Das Wort richtig austeilen. Eine Widerlegung des Dispensationalismus

Viele Christen werden wohl das Wort Dispensationalismus nie gehört haben, und dennoch bestimmt diese Lehre vielleicht mehr als sie denken ihr eigenes Verständnis der Bibel.

Eigentlich könnte man dieses eher technische Wort so umschreiben: Lehre der Haushaltungen oder der Zeitalter. Die Dispensationalisten verstehen die Heilsgeschichte als eine Abfolge von Zeitaltern, die oft wenig miteinander zu tun haben : es gibt zum Beispiel das Zeitalter des mosaischen Gesetzes, das Zeitalter der Gnade oder das Zeitalter des tausendjährigen Reichs.

Die meisten Reformierten vertreten eine andere Ansicht: die sogenannte Theologie des Bundes.

Es ist aber nicht so, dass die Lehre des Dispensationalismus einheitlich ist. Wir finden einige Variationen:

  • C.I. Scofield sieht zum Beispiel als Hardliner 7 Zeitalter: Unschuld, Gewissen, menschliche Regierung, Verheißung, Gesetz, Gnade, Königreich.
  • E.W. Bullinger (nicht der Reformator!) unterteilt die Bibel so: Gott redet direkt zu einzelnen Menschen, Gott redet durch Propheten zu Israel, Gott redet durch seinen Sohn Jesus zu Israel, Gott redet durch die Apostel zu Israel, Gott redet durch Paulus zu den Nationen, Gott redet durch Johannes zu Israel.
  • In der Praxis werden wir oft mit einer vereinfachten Version zu tun haben: Zeitalter Israels, Zeitalter der Gemeinde, Tausendjähriges Reich.

Der Dispensationalismus ist relativ neu. Er ist wahrscheinlich im Kopf des genialen Denkers John Nelson Darby entstanden, in einem Jahrhundert, in dem die Hohe Kritik und die aufkommende Evolutionstheorie die Autorität der Bibel stark unterminierten. Darby hatte eigentlich eine „gute“ Absicht: er wollte die Heilige Schrift in Schutz nehmen. Bekannt ist die Lehre vor allem durch Autoren wie Macintosch, Scofield, Gaebelein, Ironside, Chafer, Walvoord und Ryrie geworden.

Der Dispensationalismus hat in bibeltreuen Gemeinden einen Riesenerfolg gehabt, so dass er heutzutage in vielen evangelikalen Gemeinden so wie im Pietismus fast unangefochten und mit viel Dreistigkeit vertreten wird. Ich schätze zum Beispiel jemand wie Karl-Hermann Kauffmann sehr, aber ich muss ihm leider widersprechen, wenn er sagt:

Die meisten Irrtümer in der Bibelauslegung resultieren aus der Verwechslung von Israel und Gemeinde1.

>>> Was ich in diesem Artikel zeigen möchte ist, dass Dispensationalismus, egal in welcher Form, wenig mit der gesunden Lehre der Bibel zu tun hat, wie sie uns von den Aposteln übermittelt wurde. <<<

Falsche Hermeneutik

Kommen wir zuerst zum entscheidenden Punkt! Die Befürworter des Dispensationalismus verwenden einfach eine falsche Hermeneutik. Das Wort Hermeneutik kommt übrigens vom griechischen hermeneuein und bedeutet Interpretation oder Auslegung eines Textes.

Dispensationalisten beziehen sich oft auf folgende Stelle in 2 Timotheus 2,15:

Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als einen rechtschaffenen und untadeligen Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht austeilt.

Das Verb für „austeilen“ heißt auf griechisch orthotomeo und bedeutet „gerade schneiden“. Daraus interpretieren die Dispensationalisten, dass wir zwischen den Haushaltungen der Heilsgeschichte richtig unterscheiden müssen, wenn wir die Bibel verstehen wollen. Dazu gehört, dass die Prophetien des Alten Testaments sich grundsätzlich auf Israel beziehen und dass die Zeit der Gemeinde ein Einschub in der Heilsgeschichte ist.

In Wirklichkeit bedeutet der Vers 15 von 2 Timotheus ganz einfach: die Botschaft von der Wahrheit unverfälscht weitergeben, wie die Neue Genfer richtig übersetzt. Wir meinen, dass dies bei der Hermeneutik der Dispensationalisten nicht zutrifft.

Ist die Hermeneutik der Dispensationalisten bibeltreu?

Während die historischen Millenialisten oft inkonsequent sind und die Reformierte in eine willkürliche Allegorisierung verfallen, behaupten die Dispensationalisten auf dem Gebiet der Hermeneutik bibeltreu zu sein,:

  • Sie sind die einzigen, die das Wort Gottes grammatisch-historisch auslegen.
  • Da die Prophetien über Jesu erstes Kommen sich wörtlich erfüllt haben, müssen sich alle anderen alttestamentlichen Prophetien auch wörtlich erfüllen.

Ist es aber wirklich so, dass die Dispensationalisten die Bibel immer wörtlich auslegen? Bei weitem nicht! Wer oft Brüdergemeinden besucht hat, wird sicherlich festgestellt haben, dass sie eine extrem typologische Auslegung der historischen Berichten haben. Ich gebe dazu ein Beispiel: Simson ist z.B. ein Typus Jesu, weil er durch seinen Tod mehr Feinde (Philister!) getötet hat als während seinem Leben (siehe Richter 16,30).

Darüber hinaus machen sie überall subtile und jedoch fragwürdige Unterscheidungen:

  • Das Himmelreich ist nicht immer das Reich Gottes.
  • Der Tag Christi (1.Wiederkunft) ist nicht der Tag des Herrn (2. Wiederkunft).
  • Die Braut Christi (Gemeinde) ist nicht die Braut Jehovas (Israel).

Ist es nicht irgendwie ein grobes Vorurteil zu sagen, dass die Bibel immer wörtlich verstanden werden muss? Gibt es nicht in der Heiligen Schrift zahlreiche Metaphern?

Wie sollen wir den Psalm 1 verstehen, wenn wir lesen?

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht…

Es wäre lächerlich zu behaupten, dass ein gottesfürchtiger Mensch tatsächlich ein Baum ist. Könnte es nicht sein, dass wir mit einer ähnlichen Textgattung zu tun haben, wenn wir z.B. in Jesaja 35 lesen?:

Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien… es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. (V. 1;6)

oder muss sich diese Prophetie vollständig wörtlich erfüllen, weil im Vers 5 steht: die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden?

Wer gibt uns den Schlüssel zur Interpretation der Schrift?

Die wichtigste Regel überhaupt ist die: die Bibel erklärt sich selbst! Das Neue Testament erklärt das Alte.

Nehmen wir ernst, was die Apostel durch den Geist Gottes gesprochen haben? Wenn ja, halten wir an ihrer Auslegung des Alten Testaments fest!

Im seinem Epheserbrief zeigt der Apostel Paulus, dass durch Jesus Christus die geistliche Mauer zwischen Juden und Heiden gefallen ist. Wir lesen in Epheser 2:

Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden „eines“ gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft.
Epheser 2,11-14

Dabei zitiert Paulus die Prophetie von Jesaja 57, wo Gott dem Volk Israel Heilung verspricht:

Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.
Jesaja 57,19

Im Galater 3 fügt er noch hinzu, dass auch Christen Abrahams Kinder sind:

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.
Galater 3,28-29

In Galater 4 zeigt er, wie sich die Prophetie von Jesaja 54 erfüllt hat.

Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest! Denn du wirst dich ausbreiten zur Rechten und zur Linken, und deine Nachkommen werden Völker beerben und verwüstete Städte neu bewohnen.
Jesaja 54,2-3

Er erklärt uns eindeutig, wer die Frau Jehovas ist: das ist die himmlische Jerusalem und ihr Christen seid auch ihre Kinder:

Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter… Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.
Galater 4,28

In Römer 15 zitiert Paulus viele Prophetien aus dem Alten Testament, um zu zeigen, dass Gott die Heidenvölker angenommen hat: Psalm 18,50; 5.Mose 32,43; Psalm 117,1; Jesaja 11,10.

In Apostelgeschichte 15,14-18 sieht Jakobus die Bekehrung der Heiden als die Wiederherstellung der Hütte Davids und bezieht sich auf eine Prophetie aus Amos 9,11-12 .

Wir könnten noch zahlreiche Beispiele geben, aber wir kommen lieber zum entscheidenden Punkt: Warum wenden die Apostel so viele alttestamentliche Prophetien kategorisch auf die Gemeinde an, wenn sie sich wörtlich nur auf Israel beziehen?

Israel und Gemeinde

Ist es wirklich so, dass die meisten Irrtümer in der Bibelauslegung aus der Verwechslung von Israel und Gemeinde resultieren, wie K.-H. Kaufmann behauptet?

