Die 5 Solas der Reformation

Als Reaktion auf die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, die einzig wahre apostolische Kirche zu sein und als solche die einzig gültige Autorität zu besitzen, haben die Reformatoren des 16ten Jahrhunderts ihre theologischen Prinzipien in 5 Mottos zusammengefasst:

  1. Sola Fide (allein der Glaube)
  2. Sola Scriptura (allein die Schrift)
  3. Solus Christus (allein Christus)
  4. Sola Gratia (allein die Gnade)
  5. Soli Deo Gloria (Gott allein gehört die Ehre)

Was versteht man unter Sola Fide?

Dieses Motto nennt man das materielle oder Grundprinzip der Reformation. Martin Luther sagte davon: es ist der Glaubensartikel mit dem die Kirche steht oder fällt. Auf diesem Artikel ruht die ganze Rechtfertigungslehre.

Die römisch-katholische Kirche betonte ausdrücklich, dass Glaube allein nicht ausreicht, um gerettet zu werden. Dazu sind nach Jakobus 2,14 auch gute Werke nötig. Dagegen argumentierten die Reformatoren, dass gute Werke niemals zu unserem Heil beitragen können, weil das Gesetz Gottes von dem Sünder eine absolute Vollkommenheit verlangt. Wir werden gerettet, in dem wir durch Glauben auf die Gerechtigkeit schauen, die Jesus für uns am Kreuz erlangt hat. Dieser Glaube ist auch kein toter Glaube, sondern ein durch den Heiligen Geist bewirkter Glaube, der anschließend gute Werke produziert.

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Römer 3, 28
So war es mit Abraham: »Er hat Gott geglaubt und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden«. Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: »In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.« So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!« Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben«.
Galater 3, 6-11

Was versteht man unter Sola Scriptura?

Dieses Motto ist das sogenannte formelles Prinzip der Reformation, weil das die Quelle und Norm für der Sola Fide darstellt.

Die römische Kirche hielt sich für die einzige Autorität bei Glaubensfragen. In anderen Worten, das Lehramt der Kirche (mit dem Papst und den Bischöfen) steht über der Heiligen Schrift und bestimmt, wie die Schrift zu interpretieren ist. Die Heilige Schrift genügt dem Glauben zwar (2 Tim 3,16) aber sie ist nicht deutlich genug (2 Petr. 3,16). Dagegen argumentierten die Reformatoren, dass die Bibel doch verständlich genug ist (Psalm 119, 130) und sich selbst interpretieren lässt. Das bedeutet keineswegs, dass jeder sie vollkommen verstehen kann (dazu brauchen wir doch Ämter) aber diese Lehrämter sind fehlbar und müssen ständig unter der Autorität des Wortes Gottes stehen.

Die Bibel ist norma normans (sie normiert alles andere) und das Glaubensbekenntnis der Kirche bleibt nur norma normata (eine von der Schrift normierte Norm).

Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der  Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.
2 Timotheus 3, 16-17

Was versteht man unter Sola Gratia?

Die römisch-katholische Kirche lehrte damals (und heute), dass der Mensch trotz seiner Schwachheit bei seiner Erlösung mitwirken kann. Gott schenkt ihm seine Gnade (zuvorkommend!) und der Mensch antwortet mit Glauben. Die Reformatoren verwarfen diese Idee und betonten, dass die Erlösung ein reines Geschenk Gottes ist. Der Mensch ist geistlich tot und er muss deshalb wiedegeboren werden; sein Verstand, sein Herz und sein Wille müssen komplett erneuert werden, bevor er sich entscheiden kann.

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Epheser 2, 4-10

Was versteht man unter Solus Christus?

Es war die Lehre der römisch-katholischen Kirche, dass der Mensch nicht nur Christus sondern auch andere Mittler braucht, um die Gnade Gottes zu empfangen. Das sind die Jungfrau Maria und die Heiligen, die für ihn durch ihre Gebete ein gutes Wort bei Gott einlegen können.

Für die Reformatoren hilft nur das, was Jesus Christus am Kreuz vollzogen hat. Es reicht vollkommen, um die Fülle der Gnade Gottes zu empfangen.

