Ich werde alle zu mir ziehen

Was meint Jesus in Johannes 12, 32, wenn er sagt:

und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

Es gibt zwei Interpretationen von diesem Vers, die man immer wieder hört und die ich persönlich für falsch halte:

  1. Die erste ist  die Interpretation der Allversöhner, die meinen, Jesus werde am Ende alle Menschen retten.
  2. Die zweite ist der Versuch der Armininaner, die reformierte Lehre der wirksamen (oder unwiderstehlichen) Gnade zu widerlegen.

Das griechische Verb für „ziehen“ ist hier das Verb „helkó“. Es bedeutet: ziehen, überzeugen, nötigen. Jesus gebraucht das gleiche Verb in Johannes 6,44, wenn er sagt:

Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht.

Was Jesus in Johannes 6 sagen will, ist nicht, dass man mehr oder weniger Gnade braucht, um zu ihm zu finden, sondern, dass der Vater jemand „unwiderstehlich“ ziehen muss, bevor er zu Jesus kommen kann. Auch hier im Kapitel 12 gebraucht Johannes starke Worte, um zu erklären, warum die Juden an Jesus nicht glauben wollten. Er sagt in den Versen 39 und 40:

Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesprochen: »Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sehen, noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile«.

In Johannes 12, Vers 32, betonen sowohl Allversöhner als auch Arminianer das Zahlwort „alle“. Für sie hat „alle“ einen umfassenden (summativen) Sinn. Die Allversöhner haben recht, wenn sie auch auf die besondere Bedeutung des Verbs „helkó“ hinweisen.  Die Arminianer argumentieren zu Unrecht, weil sie die Bedeutung dieses Verbs schmälern müssen, um rechtfertigen zu können, dass am Ende nicht alle Menschen gerettet werden. Beide liegen deshalb falsch mit ihrer Interpretation vom Wort „alle“.

Was ist dann die Bedeutung dieser Aussage? Ich denke nicht, dass Jesus hier das Wort „alle“ im Sinne der Vollständigkeit benutzt, weil es in dem Kontext seiner Rede in Wirklichkeit um verschiedene Menschengruppen geht. Wir lesen im Vers 21, dass hellenische Juden (Griechen) mit Jesus reden wollten. Offensichtlich waren sie sehr offen und vielleicht wollten sie ihn einladen, in ihrem Herkunftsland zu predigen. Jesus lehnt aber ab, seinen Tod am Kreuz zu verschieben. Er erklärt, dass dieser Tod notwendig ist, damit Frucht entsteht und dass nur so alle Nationen gerettet werden können. Es ist deshalb mit diesem Hintegrundwissen, dass wir versuchen sollen, das Wort „alle“ im Vers 32 zu verstehen. Nach seinem Tod und seiner Verherrlichung wird es möglich sein, weil er den Geist senden wird, dass Menschen aus allen Völkern (nicht nur Juden) gerettet werden. Das erklärt er auch einige Kapitel weiter, in Johannes 16.

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