Ich möchte in diesem Kapitel zeigen, dass die Kirche (die Gemeinde) die Fortsetzung des alttestamentlichen Volkes Gottes ist. Ich meine keineswegs, dass die Kirche das Volk Israel ersetzt hat (keine Substitution also!), sondern dass eine gewisse Kontinuität zwischen dem Volk Gottes im Alten Testament und dem Volk Gottes im Neuen Testament besteht.

Dispensationalisten betonen, dass der Name Israel sich immer auf die leiblichen Nachkommen Abrahams bezieht. Der Begriff Israel Gottes, den wir im Neuen Testament finden (Galater 6,16), sollte deshalb nur auf messianische Juden angewandt werden.

Die tragende Säule ihrer Theologie finden die Dispensationalisten in Epheser 3,1-10 und in Kolosser 1,26. Wenn es so wäre, sagen sie, dass die alttestamentlichen Prophetien das Heil der Nationen vorausgesagt hätten, warum sagt Paulus dann, dass im Alten Testament die Gemeinde noch ein Geheimnis war, dass sie also verborgen war? Wenn die Apostel alttestamentliche Prophetien auf die Gemeinde beziehen, ist es nur weil die Prophetie auch eine sekundäre (abgeleitete) Anwendung finden kann. Die primäre (eindeutige) Anwendung betrifft aber nur Israel.

Bevor wir erklären, was sich unter dem Begriff Israel verbirgt, behandeln wir diesen wichtigen Kritikpunkt!

Das Wort für „Geheimnis“ ist mysterion und das Verb hinter „kundgemacht“ ist gnorizo. Mit mysterion ist nicht gemeint, dass die Idee eines neuen Gottesvolkes nie mitgeteilt wurde, sondern dass dieses Konzept für das alte Volk sehr schleierhaft war, wie wenn eine Skulptur noch verhüllt ist; man sieht die groben Umrisse aber noch keine Details. Erst durch Apostel wie Paulus wurde dieses Geheimnis enthüllt.

Schauen wir zum Beispiel folgende Stelle aus Jesaja 52,13-15 an:

Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder, so wird er viele Heiden besprengen, dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken.

Dort lesen wir schwarz auf weiß, dass der Messias die Heiden besprengen wird (priesterliches Amt) und ihnen die Tora verkünden wird (prophetisches Amt). Paulus zitiert diese Stelle in Römer 15, 15-21 und erklärt, dass sie sich gerade durch die Weltmission erfüllt.

Oder nehmen wir auch den Psalm 47 Vers 10:

Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden

Wenn Dispensationalisten der Gemeinde Jesu den Titel Verus Israel abstreiten, dann entfernen sie sich radikal von der ganzen kirchlichen Tradition. Die Kirchenväter und die Reformatoren haben in ihrer großen Mehrheit immer betont, dass die Gemeinde wahrer Israel ist, sowie die Erwählten des Alten Bundes bereits der Gemeinde Jesu angehörten.

Aber wir wollen uns nicht nur auf eine menschliche Tradition beziehen, sondern auch diese Behauptungen biblisch belegen:

(1) In 1 Korinther 10,18 spricht Paulus von dem „Israel nach dem Fleisch“ (Israel kata sarka). Was meint er damit? Dispensationalisten sehen darunter ungläubige Israeliten. In dem Kontext wird diese Unterstellung kaum unterstützt. Paulus spricht mehrheitlich zu Heidenchristen (Gemeinde von Korinth) und bezeichnet die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten als „unsere Väter“. Was bezweckt er damit? Er zieht eine klare Parallele zwischen Israel und Gemeinde und will damit sagen: wir, aus der Gemeinde, sind das „Israel nach dem Geist“, solange wir Gott treu bleiben.

(2) In Galater 6,16 erläutert Paulus ebenso den Unterschied zwischen dem Israel nach dem Fleisch und dem Israel nach dem Geist. Die aus dem Beschneidung (das sind die Juden) sind an ihrem Fleisch beschnitten, während die wahren Kinder Gottes (ob Juden oder Heiden) an ihrem Herzen beschnitten sind. Nur die Letzten empfangen den Segen Gottes. Paulus ruft den Segen von den Psalmen 125, 5 und 128,6 auf sie herab.

Und alle, die sich nach diesem Maßstab richten – Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!
Galater 6,16

Das griechische Bindewort kai (und) kann auch nämlich übersetzt werden. Das würde bedeuten, was die Gute Nachricht-Übersetzung wiedergibt: alle, die sich nach diesem Maßstab richten, sind das Israel Gottes und empfangen Frieden!

(3) An vielen Stellen bestreitet das Neue Testament, dass Juden, die den Messias verwerfen, zu der Nachkommenschaft Abrahams gehören.

Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott.
Römer 3,28-29

In Offenbarung 3,9 sagt z.B. Jesus, dass Juden, die treue Christen aus Philadelphia verfolgen, eine „Synagoge Satans“ bilden. Sie werden eines Tages zu den Füßen den Unterdrückten niederfallen und erkennen müssen, dass Jesus sie geliebt hat. Dabei wendet Paulus die Prophetie aus Jesaja 60 auf Heidenchristen an:

Es werden gebückt zu dir kommen, die dich unterdrückt haben, und alle, die dich gelästert haben, werden niederfallen zu deinen Füßen und dich nennen »Stadt des HERRN«, »Zion des Heiligen Israels«.
Jesaja 60,14

Hier werden ausdrücklich treue Christen „Zion des Heiligen Israels“ genannt.

(4) Das klarste Beispiel für die Kontinuität zwischen Israel und Kirche stellt der Ölbaum von Römer 11 dar, wo Paulus unmissverständlich zeigt, dass die Wurzel des Baumes das Volk Israel ist und die gläubigen Heiden als Zweige eingepfropft werden.

Der Ölbaum ist in der Heiligen Schrift ein Bild für Israel. Die Tatsache, dass Heiden als wilde Zweige in den Baum eingefügt werden, spricht für sich. Am Ende vom Kapitel 11 ist es sogar höchstwahrscheinlich, dass Paulus die Gesamtheit des Volkes Gottes meint, wenn er sagt: und so wird ganz Israel gerettet werden (Vers 26).

(5) In Hebräer 3 finden wir auch das Bild des Hauses. Dieser Bau ist, wie der Ölbaum, ein Bild für Israel:

Und Mose zwar war treu in Gottes ganzem Hause als Knecht, zum Zeugnis für das, was später gesagt werden sollte, Christus aber war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten.
Hebräer 3,5-6

Selbstverständlich könnte man erwidern, dass hier nur messianische Juden gemeint sind, aber wir finden wieder das Bild des Hauses in 1 Petrus 2,5. Dort sind auch Heidenchristen gemeint.

(6) In 1 Petrus 2, 9-10 kombiniert ebenso Petrus mehrere Passagen aus dem Alten Testament: 2 Mose 19,6; Jesaja 43,21 und Hosea 2,25. Er wendet sie auf die Gemeinde an, obwohl sie in ihrem ursprünglichen Kontext das Volk Israel betreffen.

Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Gottes Reich

Eine grundlegende Lehre des Dispensationalismus ist, dass Gott der König Israels ist. Der Nachfolger Davids, der Messias, soll auf einem irdischen Thron sitzen. Da die Juden den versprochenen Messias abgelehnt haben, soll die messianische Herrschaft auf eine spätere Zeit verschoben werden. Dieses sichtbare Königtum wird erst im Tausendjahrreich errichtet werden.

Eines muss klar sein: wenn diese These widerlegt werden kann, dann fällt das ganze System des Dispensationalismus in sich zusammen.

(1) Stimmt es, dass Jesus den Israeliten das Reich angeboten hat und dass sie es abgelehnt haben?

Im Matthäusevangelium wird das Reich Gottes als etwas präsentiert, was unbedingt kommen muss, egal ob Menschen sich darüber ärgern:

Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.
Matthäus 11,5-6

Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
Matthäus 12,28

Doch sollt ihr wissen: das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.
Lukas 10,11

Dieses Reich ist aber nicht so, wie sich die Israeliten es vorgestellt haben:

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Lukas 17,20-21

Bester Beweis dafür: Als die Juden nach der Speisung der 5000 Christus zum König machen wollen, weigert sich Jesus, weil er sieht, dass er total missverstanden wurde:

Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
Johannes 6,15

(2) In der Bergpredigt definiert Jesus, wie sein Reich zu verstehen ist. Es geht nicht primär um materielle Dinge, wie Essen, Trinken und Kleidung:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Matthäus 6,33

In Römer 14,17-18 verfolgt Paulus diesen Gedanken:

Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet.

