Erwählung ist bedingungslos

Die Begriffe Erwählung und Prädestination (Vorherbestimmung) sind zweifellos biblische Begriffe. Sie kommen häufig in der Bibel vor. Sie werden nicht nur im Zusammenhang mit dem Volk Israel oder mit bestimmten Schlüsselpersonen verwendet, wie Jakob und Esau in Römer 9, sondern beziehen sich auf alle Menschen. Gott ist ein Herrscher, der Einfluss auf das Schicksal aller Menschen nimmt.

Behaupten, dass Gott nur ein Beobachter der Geschichte ist, dass er sich passiv verhält, findet nirgendwo Halt in der Bibel. Alle Christen sind sich einig, dass Gott entscheidet, dass er handelt, dass niemand seinen souveränen Plan hindern kann. Alle sind sich auch einig, dass Gott viele seiner Entscheidungen vor Grundlegung der Welt getroffen hat.

Die strittige Frage ist folgende: Wie sehr bestimmt Gott das Schicksal der Menschen und auf welche Weise greift er in ihrer Geschichte ein? Da sind sich Christen bei weitem nicht einig. Erwählt Gott die Menschen bedingungslos, nach seinem Wohlgefallen, zum Heil oder erwählt er sie aufgrund bestimmter Einstellungen, die er in ihnen entdeckt?

Da Calvinisten die erste Ansicht befürworten, stellen sie sich einen Gott vor, der nichts dem Zufall überlässt. Er hat die Welt geschaffen und er regiert sie so, dass gar nichts passieren kann, womit er nicht gerechnet hat. Er nimmt ständig Einfluss auf den Lauf der Dinge, damit alles nach seinem Plan verläuft. Weil Gott 100% damit rechnet, dass die Menschen ihn ablehnen (aufgrund ihrer völligen Verderbtheit), muss Er so handeln, dass die Menschen unwiderstehlich zu sich zieht. Niemand darf auch Gott hindern, diejenigen zu retten, die er retten möchte.

Die Arminianer, die die zweite Position verteidigen, werfen Calvinisten vor, sie würden sich einen erbarmungslosen Gott einbilden, der die Menschen willkürlich und wie Marionetten behandelt. Warum würde Gott nur bestimmte Menschen lieben und andere ihrem tragischen Schicksal überlassen? Darüber hinaus, wenn Gott die Welt bis ins kleine Detail regiert, würde das bedeuten, dass seine Geschöpfe keine freie Wahl haben. Es muss so sein, dass ein Mensch die letzte Wahl hat, die Liebe Gottes zu akzeptieren oder abzulehnen. Calvinisten entgegnen ihrerseits, dass eine solche Möglichkeit zwar wünschenswert wäre, aber in der Praxis unrealistisch ist, da kein Mensch in der Lage ist, Gottes Angebot zu empfangen.

Argumente für die bedingungslose Erwählung

Was behauptet die Bibel dazu? Sagt sie, dass der Entschluss Gott von dem menschlichen Wollen abhängt oder dass er davon unabhängig ist?

Das vielleicht klarste Kapitel der Bibel zu diesem Thema ist Römer 9. Erstaunlicherweise wagen sich wenige Befürworter des freien Willens an diese Stelle. Wenn sie es tun, reden sie von Erwählung von Körperschaften (Israel und Heiden) oder von Menschen in Jesus Christus, aber nicht von einzelnen Personen, was sich im Kontext nicht unterstützen lässt.

In Römer 9,15-16 lesen wir:

»Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.« So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.

Paulus betont, dass das Empfangen der Gnade nicht an jemandes Wollen liegt, sondern ausschließlich an Gottes Entscheidung.

Vorher hatte er schon klargestellt, dass die Entscheidung Gottes frei von Bedingungen ist:

Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, da wurde, damit der Ratschluss Gottes bestehen bliebe und seine freie Wahl – nicht aus Verdienst der Werke, sondern durch die Gnade des Berufenden -, zu ihr gesagt: »Der Ältere soll dienstbar werden dem Jüngeren«, wie geschrieben steht: »Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.«  Römer 9,11-13

Diese Feststellung ist extrem wichtig, denn so wird ausgeschlossen, dass unser Glaube die Voraussetzung für die Erwählung ist. Sie liegt allein bei Gottes Entschluss.