Denn es ist „ein“ Gott und „ein“ Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.
1 Timotheus 2, 5-6

Was bedeutet Soli Deo Gloria?

Die Reformatoren wehrten sich mit aller Kraft gegen die Idee, dass neben Gott und Jesus Christus die Heiligen irgendwelche Ehre empfangen könnten. Weil Gott allein unsere Erlösung bewirkt, gehört die ganze Ehre nur Ihm allein.

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Römer 11, 36

16 Antworten zu Die 5 Solas der Reformation

  1. Anonymous schreibt:

    Guten Tag
    Ich möchte zu den beiden wichtigsten reformatorischen „sola fide“ und „sola scriptura“ etwas bemerken. Es sollte ihnen zu denken geben, dass ausgerechnet der Grundpfeiler und das Fundament der protestantischen Rechtfertigungslehre wie Sie sagen, von der Bibel überhaupt nicht gelehrt wird, ganz im Gegenteil, die Bibel sagt mit aller Deutlichkeit, dass der Mensch durch den Glauben allein nicht gerettet wird.

    Zu „Sola fide“: Die Protestanten benutzen gerne Röm. 3, 28 um diese Lehre zu begründen, aber schon allein die Tatsache, dass Luther das Wörtchen „allein“ hier hineinschmuggelte, um sein Prinzip zu begründen, beweist auf welch schwachen Füssen diese Lehre steht. Im Originaltext steht nirgendwo das Wörtchen „allein.“ Ausserdem ist es eine protestantische Krankheit einen einzelnen Vers aus dem Textzusammenhang zu isolieren und dann daraus eine menschliche Lehre zu basteln. Liest man das 3. Kapitel des Römerbriefs von Anfang an, ist es ganz offensichtlich an wen Paulus diesen Abschnitt richtet und worum es ihm geht. Ganz klar wendet sich Paulus hier an jene Juden, die den Christen aus dem Heidentum die Beschneidung aufzwingen wollen, denn Paulus geht es hier ganz eindeutig um die Werke im Sinne des jüdischen Gesetzes oder ganz konkret eben um die Beschneidung, nicht um Werke im Sinne der Nächstenliebe oder guten Taten. Das muss man ganz klar unterscheiden.
    Die beiden ersten Kapitel im Jakobusbrief sind beileibe nicht die einzigen Stellen in der Bibel, die dieser Lehre klar widersprechen, aber der Jakobusbrief sagt es am deutlichsten, heisst es doch in 2:24 zusammenfassend für die Verse 14-23 in diesem Kapitel: „IHR SEHT ALSO, DASS DER MENSCH DURCH WERKE GERECHT WIRD UND NICHT DURCH GLAUBEN ALLEIN.
    Es ist auch nicht so, dass der Heilige Geist durch den Glauben automatisch die guten Werke beim Menschen hervorbringt. Der Mensch wurde nicht als Roboter erschaffen, sondern besitzt auch noch einen freien Willen, den Gott respektiert. Der Mensch kann sich trotz des Glaubens an Jesus Christus immer noch für das Schlechte oder Böse resp. für eine Handlungsweise gegen die Gebote Christi entscheiden. Er kann entweder mit der Gnade Gottes kooperieren oder eben nicht. Ich habe das gerade auch bei ach so bibelgläubigen und gläubigen Christen in Freikirchen schon zur Genüge beobachten können. Aber die Bibel lehrt eindeutig, dass Lippenbekenntnisse und blosse Glaubensüberzeugen alleine nicht zum Heil führen. Ich empfehle Ihnen neben Jakobus 1:22-27 und 2:14-26 auch noch Matth. 7:21-23, Matth. 25:31-46, Röm. 2:5-10, Offb. 20:12-13 zu lesen.
    Auch in Gal. 3:6-11 geht es Paulus um das jüdische Gesetz, wie schon im Römerbrief, nicht um Taten im Sinne der Nächstenliebe. Die guten Taten im Sinne der Nächstenliebe tragen also sehr wohl zum Heil bei, es ist beides, der Glaube und die Taten, durch die der Mensch das Heil erlangt.

    Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum Luther den Jakobusbrief am liebsten aus dem Kanon gestrichen hätte, wie er es mit gewissen Büchern im AT tat, die nicht seinem Gusto entsprachen? Leider wird Luther in manchen protestantischen oder evangelischen Kreisen immer noch als grosser Kirchenlehrer betrachtet, obschon er ein völlig falsches Gottes- und Menschenbild vertrat. Für ihn war Gott ein ungerechter, böser und willkürlicher Gott, um trotz der klaren Aussage im Jakobusbrief sein irriges „sola fide“ zu rechtfertigen, musste er auch noch den freien Willen des Menschen leugnen und behaupten der Mensch könne von sich aus gar keine Glaubensentscheidung treffen, da ihm der freie Wille fehlt. Soviel zu Luther.

    Sola Scriptura: Gerade die Freikirchen und sektenähnlichen freikirchlichen Gemeinschaften beweisen mit aller Deutlichkeit, dass das ‚Sola Scriptura‘ Prinzip nicht funktioniert, zudem ist es unbiblisch. Nirgendwo lehrt die Bibel, die einzige Quelle und Authorität der Wahrheit sei, noch lässt sie sich selbst interpretieren. Wenn es so wäre, warum gibt es dann dermassen viele Freikirchen und protestantische Gemeinschaften, die sich dermassen uneinig sind in durchaus heilsrelevanten Fragen?
    Was lesen wir in 1 Tim. 3:15 : Sollte ich aber säumen, sollst du wissen, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, das die Kirche des lebendigen Gottes ist, SÄULE UND GRUNDFESTE DER WAHRHEIT.
    Zudem gab Christus Petrus und all seinen Nachfolgern die Schlüssel des Himmelreichs, was nichts anderes als Autorität über Glaubenswahrheiten bedeutet, Matth. 16:16-19. Dann schreibt Paulus den Ephesern:
    2:19-22 So seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf dem Fundament DER APOSTEL und Propheten, und der Eckstein davon ist CHRISTUS JESUS, in dem zusammengefügt der ganze Bau emporwächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, ……
    Die Bibel gibt uns also 2 weitere Autoritäten und Quellen der Wahrheit an: die Kirche selbst , die durch das Petrusamt ( Matth. 3:16-19) in Gemeinschaft mit den Bischöfen (Eph. 2:19-22) geleitet wird.
    In 2 Tim. 3:16-17 steht lediglich, dass die Schrift NÜTZE zur Belehrung und Zurechtweisung ist, aber NICHT, dass sie DIE SÄULE UND GRUNDFESTE DER WAHRHEIT SEI. Gott schuf ein Lehramt, eine Autorität, die die Heilige Schrift richtig auslegt, damit der Mensch Gottes vollkommen sein für jedes gute Werk zu tun.
    Ausserdem war es die kath. Kirche Ende des 4. Jhdts. die den Kanon der Bibel bestimmte, die Bibel selbst gibt uns nirgendwo irgendeinen Hinweis, welche Bücher zur heiligen Schrift gehören und welche nicht. Daher kann die Schrift gar nicht alles andere normieren, wie sie behaupten. Die Christen lebten in den ersten Jahrhunderten auch nicht in erster Linie aus der Schrift, sondern aus der apostolischen Überlieferung, da es damals noch gar keine Bibel im heutigen Sinne gab. Paulus selbst bekannte sich zu dieser Überlieferung und die mündlich überlieferte apostolische Lehre war bei den Urchristen genau so Bestandteil des Glaubens wie die Schrift, da die Bibel selbst die GÖTTLICHE TRADITION lehrt:

    2 Thess. 15: So steht denn fest, Brüder, und haltet euch an die ÜBERLIEFERUNGEN, die ihr gelehrt wurdet, sei es durch ein WORT, sei es durch ein Brief von uns.

    2 Thess. 3:6 : Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Zieht euch zurück von jedem Bruder, der ungeordnet lebt und NICHT NACH DER ÜBERLIEFERUNG, die sie von uns empfangen haben.
    1 Kor. 11:2 : Ich lobe euch, dass ihr in allem meiner eingedenk seid und die ÜBERLIEFERUNGEN wahrt, wie ich sie euch übergeben habe.
    Zudem steht selbst in der Bibel nicht alles was Jesus tat: Joh. 21:25 : Es gibt noch vieles anderes was Jesus tat; wollte man dieses einzeln niederschreiben, so glaube ich, würde selbst die Welt der Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.