Mit Christus herrschen, kann auch Verfolgung mit sich ziehen. So Johannes:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus…
Offenbarung 1,9

Da das irdische Volk Israel (außer dem Überrest) die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannt hat, verliert es jeden Anspruch auf dieses Reich.

Im Kapitel 8 bewundert Jesus den Glauben des römischen Hauptmanns, dessen Knecht er geheilt hat, und sagt dabei:

Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Matthäus 8,11-12

Im Gleichnis der bösen Weingärtner in Matthäus 21 lesen wir den Vers 43:

Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.

Jesus meint hier: das Reich wird dem Volk Israel nach dem Fleisch weggenommen und einem anderen Volk gegeben, das geistliche Früchte tragen wird.

Falsche Endzeitlehre

Es würde noch etwas wichtiges fehlen, wenn wir die Frage der Eschatologie nicht kurz anschneiden würden. Da der Dispensationalismus in einer strikten Logik verfangen ist, vertritt er eine relativ komplizierte Endzeitlehre.

Wir können diese Lehre mit folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Abfall der sichtbaren Kirche
  • 1. verborgene Wiederkunft Jesu sowie Entrückung der Gemeinde
  • Antichristliches Reich und große Trübsal
  • 2. sichtbare Wiederkunft Jesu
  • 1. Auferstehung
  • Tausendjähriges Reich
  • Letzter Aufstand Satans
  • 2. Auferstehung zum Gericht
  • Ewigkeit

Dagegen sagen wir, dass die Bibel ein relativ einfaches Modell lehrt:

  • Geistliche Herrschaft der Gemeinde
  • Abfall der sichtbaren Kirche und Aufkommen des antichristlichen Reichs.
  • Wiederkunft Jesu
  • Leibliche Auferstehung aller Menschen
  • Endgericht
  • Ewigkeit

Die zwei Weltzeiten

Im Hinblick auf die Endzeit lehren Dispensationalisten, dass nach dem jetzigen Zeitalter noch zwei weitere Zeitalter auf uns zukommen: das Tausendjahrreich und die Ewigkeit. Dieser Gedanke ist jedoch dem Neuen Testament fremd, denn dort ist immer die Rede von dem jetzigen und von dem kommenden Äon.

In Matthäus 12, 32 sagt zum Beispiel Jesus über die Sünde gegen den Heiligen Geist:

wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.

Die Parallelstelle aus Markus 3,29 stellt klar, was mit „jener Welt“ gemeint ist:

wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig.

Für Jesus gibt es deshalb  diese Welt und dann die Ewigkeit. Die Ewigkeit fängt nach der Auferstehung der Toten an:

Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten; welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen.
Lukas 20,34-35

Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen – und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

und parallel dazu findet auch das Endgericht statt (nicht am Ende eines hypothetischen tausendjährigen Reichs!):

Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt (also von diesem Äon!)gehen.
Matthäus 13,40

Laut Paulus hat die Macht Gottes den Herrn Jesus auferweckt und ihn zum Herrscher eingesetzt:

Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.
Epheser 1,20-21

Der Autor des Hebräerbriefes spricht von denen, die geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben (Hebräer 6,4-5).

Dazu könnten wir noch viele Stellen hinzufügen…

Die Wiederkunft Jesu

Lehrt die Bibel, dass Jesus zweimal wiederkommen wird? Ich meine nicht. Lasst uns einige Schlüsselverse dazu betrachten!

(1) In 1 Thessalonicher 5 fordert Paulus die Christen zu Wachsamkeit und Nüchternheit. Ansonsten könnte sie der Tag des Herrn überraschen. Für die Dispensationalisten bezieht sich der Tag des Herrn in erster Linie auf die zweite Wiederkunft Jesu; sie betrifft Menschen, die bei der ersten Wiederkunft nicht entrückt wurden. Wenn Paulus eine zweite Wiederkunft im Blick hätte, warum spricht er kurz davor, in 1 Thessalonicher 4,17, von der Entrückung der Gemeinde und verbindet sie unmittelbar mit dem Tag des Herrn. Einige bemerken dass wir in 1 Thess. 5,1 mit einer Mehrzahl zu tun haben. Es steht: Von den Zeiten und Zeitpunkten… Sie denken deshalb, dass der Tag des Herrn eine Zeitspanne sein könnte. Dazu zwei Bemerkungen: (a) Wie kann ein Tag in einer solchen Hermeneutik plötzlich ein Zeitabschnitt werden. (b) Der hier verwendete Ausdruck steht auf griechisch immer in der Mehrzahl, wie wir es zum Beispiel in Apostelgeschichte 1,7 sehen:

Es gebührt euch nicht, Zeit(en) oder Stunde(n) zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat

(2) In 2 Thessalonicher 2 spricht Paulus von der Vereinigung der Christen mit Jesus bei seiner Wiederkunft. Was meint er genau? Es geht zunächst um die sichtbare Wiederkunft des Herrn (parousia) und wortwörtlich um unser Versammeltwerden zu ihm (episynagoges ep auton):

Was nun das Kommen unseres Herrn Jesus Christus angeht und unsre Vereinigung mit ihm, so bitten wir euch, liebe Brüder, dass ihr euch in eurem Sinn nicht so schnell wankend machen noch erschrecken lasst – weder durch eine Weissagung noch durch ein Wort oder einen Brief, die von uns sein sollen -, als sei der Tag des Herrn schon da. Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens.
2 Thes. 2,1-3

Zu diesem Ereignis sagt er folgendes. Dies soll nicht geschehen, bevor der Abfall und der Antichrist gekommen sind. Dieser Vers widerlegt die Idee von einer Entrückung der Gemeinde vor der Trübsalszeit.

(3) In seinem zweiten Brief, im Kapitel 3, spricht Petrus über das Kommen des Herrn. Diesen Tag erwarten die Christen in aller Geduld. An diesem Tag soll alles erneuert werden:

Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.
2 Petrus 3,10

Es ist auch an dieser Stelle klar, dass mit dem Tag des Herrn die Wiederkunft Jesu für seine Kirche gemeint ist und dass nach diesem Ereignis ein neues Äon kommt.

Ein Tausendjahrreich?

Das einzige Kapitel der Bibel, wo ein Tausendjahrreich erwähnt wird, ist Offenbarung 20. Die restliche Theologie über dieses tausendjährige Reich entpuppt sich als ein reines Kartenhaus. Es muss uns klar sein, dass wenn die alttestamentlichen Prophetien sich im Zeitalter der Gemeinde und in dem ewigen Reich Christi erfüllen, keine biblische Grundlage für dieses „Reich“ noch besteht.

Was ist dann in Offenbarung 20 gemeint? Ich verweise dazu auf folgenden Artikel.

Ich erwähne hier nur diese beiden Argumente:

  • Das Neues Testament lehrt eindeutig, dass das Gebundenwerden Satans durch das Wirken Jesu auf Erde bereits stattgefunden hat. Belege dafür sind Texte wie Matthäus 12,28-29 und Lukas 10,17-18. Dass Satan gebunden ist, bedeutet nicht dass er keinen Freiraum mehr hat, sondern dass er wegen der erschienenen Gnade Gottes seine Macht als Ankläger verloren hat.
  • Die Wiedergeburt wird oft mit einer Auferstehung aus den Toten verglichen: Der Kolosserbrief betont, dass wir bereits mit Jesus zu einem neuen Leben auferstanden sind (Kol. 2,12 ; 3,1). Johannes teilt uns mit, dass wir bereits mit Christus herrschen (Offenbarung 1, 9).

Schlussgedanken

Der Dispensationalismus mag für manche überzeugend und attraktiv sein, er bleibt eine sehr wackelige theologische Konstruktion, die sich weit von dem entfernt, was die inspirierten Autoren des Neuen Testaments über Jesus Christus und sein Volk gelehrt haben.

Eine heftige Kritik des Dispensationalismus wie diese, bedeutet meiner Meinung nach nicht, das Christen, die daran glauben, Irrlehrer sind. Viele von ihnen achten die Heilige Schrift viel zu sehr und verdienen dadurch viel Respekt.

Es bedeutet auch keineswegs, dass man das irdische Volk Israel verachtet; im Gegensatz, wie Paulus sagt:

… im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen.
Römer 11,28

1K.H. Kauffmann: Der Schlüssel, 4. Auflage, 2008, Seite 30

34 Gedanken zu “Das Wort richtig austeilen. Eine Widerlegung des Dispensationalismus

  1. Wer gibt uns den Schlüssel zur Interpretation der Schrift?

    Die wichtigste Regel überhaupt ist die:

    die Bibel erklärt sich selbst! Das Neue Testament erklärt das Alte Testament
    und umgekehrt !!!