Paulus erwartet natürlich einen massiven Einwand von seinen Lesern:

Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? (Vers 14)

Wenn Gott nur Jesus erwählt hätte (und keine einzelnen Personen) und wir würden mit Ihm durch den Glauben vereinigt, dann würde keiner von Ungerechtigkeit sprechen?

Aber wie antwortet Paulus zu diesem Vorwurf? Mit ziemlich harschen Worten, könnte man sagen:

Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren, damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit.

In anderen Worten hängt unsere Erwählung allein vom Gottes Wohlgefallen ab.

Diese zentrale Idee finden wir auch in Epheser 1,5:

…hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens …

Gottes Entscheidung, Menschen zum Leben zu rufen, geschieht NICHT nach menschlichen Maßstäben:

…sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist;
1 Korinther 1,27

Aber er (Jesus) antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen.
Matthäus 15,13

Bereits im Alten Testament wird uns dieses Prinzip nahegelegt. So liest man über den Grund für die Erwählung Israels:

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat.
5 Mose 7,7-8

In Psalm 65 lesen wir:

Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er in deinen Vorhöfen wohne; der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.

In Jesaja 43,21-24 wird folgendes gesagt:

… das Volk, das ich mir bereitet (wörtlich: geformt) habe, soll meinen Ruhm verkündigen. Nicht, dass du mich gerufen hättest, Jakob, oder dass du dich um mich gemüht hättest, Israel…Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.

Der Glaube ist nicht die Voraussetzung für unsere Erwählung und unsere Vereinigung mit Christus, sondern es ist ein Werk der Gnade. Wenn Jesus von seinem Werk spricht, sagt er in Johannes 5,21:

Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Die Kehrseite der Prädestination ist die Verwerfung der Nicht-Erwählten. Sie werden nicht „aktiv“ verworfen, sondern „passiv“, dadurch, dass sie nicht erwählt sind und ihre Verurteilung völlig verdienen.

Solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren außer dem Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde.
Johannes 17,12

… sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.
1 Petrus 2,8

Sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden.
2 Petrus 2,12

Der HERR macht alles zu seinem Zweck, auch den Gottlosen für den bösen Tag.
Sprüche 16,4

Argumente gegen die bedingungslose Erwählung

Es werden 2 Typen von Argumenten gegen die bedingungslose Erwählung verwendet:

·         Verse, die beweisen sollen, dass Gott ALLE Menschen ohne Ausnahme retten will.

·         Verse, die anscheinend für ein VORHER-SEHEN und gegen eine VORHER-BESTIMMUNG sprechen.

(1)  Eine typische Stelle ist 1 Timotheus 2,4. Dort lesen wir:

(Gott) will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Die Gegner der bedingungslosen Erwählung betonen, dass hier ALLE Menschen ausnahmslos gemeint sind. Es steht: Gott will, dass ALLEN Menschen geholfen werde.

Wir machen darauf aufmerksam, dass das Wort ALLE ( griechisch: pas/pantas) gewisse Nuancen beinhaltet. Beispiel in Johannes 12,19 wo wir über Jesus lesen:

Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Fragen wir uns deshalb, was Paulus in 1.Timotheus 2 sagen möchte! Ihm geht es um das Gebet für die verlorenen Menschen. Paul wünscht sich, dass die Christen nicht nur für ihre Familie und Bekannten beten, sondern auch für alle Menschen, ob sie sie mögen oder nicht. Gott möchte nicht nur bestimmte Völker retten, wie die Juden oder nur bessere Menschen, sondern auch Kriminelle und vielleicht arrogante Herrscher, also ALLE ARTEN von Menschen. Wen er retten möchte, wissen wir nicht. Deshalb sollen wir für alle beten, ohne Ausnahme.

In 2 Petrus 3,9 lesen wir:

Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.

Hier auch meint Petrus nicht die ganze Welt, sondern Menschen, die Gott zum Heil bestimmt hat. Wir sollen darunter verstehen, dass Gott die Welt nicht richten will, bevor die Gesamtheit der Erlösten eingegangen ist.