    ‚Sola scriptura‘ ist also nicht nur unbiblisch, sondern auch historisch nicht haltbar.

    • rome.M schreibt:

      Hallo, du hast geschrieben das Römer 3,28 ganz falsch verstanden wird, weil es hier anscheinend nur um die, ich zitiere:

      „… jene Juden, die den Christen aus dem Heidentum die Beschneidung aufzwingen wollen, denn Paulus geht es hier ganz eindeutig um die Werke im Sinne des jüdischen Gesetzes oder ganz konkret eben um die Beschneidung, nicht um Werke im Sinne der Nächstenliebe oder guten Taten. Das muss man ganz klar unterscheiden.“
      geht.

      Das stimmt nicht! Damit tust du genau das was du deinem Diskussionsgegner vorwirfst, du beachtest den Kontext nicht.
      Der Kontext geht nämlich schon lange vor dem Anfang des dritten Kapitels los. Paulus behauptet ja im Kapitel 2; 14f das die Heiden in ihrem Gewissen besagtes Gesetz, von dem er weiter im dritten Kapitel redet, besitzen.

      Nun denke ich wirst du es schwer haben zu beweisen das selbst Heiden in ihrem Gewissen wissen das sie ihre Kinder beschneiden müssen.
      Aber ich kann dir ganz einfach beweisen das es ein allgemein anerkanntes Prinzip von gut und richtig, freundlich und liebevoll gibt….

      Daraus folgt das Paulus hier in dem Kontext wenn er vom Gesetz redet EHER das meint was allgemeingültig vor Gott als gut gilt und was Gott in der Bibel von den Menschen fordert, nämlich freundlich, liebevoll, gütig, hilfsbereit… usw… zu sein, also alles das, was jeder Mensch mehr oder weniger naturgemäß als richtig anerkennt.

      Folglich müsste man deine Aussage komplett umdrehen damit sie stimmt.
      Paulus meint wenn er von dem Gesetz redet, eher gute Taten und Nächstenliebe und nicht Sachen wie die Beschneidung. Sonst könnte er nicht behaupten die Heiden hätten das Gesetz in ihrem Gewissen.

      Ich weiß natürlich das ich nur ein Mensch bin, deshalb kann ich auch falsch liegen. Du kannst mich gerne eines besseren belehren.

      (hab übrigens die Einheitsübersetzung benutzt, damit du das ganze nicht auf Luther schieben kannst ;-)

    • Thomas schreibt:

      Es gab in der frühen Christenheit weder einen Papst noch eine global organisierte Kirche! Die Apostelgeschichte und die Briefe der Apostel berichten uns, dass Petrus zur Jerusalemer Gemeinde gehörte. Vermutlich hat er die Stadt Rom niemals gesehen. Selbst die Jerusalemer Gemeinde wurde nicht von Petrus, sondern von Jakobus, dem Bruder des Herrn, geleitet. Auf der Apostelversammlung in Jerusalem (Apostelgeschichte 15, 13 – 29) war es Jakobus, der die Beschlüsse der Apostel zusammenfasste und verkündigte. Petrus fürchtete sich vor den Anhängern des Jakobus, so dass er einmal zur Heuchelei verleitet wurde (Galater 2, 11 – 14). Doch hätte Petrus niemals so gehandelt, wenn er der höchste Repräsentant der Christenheit gewesen wäre! Die Begebenheit zeigt auch die theologische Uneinigkeit innerhalb der frühen Christenheit: Während Jakobus seine Judenchristen eng an die jüdische Tradition band, wollte Paulus die Heidenchristen vom jüdischen Gesetz entbinden. Von einer global organisierten Kirche konnte also gar keine Rede sein.
      Die Geschichte der römisch-katholischen Kirche begann erst im vierten Jahrhundert. Der römische Kaiser Konstantin suchte eine neue Staatsreligion, um sein Reich politisch zu stabilisieren. Diese Staatsreligion musste sowohl für Heiden als auch für Christen akzeptabel sein. Darum zwang er Heiden und Christen sich durch Kompromisse zu einigen. Konstantin war Pontifex maximus, der oberste heidnische Priester. Gleichzeitig beanspruchte er den Vorsitz in allen christlichen Konzilien. Darum kann man sagen, dass Konstantin (nicht Petrus!) der erste Papst war. Christen, die sich nicht der neuen Staatskirche anpassten, wurden auch weiterhin verfolgt, obwohl es offiziell „keine“ Christenverfolgung mehr gab.