    Gnade und Frieden
    in Jesus

    Oliver

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag, der einmal grundsätzlich und einfach erklärt, was der Dispensationalismus ist und was dagegen die Hl. Schrift sagt. So eine schlichte Widerlegung tut not, denn viel zu viele einfache Gemeindeglieder wissen, wie gesagt gar nicht, was sie glauben und wovon sie beeinflusst sind.

  3. Lieber Jean-Louis,

    Du hast mich per Mail gebeten, zu meiner vorgebrachten Analogie der Schrift, dass nicht nur das Neue Testament das Alte Testament, sondern dass auch das Alte Testament das Neue Testament auslegt, auch etwas über meine Analogie des Glaubens zu schreiben.

    Bezüglich meines Zusatzes „und umgekehrt“ wollte ich also darauf hinweisen, dass auch das Alte Testament das Neue Testament auslegt. Der Begriff „Analogie des Glaubens“ steht zudem in Römer 12,6 und zwar in Verbindung mit der Weissagung.

    „Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung.“ (1. Korinther 14,3).

    Nun gut ! Als Einstieg wähle ich den Bibelvers in Hesekiel 33,11, welcher durchaus den Bibelvers in Markus 1,15 auslegen kann. Insbesondere, wenn es darum geht, die Buße zu erklären. Es geht nämlich um die Umkehr vom bösen Weg !

    „Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Wenn ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen! Wenn nicht vielmehr daran, dass der Gottlose von seinem Weg umkehrt und lebt! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Ja, warum wollt ihr sterben, Haus Israel?“

    „ …Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

    Es stellt sich allerdings die Frage, was der Weg ist. Sowohl der böse als auch der gute Weg.

    Ist nun aber der Weg ein Verhalten oder etwas, was man vielleicht noch nicht so bedacht hat ?

    „So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Aber sie sagen: Wir wollen ihn nicht gehen.“ (Jeremia 6,16).

    » Aber sie sagen: Wir wollen ihn nicht gehen. «

    Stimmt es den wirklich, dass jene Menschen es nicht wollten, auf dem Weg des Guten zu gehen? Oder konnten sie es einfach nicht? (vgl. Lukas 16,26).

    Was genau ist denn damit nun gemeint, auf dem Weg des Guten zu gehen?

    „Die Propheten weissagen falsch, und die Priester herrschen auf eigene Faust, und mein Volk liebt es so. Was werdet ihr aber am Ende von all dem tun?“ (Jeremia 5,31).

    „Aber Mose sagte zu ihm: Eiferst du für mich? Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege!“ (4. Mose 11,29).

    Bedenke also, was ihr aber am Ende von all dem tun werdet!

    Welches Ende?
    Welches Tun?

    „und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zum Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen. Denn Tage werden über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall um dich aufschütten und dich umzingeln und dich von allen Seiten einengen; und sie werden dich und deine Kinder in dir zu Boden werfen und werden in dir nicht einen Stein auf dem anderen lassen, dafür, dass du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.“ (Lukas 19,42-44).

    Es geht also bei der Buße darum, den guten Weg einzuschlagen, um am Tage der Heimsuchung zu wissen, was zum Frieden dient.

    Das Ende im Sinne von Jeremia 5,31 muss allerdings als Anfang gesehen werden, denn der Weg zum Guten ist die Nachfolge = das Suchen = das Tun des Weges.

    Welcher Weg ? Was ist der Weg ?

    1. Mose 15,1; Josua 3,4; Josua 14,14; 1. Samuel 12,23; 2. Chronik 15,7; Psalm 25,12; Psalm 32,8; Jesaja 30,21, Jesaja 48,17; Johannes 10,4; Hebräer 10,35;11,6

    Es geht zudem um den Weg des Friedens – vgl. Jesaja 59,8; Lukas 1,79; Römer 3,17.

    Des Weiteren ist der Weg des Herrn das Recht Gottes – vgl. Jeremia 5,4; Johannes 7,49; Jesaja 30,18.

    Wie man merkt, geht es erst einmal um Begrifflichkeiten, die weitere Begrifflichkeiten nach sich ziehen. Und dies bedeutet, dass die vorherige Indoktrination des Bibellesers mit einer Irrlehre die Gesamtschau der heiligen Schrift behindert. Aus diesem Grunde ist der Dispensationalismus ein Hindernis, welches sich böse Menschen ausgedacht haben (vgl. Amos 5,12ff). – Dies nur nebenbei gesagt.

    Die unvoreingenommene Gesamtschau der heiligen Schrift ist daher notwendig, um auch voll heiligen Geistes zu werden (vgl. Epheser 5,18 mit Kolosser 3,16).

    Der gute Weg kann demnach fast gar nicht erklärt werden, wenn man das » Recht Gottes « nicht kennt.

    In diesem Zusammenhang fällt nunmehr auch der Begriff » Heimsuchung «, denn erst wenn der Geist des Rechts (vgl. Jesaja 28,5.6) im Herzen des Menschen wohnt, so versteht man dann, » was zum Frieden dient « (vgl. Lukas 19,42; Sacharja 13,9; Apostelgeschichte 22,16).

    Dazu gehört vor allem das Licht Gottes (vgl, Jesaja 29,18; Apostelgeschichte 26,18; Lukas 4,18), um dann im Sinne von Johannes 12,35.36.46 den Auftrag Jesu an uns verwirklichen zu können, im Licht zu wandeln, damit wir Kinder des Lichts werden. Aber es sind dennoch nicht wir, die Menschen, sondern ausschließlich der Heilige Geist, der in Christus und in uns wohnt. Wir müssen deshalb immer auf die Warnung in Psalm 50,16 bedacht sein, wonach steht: „Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: „Was hast du meine Ordnungen herzusagen und nimmst meinen Bund in deinen Mund?“.

    Es geht also bei der Umkehr von dem bösen Weg um die vom Heiligen Geist vorbereitete Heimsuchung, in welcher Gott den Menschen besucht: mit Licht und dann mit dem Frieden und dann mit dem Weg des Friedens; denn schmal ist der Weg, der zum Leben führt !!! (vgl. Matthäus 5,12 mit Matthäus 7,14 mit Apg 14,22 mit 1. Thessalonicher 1,6).

    Eine Bitte an alle: Lest die Bibel !!!

    Gnade und Frieden
    in Jesus

    Oliver

    1. Mary-Anne Renee

      Aus diesem Grunde ist der Dispensationalismus ein Hindernis, welches sich böse Menschen ausgedacht haben (vgl. Amos 5,12ff). – Dies nur nebenbei gesagt.
      Hier gehe ich nicht einig mit diesem Urteil. Weil Oliver, Sie hier die Motive der Vertreter des Dispensationalismus in Frage stellen und unterstellen, dass diese Böses wollen. Das Böse aber ist Satan.

      Der Dispensationalismus hat auf den ersten Blick ganz überzeugende Motive, besonders wenn er von messianischen Juden wie Fruchtenbaum vertreten wird. Und auch er beruft sich auf richtige Bibelauslegung. Und alles sah für mich sehr biblisch aus, bis ich die Früchte im Umgang mit Geschwistern sah, die die Geistesleitung betonen. Wir wollen in dieser Diskussion sachlich bleiben. Leider waren einige Vertreter des Dispensationalismus nicht mehr sachlich im Umgang mit einem Grossteil des Leibes Christi und erdreisteten sich, jene öffentlich als Häretiker zu brandmarken, weil sie eben auch die Motive der Geschwister, die ihre Schriftauslegung nicht vertreten, verurteilen und diese ebenfalls als Satanisten und Verführer bezeichnen. So nicht! Wir müssen bei der Sache bleiben und uns hüten – Motive zu richten.

      1. christozentrisch

        Vielen Dank für den Beitrag! Ja, wir müssen bei der Sache bleiben. Egal welche Ansicht wir vertreten, uns ist nicht gestattet, andere Christen zu richten, die zum Leib Christi gehören.

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  6. Das Problem des Dispensationalismus ist die „Grenze“, welche zwischen „Gemeinde“ und „Israel“ gezogen wird. Diese „Grenze“ gibt es nicht, es ist die Mauer aus Epheser 2, 11-14 welche dadurch auf geistlicher Ebene neu errichtet wird.

    Die geistliche Auslegung wird von den „Bibeltreuen“ zum Teil als willkürliche Schriftauslegung abgetan. Wenn wir jedoch, wie im Artikel beschrieben, die Auslegung der Apostel beachten, können wir den geistlichen Ratschluss des Heilsplans nicht missachten und erstrecht nicht Leugnen.

    Jesus Christus ist Israel, und alle an seinem Leib sind Israeliten.
    Math 2,15 + Hosea 11,1ff / Jes 49, 1-6

    Meine Empfehlung ist es, den Samen Abrahams zu studieren!

