Gottesdienst ist Beziehungssache

Im Alten Testament war der Gottesdienst, der Gott gefiel, nicht in erster Linie zeremoniell. Anbetung war Beziehungssache. Die Herzenseinstellung war der wichtigste Bestandteil der Beziehung zu Gott:

Schlachtopfer und Speisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. Psalm 40,7-9

Eine wichtige Voraussetzung für den Gottesdienst Israels war, dass Gott in der Mitte seines Volkes bleibe. Das heißt, er sollte tagtäglich erfahrbar sein, nicht nur am Sabbat:

Ich will meine Wohnung unter euch haben und will euch nicht verwerfen. Und ich will unter euch wandeln und will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. 3.Mose 26,11-12

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Der Sündenfall

Die Historizität des Sündenfalls

Wenn wir uns mit dem Sündenfall befassen, dann müssen wir als allererstes fragen: Haben wir hier mit einem historischen Ereignis zu tun oder handelt es sich bei dem biblischen Bericht um einen Mythos? Haben Adam und Eva wirklich existiert oder sind sie nur als Urtypen der Menschheit zu deuten?

Wenn wir davon ausgehen, dass wir mit einem Mythos zu tun haben, dann werden wir schnell von theologischen Problemen überwältigt. Das geht so weit, dass wir irgendwann Lehren wie die Verderbheit des Menschen, die Realität der Sünde und die Notwendigkeit der Erlösung über Bord werfen müssen. Natürlich ist unter diesen Umständen ein gewisser Glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes noch möglich, aber es stellt sich bald die Frage: Welche Berechtigung hätte dann die Menschwerdung Christi? Warum ist der Sohn Gottes Mensch geworden und wozu hat er sein Leben am Kreuz geopfert, wenn wir besser werden könnten und uns selbst retten würden? Weiterlesen „Der Sündenfall“

Augustinus über 1Mose 2,5

Der folgende Text stammt aus „De Genesi contra Manichaeos“ vom Kirchenvater Augustinus. Wie man feststellen wird, ist seine allegorische Auslegung von 1Mose 2,5 ziemlich „umwerfend“:

Kapitel 3 Was das Grüne des Feldes bedeutet (1Mose 2,5)

4. Deshalb wurde der Tag gemacht, an dem Gott Himmel und Erde, und all das noch nicht vorhandene Grüne des Feldes und alle Nahrung auf den Feldern erschuf. Vorher sprach die Schrift von sieben Tagen; jetzt sagt sie, es gibt doch einen Tag, an dem Gott Himmel und Erde und all das Grüne des Feldes und jede Nahrung gemacht hat. Wir verstehen richtig, wenn wir diesen Tag als den ganzen Ablauf der Schöpfung deuten. Denn Gott hat die Zeit sowie die irdischen Geschöpfe erschaffen, und „Himmel und Erde“ umfassen diese sichtbaren Geschöpfe. Weiterlesen „Augustinus über 1Mose 2,5“

Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Der Psalm 22 beschreibt das Leiden eines Menschen, der sich von Gott total verlassen fühlt. Es ist nicht klar, ob der Autor dieses Psalms, David, auf einen Abschnitt seines eigenen Lebens verweist oder ob er auf jemand anderen schaut. Vieles in diesem Psalm lässt vermuten, dass er vielleicht an die Ereignisse denkt, als er vor seinem eigenen Sohn Absalom fliehen musste:

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke. Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf…
Psalm 22:7-8

Die Tradition der Kirche hat in diesem Psalm eine erstaunliche Prophetie über das Leiden Christi erblickt. Es ist nicht nur eine vage Vermutung, denn das Neue Testament unterstützt explizit diese Sicht. Das 27. Kapitel vom Matthäusevangelium erwähnt mindestens 4 mal diesen Psalm:

  • der Vers 35 erwähnt zum Beispiel, dass die Kleider Jesu geteilt wurden (Ps. 22,19)
  • der Vers 39 berichtet über diejenigen, die Jesus verspottet haben (Ps. 22,8)
  • im Vers 43 wird Jesus verhöhnt, in dem man ihm empfiehlt, sich wegen seinem Leiden an Gott zu wenden (Ps. 22,9)
  • der Vers 46 zitiert den Aufschrei Jesu: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Ps. 22,2) Weiterlesen „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Der Spross Davids

Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen.
Jesaja 11, 1

Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.
Offenbarung 5, 5

Eine Besonderheit des sozialen und religiösen Lebens in Israel war die Trennung folgender Ämter: Königtum, Priestertum und Prophetentum. Ein König durfte zum Beispiel kein Priester sein und ein Priester durfte auch kein König werden.

Jesus vereinigt aber in seiner Person alle drei Ämter:

  • Als Sohn Davids ist er König Israels.
  • Er ist ewiger Priester nach der Ordnung Melchisedeks.
  • Er ist das lebendige Wort Gottes; durch ihn hat Gott zuletzt geredet.

Jesus Christus ist nicht nur nach dem Hebräerbrief unser Hohepriester. Er wird auch nach mehreren alttestamentlichen Prophetien Spross Davids oder auch Wurzel Davids genannt. Als er auf Erde war, wurde er ihm oft der Titel Sohn Davids gegeben. Was bedeuten diese Bezeichnungen genau? Weiterlesen „Der Spross Davids“

Jesus im A.T.: der Engel des Herrn

engel des herrnIm Alten Testament begegnen wir oft einer rätselhaften Figur: dem sogenannten Engel des Herrn. Warum wird in den meisten Übersetzungen dieser Engel nicht einfach EIN Engel des Herrn genannt? Warum spricht dieser Bote oft mit einer solchen Autorität, als ob er selbst Gott wäre?

Lasst uns einige Stelle anschauen, wo von diesem Engel die Rede ist!

Als Hagar  Saras Dienerin und Abrahams Nebenfrau auf der Flucht vor ihrer Herrin war, begegnet sie dem Engel, der zu ihr sprach:

Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können.
1 Mose 16, 10

Sie nannte ihn den Gott, der mich sieht (El Roi) Weiterlesen „Jesus im A.T.: der Engel des Herrn“