Ist es einer Frau gestattet, zu evangelisieren?

In der Geschichte gab es viele Frauen, die als Evangelistinnen gedient haben. In letzter Zeit könnte man zum Beispiel Kathryn Kuhlman erwähnen oder heute Joyce Meyer. In Deutschland sind uns Namen wie Sabine Ball oder Christina Brudereck (Riecke) geläufig, die unter jungen Leuten missioniert haben oder immer noch missionieren. Mit dem Aufkommen des Internets wenden sich immer mehr Frauen mit evangelischen Botschaften an die Menschen und behaupten sogar Gläubige belehren zu wollen.

Deshalb klingt es schon seltsam, wenn man fragt: Ist es einer Frau gestattet, das Evangelium zu sagen? Was sagt aber die Bibel zu diesem Thema?

Das Amt des Evangelisten ist bestimmten Männern vorbehalten

Es gibt natürlich nicht eine einzige Meinung unter Christen. Diejenigen, die begrüßen, dass Frauen missionieren oder sogar als Pastorinnen dienen können, stützen sich oft auf einen Vers aus Galater 3,28, wo Paulus sagt:

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Allerdings wird dieser Vers missbraucht, wenn man ihn in diesem Zusammenhang gebraucht, denn Paulus meint hier etwas Anderes. Er möchte nicht die Geschlechts- oder Rassenunterschiede abschaffen, sondern betonen, dass jetzt eine geistliche Einheit in Christus besteht, weil das mosaische Gesetz, welches zahlreiche Barrieren errichtete, durch Christus abgeschafft wurde.

Viele evangelikale Gemeinden sind deshalb noch nicht so weit, dass sie Frauen als Pastorinnen einsetzen würden, aber können sich problemlos Frauen als Evangelistinnen vorstellen, weil sie der Meinung sind, dass ein solches Amt keine besondere Autorität verlangt, wie bei Pastoren oder Ältesten.

Da müssen wir widersprechen. Im Neuen Testament wird kein wesentlicher Unterschied zwischen Lehrer und Evangelisten gemacht. Ein Lehrer richtet hauptsächlich sein Wort an Menschen in der Gemeinde, während ein Evangelist das Wort auch außerhalb verkündet, aber beide sind unbedingt mit hoher göttlicher Autorität ausgestattet.

Das Neue Testament betont, dass die Verkündigung des Evangeliums keine billige Aufgabe ist. Kurz vor seinem Tod ermutigt Paulus seinen Jünger Timotheus mit diesen Worten:

Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. 2.Tim.4,2

Weiter in Vers 4:

Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.

Paulus spricht hier von dem Amt des Evangelisten. Dieses Amt wurde Timotheus formell anvertraut und ihm wurde dazu eine gewisse Autorität verliehen. Dies entspricht, was er an anderen Stellen über die Ämter lehrt, die Gott in seiner Gemeinde vorgesehen hat:

Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Epheser 4,11-12

Wer waren die Evangelisten der Urgemeinde? Es waren Männer, die von den Gemeinden ausgesandt wurden, das Evangelium zu verkündigen. Die Apostelgeschichte macht deutlich, zum Beispiel in Kapitel 13, Versen 2-3, dass sie mit Handauflegung entsandt wurden und nicht aus eigener Initiative wirkten. Nirgendwo wird ausdrücklich erwähnt, dass Frauen in dieses Amt eingesetzt wurden.

Frau dürfen aber an der Verkündigung des Evangeliums mitwirken.

Jetzt stellt sich aber die Frage, ob ein Mann, der kein Amt empfangen hat, oder eine Frau, das Evangelium trotzdem weitersagen darf? Ist es Christen erlaubt, die nicht ordiniert sind, die „Gute Nachricht“ weiter zu sagen, oder sollen sie auf „Spezialisten“ verweisen, die ein Amt dazu empfangen haben?

Es gibt keine einfache Antwort zu dieser Frage. Es kommt wirklich drauf an, in welcher Situation sich ein Christ (oder eine Christin) befindet, mit wem er/sie zu tun hat oder ob der Gesprächspartner schwierige Frage stellt, gegenargumentiert.

Das Evangelium kann man nicht nur auf das beschränken, was Gott in unserem Leben getan hat. Evangelisieren heißt nicht nur Zeugnis von seinem Glauben geben. Paulus betont in Apg 20,27, dass er nicht unterlassen hat, den Ephesern den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Das Evangelium enthält auch Lehren, die nur mit einem guten theologischen Wissen kommuniziert werden können. Die Verkündigung des Evangeliums erfordert auch, dass wir den Glauben verteidigen können.