    LG

  7. Peter

    Vielen Dank für diese klaren Worte. Ich kann mich dem nur anschließen.
    Leider ist dieser Israel-Wahn so verbreitet, daß man schon fast verachtet wird, wenn man das fleischliche Israel nicht als Volk Gottes betrachtet.
    Dabei spricht Paulus in seinem Brief an die Römer ganz klare Worte, wer dass Volk Gottes,
    Jude oder Israelit ist.
    Römer 2,28+29; 9,6
    Der neue Bund hat mit Christus angefangen, und wird mit seiner Wiederkunft zum Endgericht und zur endgültigen Errichtung seines ewigen Reiches vollendet.

    1. Mary-Anne Renee

      Leider ist dieser Israel-Wahn so verbreitet….

      Lange bevor ich persönlich mit dem Dispensationalismus in Berührung kam, offenbarte mir der Hl. Geist, dass die Juden nicht verworfen sind. Damals legte ich ein Versprechen ab, die Juden zu lieben wie Jesus sie geliebt hat. Dieses Versprechen hinderte mich daran die allgemeine bei Protestanten übliche Haltung gegen Israel einzunehmen, die wir in den Grosskirchen oder Volkskirchen finden und die einseitige Pro-Palästinahaltung der liberalen Kirchen.

      Aber es scheint sich tatsächlich mit der Staatsgründung Israels eine Prophezeiung erfüllt zu haben. Auch wenn das vielen Protestanten und auch der Vatikan (der erst jetzt den Staat Israel als Staat anerkannte) ein Dorn im Auge ist. Obgleich ich mich vom Dispensationalismus getrennt habe. So sehe ich dennoch im politischen Israel eine weltweite Demonstration Gottes in Bezug auf Prophetie. Ich verweise hier auf die Stelle in Apostelgeschichte 1.6 ff

      Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen:Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen:Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde

      Die Jünger haben klar bis zu Pfingsten immer an eine Wiederherstellung des politischen Israels geglaubt. Jesus widerspricht ihnen nicht. Er macht einen seltsamen Verweis: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen…

      Warum ist diese Zeit und Stunde etwas, was die Jünger nicht wissen dürfen? Ich vermute, weil es dieselbe Stunde ist, in der Jesus zurück kommt. Und er kommt auf den Ölberg zurück und in sichtbarer Gestalt. Das haben die Engel den Jüngern nachher auch gesagt.

      Der Ölberg ist seit 2000 Jahren wieder in jüdischer Hand ist – was die Vereinten Nationen 1948 beschlossen haben – das ist ein Wirken Gottes. Warum, weil die Weltgeschichte ihrem Ende naht. Warum? Weil wenn wir die Bibel richtig lesen, Jesus klar vorausgesagt hat, das Evangelium wird allen Geschlechtern bis ans Ende der Zeit verkündigt werden, dann kommt das Ende.

      Vielleicht musste der Dispensationalismus vor 150 Jahren entstehen, damit die Christen überhaupt einen Blick für ein politisches Israel entwickeln und damit sie die endzeitlichen Szenarien besser einordnen können?

      Immer wieder sehen wir in der Kirchengeschichte, dass die Kirche ihren Auftrag lässig betrieben hat. Entweder hat sie sich aufs politische Parket begeben, dann war sie voller Aberglauben. Dann kamen die Reformatoren, dann gab es wieder eine Erweckung. Die dann auch wieder stagnierte. Dann spalteten sich die Täufer ab, die den Missionsbefehl weiter getragen haben. usw. Aber noch nie gab es soviel Aufbrüche in Kulturen jenseits unseres christlichen Radars, die sich seit 1998 Jesus Christus zuwenden. Ethnische Gruppe, die Jahrtausende resistent schienen für Jesus – die Massai – öffneten sich. In Afrika ist der animistische Teil der Bevölkerung auf ein Minimum zurückgegangen. Auf der ganzen Welt wenden sich Volksgruppen Jesus zu – nur im Westen leeren sich die Kirchen!!!

      Und all das hat im vorigen Jahrhundert begonnen. Und in dieser Zeit wurde Israel als Staat gegründet. Ein laizistischer Staat. Aber er wurde gegründet durch christliche demokratische Nationen. Als Zeichen. Paulus hat ganz klar betont, dass wir uns nicht gegen das irdische Israel erheben dürfen. Gott hat dafür gesorgt, dass die Juden 2000 Jahre lang kein Land besitzen – weil sie dem Ruf Mose nicht gehorsam waren, nämlich dem Propheten zu folgen, der nach ihm aufstehen würde. Wenn sie diesem Propheten – Jesus nicht folgen – würden sie unter die Nationen vertrieben werden – bis auf den heutigen Tag. Aber kaum war Israel als Staatsgebilde weg, hat sich die Kirche zu institutionalisieren begonnen und setzte dem Ganzen die Krone auf mit dem Papsttum nach der konstantinischen Wende.

      Grundsätzlich glaube ich den Mainstream Medien nicht, was sie über Israel berichten – weil wenn wir die Sache anschauen, findet überall einseitige Berichterstattung. Die westlichen Nationen werden zunehmend antisemitisch und unterstützen Schurkenstaaten, die auf nicht demokratische Weise Macht erzwungen haben. Und die Volkskirchen lassen sich völlig von diesen Aussagen vereinnahmen. Es geht darum einen klaren prophetischen Blick auch in Bezug auf die Zukunft zu behalten!

      Das Mainstream Christentum mit den Volkskirchen bewegt sich von Christus weg. Die Kirche der Apostasie. In der Drittwelt sind Bekehrungswellen und massivste Christenverfolgungen. Tausende von Hauskirchen werden rund um den Globus gegründet, begleitet von Zeichen und Wundern wie in der Apostelgeschichte.

      Und der Staat Israel wird von allen Königen auf Erden bedrängt. Weiter findet weltweit Christenverfolgungen statt in einem noch nie da gewesenen Ausmass. Dann kommen noch die massiven klimatischen Veränderungen.

      Nun, ich denke Israel hat hier seinen Platz in der öffentlichen Weltgeschichte und wir Christen müssen klar für das politische Israel Stellung beziehen, nicht weil sie das Gottesvolk sind, sondern weil sie um unseretwillen verblendet wurden, damit die aus den Nationen gerettet werden können. Dieser politische Umstand muss für sie das Zeichen werden, zu erkennen dass Jesus Christus ihr Messias ist. Und es soll sich erfüllen, wie in Sacharja vorausgesagt – sie werden alle Stämme wehklagen um den, den sie durchbohrt haben
      Sacharja 12.9
      Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein, alle Heiden zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind. Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. Zu der Zeit wird große Klage sein in Jerusalem, wie die um Hadad- Rimmon in der Ebene von Megiddo war. Und das Land wird klagen, ein jedes Geschlecht besonders

      Wir müssen aufpassen, was der Dispensationalismus zutage brachte, dass es noch Prophetien gibt, die noch nicht erfüllt sind und es eine tatsächliche in der Zukunft liegende Erfüllung gibt – besonders wenn das Neue Testament die Formulierungen des Alten Testamentes nochmals aufnimmt.

      Und genausowenig wie alles falsch am Dispensationalismus ist – müssen wir auch stehen lassen, dass nicht alles allegorisch in der Bibel ausgelegt werden darf und wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Denn unsere Erkenntnis ist Stückwerk sagt Paulus.

      Jede Christliche Gruppierung hat einen Teil der Wahrheit beizutragen! Alles prüft und das Gute behaltet.

      Das hat nichts mit Israel-Fanatismus zu tun. Sondern wir müssen lernen die Zeichen der Zeit zu deuten um einer im Westen immer mehr verweltlichten Kirche nochmals aufzurufen – hallo Kinder füllt eure Lampen bevor die Nacht einbricht mit Öl, der Bräutigam kommt.

