Religion zum Anfassen!

Vor einiger Zeit habe ich eine interessante Kritik von David Wells gelesen: es heißt Natural Vs. Supernatural Religion. In diesem Artikel bezeichnet Wells die modernen Spiritualitätsformen, die sich zur Zeit in der Aufkommenden Gemeinde („Emerging Church“) oder sogar in den Gemeinden für Kirchenfernen entwickeln, als natürliche Religion. Auf der anderen Seite gibt es das, was er übernatürliche Religion nennt; darunter versteht er den rechtmäßigen Gottesdienst, so wie er bisher nach dem biblischen Vorbild (Apostelgeschichte 2, 42) gefeiert wurde.

Nach seiner Auffassung sind die Merkmale der natürlichen Religion folgende:

  • der Zugang zu Gott ist selbstverständlich; wir brauchen keine besondere Vorbereitung dazu. Wenn ich mich entscheide, einen Spaziergang im Wald zu machen, habe ich einen unmittelbaren Zugang zu der Natur und kann sie nach Lust und Laune genießen. Wenn ich einen Gottesdienst für Kirchenfernen besuche, kann ich mich gemütlich hinsetzen und mich auf das Angebot einstellen. Ich entwickle damit auch eine Verbrauchermentalität, urteile über die Qualität der Veranstaltung, evaluiere und kritisiere die Darsteller.
  • die natürliche Religion ist eine Bewegung vom Menschen zu Gott. Gott ist nicht mehr der Heilige, der sich offenbart. Er wird letztendlich, was sich der suchende Mensch darunter vorstellt und ist sofort verfügbar. Diese Vorstellung ist dem biblischen Bild nicht ganz fremd, aber die Interpretationsfreiheit der Anhänger ist so groß, dass man sich oft  nicht auf Gemeinsamkeiten einigen kann. Was bedeutet zum Beispiel die Liebe Gottes in diesem Kontext? Heißt es, dass Gott mich mit meinem Charakter annimmt, ohne dass ich daran etwas ändern muss, oder dass Er mich tief verändern möchte, gerade weil Er mich liebt?
  • In der natürlichen Religion muss sich Gott meinen Bedüfnissen anpassen; er muss meine Erwartungen befriedigen, was meine Gesundheit angeht, was mein soziales Leben betrifft. Letztendlich bleibe ich der Herr über meinem Leben. Wenn mir irgend etwas nicht passt, dann suche ich Gott in einer anderen Gruppe.

Wo finden wir hingegen eine Beschreibung der übernatürlichen Religion laut David Wells? Ganz einfach: In der Lehre der Bibel! Die Heilige Schrift präsentiert sich vom Anfang an als eine übernatürliche Offenbarung. Darin sagt uns Gott, wer Er ist, was Er will. Er zeigt auch, wie uns manchmal seine Wege überlegen sind. In Jesaja 55, 8-9 lesen wir:

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Es ist allen Menschen gegeben, eine gewisse Erkenntnis von Gott zu gewinnen (die Theologen sprechen von allgemeiner Gnade). Interessanterweise hatte schon Immanuel Kant gesehen, dass ihn zwei Dinge die Existenz Gottes vermuten lassen: (1) der Himmel über seinem Kopf und (2) sein Gewissen. Aber so gelangen wir leider nicht zu einem biblischen Glauben, den wir unbedingt für unsere Erlösung brauchen. Um den Gott Jesu Christi zu entdecken, brauchen wir eine „spezielle“ Gnade und sie steht uns nicht einfach so zur Verfügung. Wir können sie nicht in einem „Supermarkt der Möglichkeiten“ kaufen; sie wird uns geschenkt. Diese Gnade kommt auch nicht aus unserem Inneren, sondern von oben herab.

Zu welchem Schluss kommt David Wells? Er meint, wir können das Reich Gottes aufnehmen, wir können uns für dieses Reich einsetzen, aber wir können nicht darüber verfügen. Wir mögen uns Ziele setzen, aber wir können Gott nicht zwingen, dass Er sich unseren Wünschen anpasst, gerade weil Er der HERR ist.

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