des mosaischen Bundes hat in keinster Weise die Gültigkeit der Verheißungen an Abraham in Frage gestellt. Der abrahamische Bund ist parallel weitergelaufen. Als Er dieses Versprechen gegeben hat, wollte Gott durch Abraham alle Nationen der Erde segnen.

Man hört auch oft folgende Aussage: erst nachdem Israel seinen Messias abgelehnt hat, hat Gott das Heil an die Nationen angeboten. Das ist nicht richtig, denn Gott hat bereits im Alten Testament Heiden gerettet und angekündigt, dass Er Menschen aus den Nationen zu seinem Volk zählen wollte. Dieses Versprechen lesen wir zum Beispiel in Jesaja 56, 6-8:

(6) Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, damit sie seine Knechte seien, alle, die den Sabbat halten, dass sie ihn nicht entheiligen, und die an meinem Bund festhalten, (7) die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus, und ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen mir wohlgefällig sein auf meinem Altar; denn mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker. (8) Gott der HERR, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu der Zahl derer, die versammelt sind, sammeln.

In diesem Vers wird der Begriff Israel neu definiert: Zu den Versprengten Israels (damals in der babylonischen Gefangenschaft) sollen in der Zukunft auch Fremde zählen.

Das Volk Gottes im Neuen Bund

In dem Neuen Bund, den Jesus durch sein Blut eingeführt hat, dürfen nun Heiden zum Volk Gottes zugerechnet werden. Sie gehören zu denen, die Christus gesammelt hat. Im Neuen Bund wird mit der Möglichkeit nicht gerechnet, dass Gott plötzlich diesen Bund bricht, wie mit dem Alten. Es handelt sich um einen Gnadenbund, wo Gott allein diejenigen rettet und trägt, die Er erwählt hat. Dass Nicht-Juden zum Volk Gottes zugerechnet werden ist in 1 Petrus 2, 8-10 klar zu sehen:

Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

In diesen Versen spricht Petrus eindeutig zu Nicht-Juden. Interessanterweise bezieht er auf die Heiden was in Hosea 2, 25 den Israeliten versprochen wurde.

Was soll mit Israel geschehen?

Die Erwählung Israels als Nation war einer Bedingung unterstellt. Das Volk sollte das Gesetz halten. Dadurch dass Israel diesen Bund gebrochen hat und seinen Messias nicht erkannt hat, sind dessen Privilegien verloren gegangen.

Aber die Verheißungen Gottes an Abraham sind immer noch gültig. Nur garantieren sie keine kollektive Erlösung Israels und basieren  auf die Erwählung von Individuen. Deshalb kann nur ein Rest errettet werden. Das ist letztendlich, was Paulus im Römerbrief erklärt:

So geht es auch jetzt zu dieser Zeit, dass einige übrig geblieben sind nach der Wahl der Gnade. Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke; sonst wäre Gnade nicht Gnade.
Römer 11, 5-6

Es gehört zu der traditionellen Lehre der reformierten Kirchen, dass es in der Endzeit zu einer massiven Bekehrung von Juden kommen wird, nachdem die Vollzahl der Heiden eingegangen ist.

Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten!
Römer 11, 15

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