  8. Arno

    Ich finde gut, wenn man sich mit dem Dispensationalismus befasst. Aber an einigen Stellen kommt mir die Argumentation aber doch etwas sehr flach vor. Natürlich ist nach Psalm 1 ein Gläubiger nicht wörtlich ein Baum. Im Text steht ja auch „wie ein Baum“. Es ist weit her geholt, diese Stelle als Beispiel dafür zu nennen, dass man nicht alle Stellen der Bibel wörtlich nehmen darf. Man muss immer von Fall zu Fall entscheiden und so einfach und banal ist es eben leider nicht. So kann man leider nicht die Frage beantworten, was mit den vielen Verheißungen sein wird, die dem Volk Israel im AT gegeben wurden, aber sich noch nicht erfüllt haben.
    Na klar sind die geistlichen Mauern nach Eph 2:11-14 gefallen. Aber in welche Zeit gehört diese Aussage? Doch in die jetzige! Auch Israeliten können jetzt zum Glauben an das Evangelium des Paulus kommen und gehören dann zu dieser Körperschaft. Die Körperschaft Israel ist davon nicht betroffen.
    Richtig ist auch, dass die Nationen auch immer schon durch Israel gesegnet wurden (besprengt). Und auch in Zukunft in einem 1000-jährigen Reich wird das ja so gesehen. Neu ist mit Paulus, und das ist ja das Geheimnis, dass die Nationen einen ganz eigenen Zugang zu Christus bekommen haben, der vorher (auch zu Jesu Zeiten) so nicht verkündet wurde.
    Zu den Äonen: Eph 2:7 spricht eindeutig von kommenden Äonen in der Mehrzahl. Welche sollen das sein?

    1. Ich stimme hier mit Arno überein, dass es tatsächlich unerfüllte Prophetien gibt. Besonders da, wo das Neue Testament diese im Wortlaut aufgreift.

      Ich bin überzeugt, dass es im Dispensationalismus auch einige Wahrheit gibt. Denn die wörtliche Auslegung der Schrift hat auch ihren Platz. Aber in der Gesamtheit der dispensationalistischen Auslegung als System, liegt der Fehler. Alle geschlossenen Systeme haben zu Eigen, dass sie sichern und kontrollieren wollen und darin liegt ihr Fehler.
      Gott lässt sich nicht in ein Schema pressen. Er hat sein Wort gegeben, als Leitlinie, als Richtschnur in der beständigen Beziehung zu IHM durch den Heiligen Geist und die Gesamtheit des Leibes Christi, der sich immer wieder in Liebe anhand des Wortes Gottes und Offenbarung (Geistesgaben) korrigiert.

      Der Dispensationalismus gesamthaft als System hat eine verheerende Wirkung in Bezug auf Bibelauslegung. Wenn wir die Bibel in voneinander völlig getrennte Heilszeiten aufteilen, dann verpassen wir wichtige Dinge.
      Hierin wird der menschliche Wunsch, Dinge kontrollieren zu wollen, deutlich. Wir müssen als Christen lernen, dass jeder Teil des Leibes durch Offenbarung einen Teil der Wahrheit erhält. Deshalb dürfen wir einander nicht richten indem wir uns gegenseitig böse Motive unterstellen und als Irrlehrer und Häretiker verdammen, sondern das Gute behalten und das Schlechte in einer sachlichen guten Argumentation zu widerlegen.

      Wir müssen sachlich bleiben, denn Dinge, die wir heute als richtig sehen, könnten durch Erkenntnisse von Morgen, sich dann wieder als falsch erweisen. Deshalb ist Demut gefragt.

      Die Dispensationalisten haben richtig erkannt:
      Es gibt Teile der Bibel, die kann man wörtlich auslegen – sonst macht es keinen Sinn.
      Sie haben richtig erkannt – es gibt Prophetien im Alten Testament die sind noch offen.
      Sie haben falsche Rückschlüsse daraus gezogen, indem sie versucht haben ein Schema zu erstellen, anhand dem die Bibel beurteilt wird.

      Vielleicht versuchten sie auch, die Zeichen der Zeit mittels eines Instrumentes genauer ablesen zu können und haben so indirekt gegen Jesu ausdrücklichen Wunsch gehandelt – Zeit und Stunde gebührt euch nicht zu wissen. Viele Gruppen, die klare Endzeit und Wiederkunftsprognosen abgaben, waren vom Dispensationalismus beeinflusst. (Zeugen Jehovas, Adventisten)

      Der Fehler des Dispenasationalismus ist, dass er zum hermeneutischen Mittel wurde, und so Dinge aus der Bibel für ungültig erklärt hat, die Gott noch nicht für ungültig erklärt hat und so verpasst der Dispensationalist gerade das Rhema für heute.

      Darin liegt die Gefahr. Und darin liegt die Verführung. Die Zukunft so wissen zu wollen (Kontrolle), dass die Beziehung zum Auferstandenen durch die tägliche Abhängigkeit vom Heiligen Geist zu kurz kommt und der Christ in seinem Alltag eben nicht mehr im Licht lebt, weil seine Gedanken auf eine Nahe Zukunft gerichtet werden. Wie im Gleichnis der Jungfrauen. Alle hatten einen Zukunftsblick auf die Ankunft des Bräutigams. Nur die einen haben Schlüsse für das Heute und Jetzt gezogen und ihre Lampen gefüllt, während die anderen gedanklich in der Zukunft ohne praktische Anwendung im Heute und Jetzt verhaften blieben.

      Wir müssen aufpassen, indem wir sagen: Wir haben die Wahrheit, Wir haben die richtige Auslegung, wir legen das Wort richtig aus. Wir müssen uns mit Händen und Füssen gegen diese Form des Hochmutes wehren, wollen wir nicht in die Kirchengeschichte als Häretiker eingehen.

      Wir müssen grundsätzlich festhalten: Alle Christen, die sich aktiv mit dem Wort Gottes befassen, haben eine Liebe dafür. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass sie aus besten Motiven handeln. Wir müssen aber unsere Erkenntnisse, Auslegungen und Offenbarungen prüfen und prüfen lassen! Und das geht nur, wenn wir den anderen nicht richten (richten = verdammen als Häretiker, Irrlehrer und böse bezeichnen und seine Motive nicht in Frage stellen, besonders wenn wir nicht mit ihm persönlich gesprochen haben).

      1. Arno

        Sicherlich ist es nicht einfach, eine Sicht zu beurteilen, die zwar unter einem Oberbegriff wie „Dispensationalismus“ einzuordnen ist, aber darunter auch sehr zersplittert ist. So wie Mary-Anne Renee es darstellt, sehen es ja keinesfalls alle. Die Heilszeiten werden nicht unbedingt als scharf trennbar gedacht; ich selbst finde Grenzen und Bezeichnungen von Darby oder anderen auch als nicht immer glücklich gewählt. Gefährlich ist auch, wenn es dogmatisch gehandhabt wird (wie es bei so vielen Kirchenlehren der Fall ist). Es bleibt so etwas wie ein Modell: Ich denke, unstrittig ist doch aber das Hauptanliegen des Dispensationalismus, dass Gott zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Bedingungen vorgegeben hat. Wir können nicht Verheißungen und Anweisungen auf uns beziehen, die in einer anderen Zeit anderen Empfängern galten. Darauf kann kein Segen liegen.
        Ein Modell kann man natürlich etwas technokratisch als „System“ bezeichnen – das bedeutet aber noch lange nicht, dass man meint, auf diese Weise etwas „kontrollieren“ zu können oder den Stein der Weisen der Bibelauslegung gefunden zu haben. Das Bestreben, die Bibel „systematisch“ auszulegen, kann aber doch nicht verkehrt sein und nur das Gegenstand einer Kritik sein. Die wenigsten Dispensationalisten behaupten außerdem, „Zeit und Stunde“ von Ereignissen zu wissen, die man in der Zukunft ansiedelt. Ich sehe auch nicht, dass das Christsein im Alltag davon negativ beeinflusst sein könnte. Ganz im Gegenteil: Glauben hat und hatte immer auch etwas mit Zukunftserwartung zu tun. Die Bibel macht dazu Aussagen; der Christ ist gefordert, diese für sich auszulegen. Und ob der die Verheißungen, die Israel galten, auf sich bezieht oder nicht, ist eine wichtige Frage, die jeder für sich prüfen sollte. Zu einfach wäre, sich nur der Sicht der Heimatgemeinde oder der herrschenden Theologie anzuschließen.

  9. Richard

    Auch die vorliegende Abhandlung ist eine Form des „Dispensationalismus“ sie weicht nur etwas vom Original ab. Ich habe schon viele Varianten von Endzeitlehren studiert, kürzlich die mangelhafte Version von Karl-Hermann Kauffmann. Das Beste und bibeltreueste was mir bisher unter die Augen kam ist die bekannte Scofieldbibel, das Bibelpanorama von Dillenburg und der Walvoordkommentar. Kann diese bewährten Schriften wämstens empfehlen, sie halten Apg 17.11 stand!

      1. Richard

        Die vorliegende Abhandlung hat eine ähnliche Struktur wie der Original-Dispensationalismus: da wird ebenfalls eine chronologische Abfolge von biblischen Haushaltungen und Ereignissen dargestellt. – Nur fehlt da beispielsweise das 1000 Jährige Reich, was zum Konflikt mit Offb 20 führt und ein wörtliches Verständnis von grossen Teilen des AT, besonders der prophetischen Bereiche wie zB. Jesaja 60 etc. in Frage stellt. Deshalb würde ich das Verständnis nach Scofield vorziehen.