In anderen Worten: es gibt verschiedene Stufen bei der Verkündigung des Evangeliums, wobei das Wort „Verkündigung“ schon auf die höchste Stufe hinweist. Was wir heute Zeugnis nennen, ist vielleicht die einfachste Form der Evangelisation. Diese Aufgabe ist keinen Spezialisten vorbehalten. Jeder Christ sollte in der Lage sein, seinen Glauben zu bekennen und in einfachen Worten zu vermitteln.

In seinem ersten Brief an die Gemeinden wendet sich Petrus an alle Christen, Männer und Frauen. In Kapitel 3 spricht er zunächst zu Ehefrauen, dann zu Ehemännern und schließlich, ab Vers 8, wendet er sich an alle. Was er dann sagt, gilt sowohl für Männer als für Frauen:

Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.

Interessant ist, was Petrus in den Versen 15 und 16 sagt:

Heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen.

Petrus sagt hier, dass wir alle bereit sein sollten, Rechenschaft abzugeben, über die Hoffnung, die in uns ist. Wir sollten alle kurz erklären können, warum wir glauben, an wen wir glauben und was genau wir glauben.

Die Schrift bezeugt an zahlreichen Stellen, dass Frauen das getan haben. Denken wir zum Beispiel an das Gespräch zwischen Maria und ihrer Kusine Elisabeth. Gott hat prophetische Worte durch diese beiden Frauen gesprochen. Denken wir an Hanna, die, nachdem sie den Heiland gesehen hatte…

… redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Lukas 2,38

Frauen waren die ersten Zeugen der Auferstehung. Ihr Zeugnis zählte so sehr, dass es in den Evangelien als Beweis niedergeschrieben wurde. In Apostelgeschichte 18 begegnet Paulus einem jüdischen Ehepaar, Priska und Aquila. Es ist auffällig, wenn wir den Bericht lesen, dass Priska (auch Priszilla genannt) fast immer an erster Stelle erwähnt wird, was vielleicht darauf hinweist, dass sie eine starke Persönlichkeit hatte. Wenn wir Apg 18,26 lesen, können wir nicht ignorieren, dass beide sich an die Verkündigung des Evangeliums beteiligt haben:

Als ihn Aquila und Priszilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus.

Hier wird gesagt, dass auch eine Frau dem gelehrten Apollos das Evangelium ausgelegt hat.

Es ist unbestreitbar, dass zahlreiche Frauen damals im Dienste der Gemeinde waren. Mehrere Frauennamen werden in Römer 16 erwähnt.

(1)  Phoebe, die einen diakonischen Dienst ausübte und für die Gemeinden reiste. Sie wird prostatis genannt, d.h. Beschützerin. Sie hat höchstwahrscheinlich den Römerbrief nach Rom gebracht.

Ich befehle euch unsere Schwester Phöbe an, die im Dienst der Gemeinde von Kenchreä ist.

(2)  Priska ist auch mit ihrem Mann in Vers 3 erwähnt. Sie wird Mitarbeiterin genannt.

Grüßt die Priska und den Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus.

(3)  Maria in Vers 6:

Grüßt Maria, die viel Mühe und Arbeit um euch gehabt hat.

(4)  Mehrere Frauen in Vers 12

Grüßt die Tryphäna und die Tryphosa, die in dem Herrn arbeiten. Grüßt die Persis, meine Liebe, die sich viel gemüht hat im Dienst des Herrn.

Haben diese Frauen nur unwesentliche Dienste verrichtet? Sicherlich nicht! Sie waren mit Sicherheit in wichtigen diakonischen Tätigkeiten involviert, aber nichts lässt dennoch vermuten, dass sie direkt missioniert oder gelehrt haben.

Eine seltene Stelle, wo Frauen erlaubt wird, zu lehren, ist Titus 2,4-5. Alte Frauen…

… sollen aber Gutes lehren und die jungen Frauen anhalten, dass sie ihre Männer lieben, ihre Kinder lieben, besonnen seien, keusch, häuslich, gütig und sich ihren Männern unterordnen, damit nicht das Wort Gottes verlästert werde.

Daraus wird klar, dass Frauen andere Frauen sowie Kinder unterrichten dürfen.

 

Schlusswort

Wir glauben gezeigt zu haben, dass die Bibel der Frau verbietet, ein Amt als Evangelist auszuüben. Frauen dürfen dennoch auf dem Missionsfeld aktiv mitwirken. Sie können organisieren und unterstützen. Sie dürfen Kinder und andere Frauen unterrichten. Es sind genug Funktionen, wo sie ihre Begabungen einsetzen können.

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