(2) Arminianer behaupten immer wieder, dass Gott nicht bedingungslos erwählt, sondern aufgrund der Bereitschaft, die er in den Menschen vorhersieht

Wie war das bei der Bekehrung des Kornelius? Hat Gott nicht das Herz des römischen Hauptmannes gesehen?

Lesen wir nicht im Psalm 33, dass eine richtige Einstellung des Herzens Gnade zu sich zieht:

Der HERR schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder…Er lenkt ihnen allen das Herz, er gibt Acht auf alle ihre Werke.
Psalm 33,15

Lasst uns im Neuen Testament 2 Texte betrachten, wo dieser Gedanke vorkommen würde!

Zunächst 1 Petrus 1,2 wo wir lesen:

Petrus, ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge… die Gott, der Vater, ausersehen hat durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden!

Die Elberfelder Übersetzung spricht von Fremdlingen, die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes.

Wir finden dort das griechische Wort „prognosis“, das vom Verb „proginosko“ abgeleitet ist. Das deutsche Wort Prognose ist daraus entstanden. Es sieht so aus, als ob Gott aufgrund einer positiven menschlichen Einstellung erwählen würde, also bedingt.

Bemerken wir jedoch, dass in diesem Vers Christen zu einem Zweck ausersehen worden sind und zwar: zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Christi.

Der Sinn ist deswegen klar: „proginosko“ weist hier auf eine Vorherbestimmung hin und ist mehr als ein einfaches Vorausschauen.

Eine zweite interessante Stelle ist Römer 8, 29. Dort steht:

Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

Wir haben hier mit 2 unterschiedlichen Verben zu tun:

1. proginosko = ausersehen

2. proorizo = vorherbestimmen

Warum wäre dort das Verb „vorherbestimmen“ hinzugefügt worden, wenn wir nicht verstehen sollten, dass die Bestimmung auf einer Vorkenntnis basiert?

Diese Behauptung wollen wir im Folgenden entkräften.

Im 1 Petrus 1,20 (nachdem gesagt worden ist, dass Gott seine Kinder vorher erkannt hat) wird auch von Jesus Christus gesagt, dass er erkannt worden ist:

Er (Jesus) ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen… (V.20)

Es handelt sich wiederum hier um das Verb „proginosko“. Jesus Christus ist vor der Grundlegung der Welt erkannt worden und am Ende der Zeit offenbart worden.

Wir fragen dann: Was hätte es für einen Sinn, zu sagen, dass Gott das Leben Christi vorausgesehen hat? Nein, was Petrus meint ist folgendes: Gott der Vater hat seinen Sohn dazu bestimmt, der Erlöser der Menschheit zu sein.

Das wird auch zum Beispiel in Apostelgeschichte 2,23 bekräftigt:

diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahin gegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht.

Die gleiche Bedeutung von „zuvor erkennen“ finden wir auch an anderen Stellen der Bibel.

Bei der Berufung Jeremias:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Jeremia 1,5

In 1 Mose 18,19 lesen wir: Gott hat Abraham dazu…

auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.

Gott hat das Volk Israel zuvor erkannt:

Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat.
Römer 11,2

obwohl von diesem Volk gesagt wird:

Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach dem Volk, das sich nichts sagen lässt und widerspricht.
Römer 10,21 / Jesaja 65,2

Paulus zitiert wahrscheinlich Amos 3,2:

Aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch erkannt…

In Galater 4,9 sagt der Heidenapostel:

Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von neuem dienen wollt?

Hier wird klar, dass die Vorkenntnis Gottes nicht auf der Grundlage der menschlichen Erkenntnis ruht, sondern eher umgekehrt.

Was bedeutet auch folgender Vers aus 2 Tim 2,19?

Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.

Das Merkmal, dass ein Mensch zu Gott gehört ist sein Lebensstil, weil ein solcher Mensch gerade zum Gehorsam vorherbestimmt wurde.

Fazit

Fassen wir zusammen: Wir sind zum Glauben bestimmt worden sind und nicht erkannt worden, weil wir geglaubt haben.

Als das die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn, und alle wurden gläubig, die zum ewigen Leben bestimmt waren. Apostelgeschichte 13,48

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