      2. In dieser Abhandlung wird keine Form von Dispensationalismus, sondern die Bundestheologie vertreten. Selbstverständlich gibt es auch in der Bundestheologie eine zeitliche Abfolge von Haushaltungen, allerdings nur zwei, die zum Teil parallel verlaufen: Bund der Werke (vor dem Sündenfall und während der Gesetzeszeit); Gnadenbund (Verheißung an Abraham und Neuer Bund in Jesus Christus).
        Die Lehre des 1000jährigen Reiches basiert m.E. auf einer naiven Lektüre des ATs. Die Bibel kennt nur dieses Zeitalter und das zukünftiges Zeitalter (die Ewigkeit). Matthäus 25 macht deutlich, dass es nur ein Gericht der Gerechten und der Ungerechten geben wird. 2.Thessalonicher 1,6-10 ist ein vernichtendes Urteil gegen den Dispensationalismus:

        Denn es ist gerecht bei Gott, mit Bedrängnis zu vergelten denen, die euch bedrängen, euch aber, die ihr Bedrängnis leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht in Feuerflammen, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus. Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, dass er verherrlicht werde bei seinen Heiligen und wunderbar erscheine bei allen Gläubigen an jenem Tage; denn was wir euch bezeugt haben, das habt ihr geglaubt.

        Es ist hier die Rede von einer einzigen Wiederkunft des Herrn. An diesem Tag wird er die Ungerechten ewig bestrafen und wird bei seinen Heiligen verherrlicht werden.
        Offenbarung 20 ist das einzige Kapitel der Bibel, wo 1000 Jahre erwähnt werden. Wie kann man eine komplette Theologie darauf gründen. Diesbezüglich verweise ich auf folgenden Artikel in diesem Blog.

  10. Richard

    Zitat: „Die Lehre des 1000-Jährigen Reiches basiert m.E. auf einer naiven Lektüre des AT“
    Antwort: In Offb 20 wird dieses kommende Reich wörtlich angekündigt. Zahlreiche Propheten im AT untermauern diese Lehre. Woher weiss man denn, dass diese Weissagungen nur allegorisch zu deuten sind? – War es „naiv“ zu glauben, dass der Messias leiblich auf dieser Erde in Israel erscheinen wird? Matthäus belehrt uns eines besseren. Wenn Jesaja 65 wörtlich einen neuen Himmel und eine neue Erde ankündigt, so wird es zuvor auch buchstäblich zu einem irdischen Friedensreich kommen: Jes 60 und zahlreiche weitere. – Christozentriker sollten dies akzeptieren. Luk 24.25!

    1. Richard,
      na ja! Auf die richtige Hermeneutik kommt es natürlich an. Reden wir über Jesaja 65 zum Beispiel! Dort werden ein neuer Himmel und eine neue Erde angekündigt. Wir sind uns einig, dass damit die Ewigkeit gemeint ist (siehe Offenbarung 21, 1-4). Du sagst: Zuvor soll es zu einem irdischen Friedensreich kommen. Das ist eine unbegründete Annahme. Wo steht das in dem Text? Was in den Versen 18 bis 25 steht, wird von den Dispensationalisten auf das Tausendjahrreich bezogen, denn in der Ewigkeit sterben keine Menschen mit 100 Jahren. Der Abschnitt sagt aber eindeutig, dass dies im Kontext des neuen Himmels und der neuen Erde geschehen soll. Wer manipuliert willkürlich den Text? Ich vielleicht?

      1. Richard

        Meine Bibel verweist bei Jesaja 65.17 auf 2.Petr 3.13, demnach dürfen wir eine buchstäbliche Neuschöpfung erwarten, s. auch die Verse zuvor. Jesaja und fast alle übrigen Propheten scheinen aber auch, ja sogar im größeren Umfang, von wiederhergestellten irdischen Verhältnissen unter der Herrschaft Christi zu reden. Jes 65.20, Jer 33 etc.“Dispensationalisten“ können das alles ohne zweifelhafte Umdeutungen unter einen Hut bringen.

  11. Arno

    Hallo „christozentrisch“ (hast du vielleicht auch einen Namen, oder redet hier die webpage?)! Du schreibst, dass die Bibel nur dieses und das zukünftige Zeitalter kennt. Das ist interessant, denn Eph. 2,7 spricht von kommenden Äonen (Zeitaltern), also gibt es noch mehrere, d.h. mindestens zwei. Das sagt die Bibel. Außerdem ist ein Zeitalter ein Zeitraum mit Anfang und Ende (Äon im Griechischen). Die Ewigkeit ist es also nicht. Das zur Begriffsklärung.
    Nun zur Einordnung: Der nächste Äon ist das 1000-jährige Reich (Offb. 20). Danach (Offb. 21) folgt der neue Himmel und die neue Erde, der letzte Äon. Richtig ist, dass es noch den Tod gibt und den Feuersee, Israel herrscht außerdem noch. Eine „Ewigkeit“ ist das natürlich nicht. So, das sind die mindestens zwei Äonen.
    Was kommt danach? Dazu kann man bei Johannes nicht finden, sondern bei Paulus. Nach allen Zeiten wird der letzte Feind, der (zweite) Tod (den es ja auf der neuen Erde noch gibt), abgetan werden (1. Kor. 15,26), alle werden lebendig gemacht (1. Kor. 15,22-28). Gott wird alles in allen sein, Er hat dann Sein Ziel mit der Schöpfung erreicht (1. Kor. 15,28; Röm. 11,36).

    1. Ich heiße Jean-Louis. Es steht auch im Impressum. Zu deinem Beitrag jetzt: Im selben Brief, Kapitel 1, V. 21, lesen wir, dass der Vater Christus zu seiner Rechten gesetzt hat…

      über jede Gewalt und Macht und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen.

      Die Einzahl dient hier zum Vergleich mit der jetzigen Zeit.
      In dem Vers, den du erwähnst (Eph 2,7), wird auf Griechisch der Plural verwendet (aiōsin), nicht weil noch mehrere Zeiträume kommen sollen, sondern um zu betonen, dass der Reichtum seiner Gnade für immer gilt. Auf Deutsch würde man sagen: von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das ist eine Hyperbel.
      Schön, dass du dein Wissen zeigst. Das kann übrigens jeder, der eine Scofield-Bibel in der Hand gehabt hat. Die Stelle aus 1.Korinther 15, die du verwendest, beweist leider kein Tausendjahrreich, sondern dass Christus bis zu der Auferstehung der Gerechten seine Herrschaft aufbauen soll, also gerade in dieser Zeit. Nach Daniel 2,44 ist es in diesem Zeitalter !!! Der Tod wird bei der Auferstehung besiegt (wenn Christus wiederkommt) und nicht am Ende des Tausendjahrreichs. Denn, was passiert nach dispensationalistischer Lehre am Ende der 1000 Jahre: eine Auferstehung zum Gericht, also zum zweiten Tod !!! Was macht es für einen Sinn, von einem Sieg zu sprechen! Der klare Beweis für meine Behauptung steht übrigens am Ende des Kapitels, wenn Paulus in den Versen 54-55 sagt:

      Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: „Verschlungen ist der Tod in Sieg.“ „Wo ist, Tod, dein Sieg? Wo ist, Tod, dein Stachel?“

      Nochmal: der Tod wird bei der Auferstehung besiegt, wenn Jesus wiederkommt. Damit will Paulus die Christen ermutigen.
      Aber genug! Der Dispensationalismus ist so voll von Widersprüchen, dass man eine Ewigkeit bräuchte, um alles zu berichtigen!

      1. Hallo Jean-Louis (ist doch viel persönlicher)! Eph 2,7 spricht von „kommenden Äonen“. Ein Äon ist ein abgegrenzter Zeitraum. Es geht also um mind. 2 dieser kommenden Zeiträume und keineswegs um eine „Ewigkeit“, obwohl man es vielleicht gerne hätte. Aber es steht dort eben nicht. „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ ist auch so missglückte Übersetzung, die sinnlos ist. Was sollte das bedeuten? Von einer Endlosigkeit zur nächsten Endlosigkeit? Nein, das macht keinen Sinn, aber es steht dort auch gar nicht. Ich kann nicht erkennen, dass Daniel 2,44 sich auf dieses Zeitalter bezieht. Ein Königreich, dass alle anderen Königreiche zermalmt? Welches soll das sein? Der Tod ist erst dann für alle Menschen erst dann besiegt, wenn der zweite Tod abgetan wird. Ungläubige werden vor dem Gericht auferweckt, danach erfolgt aber der zweite Tod. Was du meinst, ist die Auferstehung nur der Gläubigen. Wenn man sich noch nicht richtig damit beschäftigt hat, meint man vielleicht Widersprüche zu sehen, aber die lösen sich ganz schnell auf. Nur Mut!

