Wie Reformierte Evangelisation verstehen

Folgendes Vorurteil hat sich in vielen Köpfen festgesetzt: Reformierte halten nur ihre Gottesdienste; sie evangelisieren nicht, weil sie der Überzeugung sind, dass die Auserwählten sowieso irgendwann gerettet werden.

Eine solche Beurteilung ist aus zwei Gründen falsch:

  • Reformierte legen viel Wert auf die Evangelisation, nur evangelisieren sie anders.
  • Gott ist zwar souverän, aber in seiner Gnade möchte Er uns gerne gebrauchen.

Evangelisation durch den Gottesdienst?

Wenn Evangelikale an Evangelisation denken, sind sie der Meinung, dass man unbedingt spezielle Gottesdienste für Kirchenferne planen sollte. Laut dieser Auffassung könnten Kirchenferne nämlich fast nichts mit einem herkömmlichen Gottesdienst anfangen. Reformierte vertreten da eine ganz andere Meinung: Evangelistische Veranstaltungen sind wünschenswert aber sie sollten nie auf Kosten des regelmäßigen Gottesdienstes geschehen. Der Gottesdienst ist zwar primär für die Erbauung der Gläubigen gedacht, wir können jedoch unsere Freunde und Bekannten auch dazu einladen, weil Gott sie dort durch gewöhnliche Gnadenmittel wie die Wortverkündigung ansprechen kann.

Die Frage ist nämlich: Was traue ich Gott zu? Verlasse ich mich auf geschickt angewandte Techniken und sanfte menschliche Methoden, die Gefühle hervorrufen aber nicht unbedingt Herzen zur Umkehr (Buße) führen können oder will ich die Verlorenen direkt mit Gottes Botschaft konfrontieren und dabei erwarten, dass der Heilige Geist sie überzeugt?

Das Problem von Großevangelisationen, so wie sie in evangelikalen Kreisen konzipiert sind, ist oft, dass sie viel zu viel Unterhaltung anbieten und, wenn das Wort Gottes verkündigt wird, der Schwerpunkt viel zu sehr auf die Entscheidung gelegt wird und nicht auf andere Aspekte des christlichen Lebens.

Nicht nur die Nicht-Christen brauchen Evangelisation, sondern auch die regelmäßigen Kirchenbesucher, aus dem einfachen Grund, dass ein Christ sich immer wieder einprägen sollte, dass Christus für uns sein Leben geopfert hat. Es könnte auch sein, dass unter den Kirchenbesuchern einige noch nicht wiedergeboren sind. Aus diesem Grund sollte eine gute Predigt immer das Evangelium beinhalten.

Die persönliche Evangelisation und der Inhalt unserer Botschaft

Unter persönliche Evangelisation verstehe ich die Möglichkeiten, die Gott uns schenkt, mit Menschen über unsere Hoffnung zu reden

Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist,    1 Petrus 3, 15b

Es ist selbstverständlich nicht allen gegeben, den Glauben mit umfangreichen Kenntnissen und Schlagfertigkeit zu verteidigen, aber es kann auch nicht schaden, ein einfaches Glaubensbekenntnis abzugeben. Es scheint mir äußerst wichtig, dass wir auch durch Gastfreundschaft und Hilfebereitschaft versuchen, alle Menschen zu erreichen, auch die Fremden, die nicht zu unserer Kultur gehören. Dabei müssen wir auch den Weg ebnen und die Menschen kennen lernen, mit denen wir uns unterhalten. Diese Vor-Evangelisation ist unbedingt notwendig, bevor wir die zentrale Botschaft des Evangeliums weitersagen können.

Was unterscheidet dabei die Refomierten von den anderen Christen?

Es ist zwar schön und gut, wenn wir Nicht-Christen sagen, was Jesus für uns getan hat, aber dieses Zeugnis allein hilft ihnen nicht, gerettet zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass wir vor allem über den Inhalt unseres Glaubens sprechen. Dabei sollten wir folgendes betonen:

  1. Gott hat uns erschaffen und hat somit einen Anspruch auf unser Leben. Gott ist Liebe, aber Er ist auch ein heiliger Gott.
  2. Wir sind aufgrund unserer Trennung von Ihm hoffnungslos verloren.
  3. Jesus hat ein gehorsames Leben gelebt; er ist am Kreuz für unsere Sünden gestorben und auferstanden.
  4. Wir sollen Buße tun, das Heil ergreifen und Gottes Vergebung in tiefster Dankbarkeit annehmen.
  5. Wir sollen Jesu Herrschaft akzeptieren und ihm gehorchen.

Gott ist souverän

Wie oft habe ich bei meinen evangelikalen Geschwistern gemerkt, dass sie sich wortwörtlich „verrückt“ machen, wenn sie in einer Großaktion involviert sind und in Aktivismus verfallen. Und wenn alles vorbei ist, leben sie wieder in ihrer alten gewohnten Lässigkeit. Dabei hilft es, zu wissen, dass Gott alles unter Kontrolle hat und die Menschen zu sich rufen kann.

Er möchte uns dazu gebrauchen, aber es ist wichtig, dass wir Ihm durch unseren Lebenstil zur Verfügung stellen, damit wir als Salz der Erde auch Geschmack haben.

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