    • Thomas schreibt:

      Im römischen Reich gründete Kaiser Konstantin die römisch-katholische Staatskirche durch Verschmelzung von Christentum und Heidentum. Aber außerhalb des Römischen Reiches gab es damals noch Gemanenvölker, die einem arianischen, nicht-katholischen Christentum folgten. Erst im Mittelalter erlangte der Katholizismus die absolute Vorherrschaft über das westliche Christentum.
      Als die Päpste erst einmal die Kontrolle hatten, konnten sie Geschichte nachträglich umschreiben. Man erfand eine Liste von Päpsten, die angeblich vom ersten bis zum dritten Jahrhundert regiert haben sollen. Dennoch sind genügend historische Fakten erhalten geblieben, um diese Lügen entlarven zu können.

  2. christozentrisch schreibt:

    Vielen Dank für den kritischen Beitrag!
    Ich kann leider nicht mit dieser kurzen Antwort auf alle Ihre Argumente eingehen. Ich möchte nur ein Paar Bemerkungen machen:
    1. Protestanten meinen nicht, dass gute Werke gar keine Bedeutung hätten. Sie sagen, dass man allein durch den Glauben gerechtfertigt werden kann. Paulus und Jakobus können sich nicht widersprechen, deshalb hat das Verb dikaioo (rechtfertigen) bei Jakobus eine andere Bedeutung. Laut Jakobus sind gute Werke der äußerlichen Beweis, dass jemand von Gott tatsächlich gerettet wurde. Diese Rettung erfolgt aus Gnade und nicht durch menschliche Anstrengungen.
    2. Katholiken haben meiner Meinung nach ein falsches Verständnis von der Rechtfertigung. Sie meinen, dass Gott den Sünder gerecht „macht“. Die Bibel sagt dagegen, dass Gott uns gerecht „spricht“, dies aufgrund des Werkes Christi. Dann heiligt uns Gott durch seinen Geist, sodass wir gute Werke hervorbringen (Eph 2,10). Diese Werke belohnt Gott aber aus reiner Gnade und nicht als Verdienst.
    3. Ich möchte gar nicht auf das eingehen, was Sie über Martin Luther behaupten. Es ist einfach lächerlich. Genauso, wenn Sie sagen, Paulus hätte nur die Werke des mosaischen Gesetzes im Sinne. Warum zitiert er dann Abraham in Römer 4, der nicht unter dem mosaischen Gesetz stand? Nein, Paulus meint alle Werke!
    4. Dass der verlorene Mensch nach dem Sündenfall keinen freien Willen besitzt und nur durch Gottes Gnade zum geistlichen Leben erweckt werden kann, ist wohl biblisch (Epheser 2,5.8)
    5. Ich habe eine sehr hohe Sicht von der Kirche und glaube „an eine katholische Kirche“, allerdings bestreite ich den Anspruch der „päpstlichen Kirche“, wahre Kirche zu sein und in der petrinischen Tradition zu stehen. Sie hat sich von der apostolischen Tradition distanziert, wie zur Zeit Jesu die Pharisäer und Sadduzäer sich von Mose entfernt hatten. Wie die Israeliten unter dem Prophet Jeremia, tröstet sie sich trügerischen Worten: Hier ist der Tempel des Herrn, hier ist der Tempel des Herrn (Jer 7,4).
    6. Das mit dem Kanon hat in erster Linie mit der Souveränität und der Vorsehung Gottes zu tun, obwohl die Kirche des 4ten Jht noch in Ordnung war. Den Israeliten wurde zum Beispiel der Kanon des Alten Testaments anvertraut.