      2. Arno,
        in diesem Blog gibt es Raum für ehrliche Fragen und fundierte Diskussionen, aber nicht für unbegründete Behauptungen. Ein klarer Beleg, dass du von biblischer Hermeneutik wenig verstehst, ist was du über Daniel 2,44 sagst. Du meinst: ich kann nicht erkennen, dass es sich auf dieses Zeitalter bezieht! Aber von welchen Königreichen ist hier die Rede? Daniel interpretiert gerade diese Prophetie ab Vers 37: er sagt, der Kopf bist du König! Das bedeutet, dass die Königreiche, worüber er spricht, Babylon, die Meder und die Perser, die Griechen und zuletzt Rom sind. Das Reich Christi beginnt ab diesem Zeitpunkt! Er wird bleiben, während die Welt vergeht. Hast du dich schon gefragt, warum Johannes in Offenbarung 1 sagt, er sei Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus? Ich empfehle dir ein gutes Buch, um Apokalyptik besser zu verstehen: „Der Triumph des Lammes“ von Dennis E. Johnson (Betanien Verlag).

  12. Hallo Jean-Louis, es ist schön, dass wir uns hier um Gottes Wort und Auslegungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Alberne Unterstellungen wie „Unehrliche Fragen, unbegründete Behauptungen, verstehst wenig von H.“ usw. hast du doch eigentlich nicht nötig. Lass uns bitte auf der Sachebene bleiben.
    a) Zu dem ersten Punkt Eph 2,7 hast du leider gar nichts geschrieben, obwohl die Sachlage hier doch ganz einfach ist und für Dritte bestimmt gut nachvollziehbar.

    b) Du hast schon ganz richtig nachgelesen, dass die ersten drei Königreiche Babylon, Medopersien und Griechenland sind. Rom gehört aber nicht dazu, denn Gott hatte ihm eine grenzenlose Vollmacht nicht zugesprochen. Es ist doch so: Das zweite Königreich, Medo-Persien, ist geringer als Babylon, wie Gott Daniel die Metalle deuten läßt. Gold ist wertvoller als Silber, Silber kostbarer als Kupfer und Kupfer mehr wert als Eisen; Eisen aber besser als Ton. Mit den menschlichen Regierungen geht es also ständig bergab. In der militärischen Stärke ist allerdings das niedrigere Metall dem edleren überlegen. Das Silber besiegt das Gold, das Kupfer triumphiert über das Silber, und Eisen ist das stärkste. Medo-Persien besiegte also Babylon, Griechenland eroberte Medo-Persien.
    Beine und Füße der Statue bestehen aus Eisen. Sie stehen für das letzte Königreich, das Macht über die ganze Erde haben wird. Es ist das Reich des Antichristus. Der Ton in den Füßen ist eine Beimischung und zeigt die Anfälligkeit dieses Reiches in der letzten Zeit. Dass die Statue zwei Beine hat, ist ohne Belang, denn das Reich des Antichristus ist nicht geteilt. Die Beine weisen nicht auf Rom hin, denn im Verlauf der rund 800jährigen Geschichte Roms währte die Reichsteilung nur 81 Jahre (395 – 476 n. Chr.). Der Stein ersetzt das vierte und letzte Weltreich. Das gotteslästerliche Reich des Antichristus wird zerstört werden. Christus wird ja auch dann erst die Weltherrschaft antreten, wie wir wissen.

    Ich schlage aber vor, dass wir zunächst nur Punkt a) bearbeiten.

    1. Richard

      Wir leben jetzt zwischen der 69. und der 70. Jahrwoche Daniels, dh. nach dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi und dem öffentlichen Auftritt des Antichristen, der die 70. JW einleitet. Nach der 70 JW folgt die Wiederkunft Jesu auf diese Erde und die Aufrichtung des irdischen Reiches Christi das gemäss Offb 20 1000 Jahre andauern wird und danach in den ewigen Zustand übergeht. Der Beginn des irdischen Reiches Gottes entspricht Daniel 2.44. – Eph 2.7 beinhaltet m.E. diese Phasen der Zukunft. (Quelle: Bibelpanorama aus Dillenburg)

    2. Verstehen wir uns richtig Arno. Du möchtest zwar einen sachlichen Eindruck vermitteln, aber wenn ich lese, was du für verderbliche Lehren auf deiner Webpräsenz weltmanager.de verbreitest, z.B. gegen die Dreieinigkeitslehre oder für die Allaussöhnung (korrigiere mich bitte, wenn du nicht der Autor bist), finde ich diese Diskussion mit dir nicht so schön! Ich führe sie dennoch, weil ich weiß, dass viele Leser dieses Blogs gutgläubig und auf der Suche nach biblischen Antworten sind.
      Zu Punkt a)
      Die Frage zu wissen, was genau das Wort „Äon“ bedeutet, ist in der Tat entscheidend. Es ist nicht umsonst, dass Allversöhner versuchen, uns zu erklären, dass es sich nur um einen begrenzten Zeitraum handelt (eine Haushaltung also). Nur, wer den altgriechischen Sprachgebrauch kennt, weiß, dass es nicht so einfach ist, denn das Wort „aión“ wird auch für die Ewigkeit gebraucht. Ich möchte an dieser Stelle keine zu technische Diskussion anfangen und will nur ein Paar Beispiele geben:
      1) Bleiben wir im Epheserbrief. In Epheser 3, 9+11 lehrt Paulus, dass Gott seinen ewigen Vorsatz, die Gemeinde ins Leben zu rufen, jetzt durch ihn offenbart hat. Es heißt wörtlich „von den Zeitaltern her“(ELB) und „Vorsatz der Zeitalter“. Ich gebe zu, dass man auch „vor den Zeitaltern“ übersetzen könnte, aber die Idee dahinter ist, dass man einen solchen Zeitpunkt nicht festlegen kann. Da es in Altgriechisch keinen genauen Begriff dafür gibt, sagt man einfach: es war „viele Zeiten her“!
      2) In der Doxologie am Ende von Römer 16 lesen wir, dass das Geheimnis des Evangeliums „Zeiten hindurch“ verschwiegen war. Auch da könnte man denken, dass „Zeitalter der Geschichte“ gemeint sind, aber nein: die Idee ist, dass es „von Ewigkeit her“ war, und bis zu diesem genauen Zeitpunkt. Hat Gott einen Anfang und ein Ende? Der Vers 26 nennt ihn aber „Gott der Zeiten“. Hier zumindest wird klar, wie der Begriff zu deuten ist: Gott ist ein Gott der Ewigkeit!
      In Epheser 2,7 sind auch nicht zwei (oder drei) Zeitalter gemeint, sondern die Ewigkeit !!!

  13. Ich stimme zu, Richard, abgesehen davon, dass nach dem 1000-jährigen die neue Erde und der neue Himmel mE auch ein abgeschlossenes Zeitalter (Äon) ist. Aus den schon genannten Gründen kann es nicht der Endzustand sein. Diese beiden Äonen gehören sicher zu denen, die in Eph. 2,7 gemeint sind.

  14. Hallo Jean-Louis, du hast Recht, ich halte die Dreieinigkeitslehre und die Höllenlehre für verderbliche Lehren. Damit bin ich aber nicht allein. Aber das ist ja auch gar nicht Thema hier. Hast du Schwierigkeiten, dich vorurteilsfrei mit Andersdenkenden auszutauschen? Das würde mir zu denken geben!
    Zu unserem „Problem“: Es geht hier einfach nur um ein wenig logisches Denken. Das Geheimnis, das Paulus enthüllen durfte, war von äonischen Zeiten her verhüllt. Der Zustand hatte also ein Ende. „Ewigkeit“ als Zeitlosigkeit wäre also die falsche Übersetzung. Ähnlich verhält es sich bei dem anderen Beispiel. Natürlich ist Gott auch ein Gott der Äonen, denn durch diese wirkt er ja. „Ewigkeiten“ gibt es in einer guten Bibelübersetzung nicht (in der Elberfelder ist wenigstens in den Fußnoten richtig übersetzt). Es ist die Tradition, die vielen noch den Blick auf die Bibel selbst verstellt. Sich davon zu lösen, ist natürlich schwer, aber es lohnt sich!

  15. Hiermit wird der Diskussionsfaden zu diesem Artikel beendet. Der Betreiber möchte nicht, dass diese Website als Plattform für irreführende Lehrmeinungen missbraucht wird. Ehrliche Leser werden sicherlich ihre Meinung bilden können. Es wurden bis zu diesem Zeitpunkt keine Kommentare gelöscht.

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