  3. Lisa schreibt:

    Danke! Ihr Text hat mir sehr geholfen bei der Vorbereitung meines Colloquiums in Religion!

  4. Ingmar Wendland schreibt:

    Hallo!
    Sie schreiben oben: „Martin Luther sagte davon: es ist der Glaubensartikel mit dem die Kirche steht oder fällt.“
    Wo genau schreibt er das?
    Dies ist jetzt keine kritische Anfrage, sondern ich beschäftige mich gerade mit zentralen Aussagen der Theologie Luthers und bin in der Legion seiner Texte auf der Suche nach entscheidenden Stellen. Deshalb wäre mir eine Rückmeldung eine große Hilfe.
    Viele Grüße,
    I. Wendland

  5. Rieger schreibt:

    „Solas“ ist falsch! Es muss „Soli“ heißen! Das ist Lateinisch – die Sprache der damaligen Gelehrten. Plural von solus ist soli, feminin: sola, Ablativ: solo. Luther sprach übrigends von 4 Soli. „Soli deo gloria“ hat vor allem J.S. Bachs Werke geprägt ….
    J. Rieger

  6. christozentrisch schreibt:

    J.Rieger, Sie haben zum Teil Recht. Solas ist dennoch möglich. Das ist die eingedeutschte Form von soli bzw. solae (Femininum). Als Plural von Medium (Vermittler) wird oft auch Medien benutzt, statt Media, oder nicht?

    • pseudodionys schreibt:

      Natürlich ist „solas“ grammatisch möglich, z.B. „feminas solas relinquit“. Es fragt sich nur immer, ob das grammatisch Mögliche auch logisch möglich ist. Es geht ja im Zusammenhang von „solus“ um Identität und da sollte es ja wohl nicht gleichzeitig Pluralität geben, entsprechend auch keinen Plural.
      Logische Probleme bietet das reformatorische „solus“ auch insofern es sich wie im deutschen „genau“ in „genau dann wenn“ um 2 Anforderungen handelt:
      (1) höchstens
      (2) mindestens“.
      „Solus“ kann man nur behaupten, wenn beides gilt. Beide Bedingungen müssten deshalb bei den 5 reformatorischen „soli“ jeweils nachgewiesen werden, was denn doch wohl zumindest bzgl. des Ausschlusses der „Werke“ Schwierigkeiten macht. Zur Klärung muss man dann interpretieren und widerspricht damit dem „sola fide“, das nach Luther mit dem Grundsatz „sacra scriptura sui ipsius interpres“ zusammenhängt (s. Ebeling). Dass man aus der Interpretationsnotwendigkeit herauskommen könnte, ist angesichts der Theologiegeschichte nicht zu erwarten.

      • christozentrisch schreibt:

        Diese Kritik ist unbegründet. Keine Sprache kann die Realität 100-prozentig beschreiben. Sola Scriptura schließt auch Interpretation nicht aus. Das will nur sagen, dass die gesamte Schrift unsere Interpretation leiten soll. Die Schrift ist klar genug für diejenigen, die reinen Herzens sind. Sola Fide bezieht sich allein auf die Rechtfertigung des Sünders und schließt die Werke nicht aus. Werke sind heilsnotwendig, aber sie machen nicht gerecht vor Gott.

  7. Pascal schreibt:

    Wenn es sola scriptura wäre, dann müsste man die zehn Gebote entweder als gar nicht mehr gültig sehen oder aber den Sabbat als biblischen Ruhetag. Da der Sonntag nicht in der Bibel erwähnt wird.

    • Sosipater schreibt:

      Apg. 20:7:
      am ersten Tag der Woche aber, da wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus und wollte des anderen Tages weiterreisen….
      ———–>
      dies ist ein Sonntag; allerdings belegt diese Stelle nicht, daß der Sonntag regelmäßig Tag des Herrn oder Sonntag in unserer heutigen mehrheitlichen Praxis war.

      Aber:
      Kol. 2:16 sagt deutlich:
      So lasset nun niemand euch ein Gewissen machen über Speise oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate.

  8. Armin schreibt:

    Die 5 Solas der Reformation kann man nur als richtig verstehen wenn man seine Bekehrung und Wiedergeburt erlebt hat!

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