Imperativ und Indikativ

Nein, es geht nicht in diesem Artikel um Grammatik. Es geht in Wirklichkeit um den Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium, zwischen Gehorsam und Gnade.

Zwar sind Gesetz und Evangelium gegensätzlich. Das heißt aber nicht, dass das Gesetz ausschließlich dem Alten Testament gehört und das Evangelium dem Neuen. Viel zu oft denken Christen: ich verabscheue Gesetzlichkeit. Christus hat mich zur Freiheit berufen. Ich fühle mich deshalb eher als begnadigter Sünder, der jetzt frei vom Gesetz ist. Wenn Christen das sagen, wollen sie damit betonen, dass sie den Glauben nicht in erster Linie als Einhaltung von Regeln oder Traditionen sehen, sondern dass sie von der Gewissheit leben, dass Gott ihnen in Jesus Christus ihre Sünden vergeben hat. Gesetzlichkeit lässt keine Vergebung zu und spielt deshalb eine negative Rolle.

So einfach ist es aber nicht in der Schrift formuliert. Klar ist, dass Gesetzlichkeit und Frömmigkeit aus uns keine Gerechten machen. Wir können aber auch nicht sagen, dass wir mit dem Gesetz nichts mehr zu tun haben, nur weil Paulus sagt, dass wir nicht mehr „unter dem Gesetz“ sind (Römer 6,14). Der selbe Paulus spricht auch im Römerbrief von dem Gehorsam des Glaubens, zu dem die Heiden berufen sind (Römer 1,5 und 16,26). Erstaunlicherweise lässt sich Glaube auch als Gehorsam und Einhaltung der Gebote Gottes definieren, weil mit dem Glaube keine einfache Berücksichtigung einer Nachricht gemeint ist, sondern ein Leben ganz und gar für Gott. Jesus hat auch gesagt: Wer mich liebt, der wird meine Gebote halten (Johannes 14,15).

Es ist deshalb äußerst wichtig, dass wir zwischen Inperativ und Indikativ unterscheiden. Was meint die Bibel damit?

Ein Imperativ ist was Gott befiehlt und was wir tun sollten. Ein Indikativ ist dagegen was Gott macht und wir annehmen sollten. Das Evangelium ist ein Indikativ, weil es davon spricht, was Jesus für uns getan hat. Wir können dazu nichts beitragen. Wir können nur an diese Tatsache glauben. Buße ist ein Imperativ. Aufgrund dessen, was Jesus getan hat, sollen wir glauben und uns zu Gott bekehren.

Wichtig ist aber, dass Gott uns nicht aufgrund Imperative rechtfertigt, sondern aufgrund eines tatsächlichen Geschehens. Diese gute Botschaft lautet:

Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. 1.Timotheus 1,5

D.h. wir werden nicht aufgrund persönlicher Verdienste vor Gott gerecht, auch aufgrund unserer Glaubensstärke, sondern indem wir für wahr halten, dass Christus für uns am Kreuz gestorben ist. Er hat allen Imperativen Gottes vollkommen gehorcht und ist der einzige, der gerecht vor Gott ist. Wenn wir vom ganzen Herzen glauben, dass er an unserer Stelle gestorben ist, dann spricht uns Gott gerecht.

Jetzt ist es so, dass der Gerechte ohne die Gebote lebt. Das vollkommene Gesetz Gottes mit seinen Geboten, die sich so zusammenfassen lassen: du sollst Gott und den Nächste lieben, sollen unser Leben weiterhin bestimmen.

Wenn es so ist, was meint aber Paulus in Galater 5,18, wenn er sagt:

Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

Ist es nicht so, dass wir das Gesetz nicht brauchen, weil wir den Geist haben?

Ich denke nicht. Was Paulus hier meint, ist, dass unsere menschliche Natur nicht in der Lage ist, dem Gesetz vollkommen zu gehorchen. Ohne den Geist Gottes übt das Gesetz eine negative Herrschaft über uns, weil wir dessen Anforderungen nicht erfüllen können, auch wenn wir es wollen. Mit Gottes Geist aber, den wir durch den Glauben an Jesus empfangen, wenn Gott uns eine neue Natur schenkt, sind wir in der Lage diese Gebote von Herzen zu suchen.

Paulus meint, dass die Verheißung von Hesekiel 36,26-27 sich dann erfüllt, wo Gott verspricht:

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Durch die Wiedergeburt, die wir empfangen, wenn wir an Christus glauben, befähigt uns Gott, durch seinen Geist, die Gebote zu lieben und zu halten, was wir aus eigener Kraft nicht hätten leisten können.

Wir sehen gerade in diesen Versen aus Hesekiel, dass es von Anfang an der Wille Gottes war, dass wir seine Gebote halten.

Die Neuigkeit ist, dass nur der Glaube an Jesus aus uns neue Menschen machen kann.

 

 

17 Gedanken zu “Imperativ und Indikativ

  1. Der Schriftbefund zum Thema „Das Gesetz gilt nicht mehr für uns“ ist eindeutig. Dagegen wehrt man sich seit Jahrhunderten mit Händen und Füßen …

    … ein weitere Überlegung: das Gesetz galt immer nur den Juden. Wir sind Nachkommen Abrahams und nicht Moses – und der Bund mit Abraham war lange vor dem Sinai-Bund; und er war ein Bund ohne Gesetz, sondern beruhte auf Glauben und Gnade.

    1. Wenn Paulus sagt, dass wir nicht mehr unter dem Gesetz sind, meint er jedoch nicht, dass die 10 Gebote (das moralische Gesetz) für uns keine Gültigkeit mehr haben, sondern dass Jesus Christus uns von dem Fluch des Gesetzes befreit hat. Er hat es getan, indem er dem Gesetz vollkommen gehorsam war und als Sühneopfer am Kreuz gestorben ist. Christus hat das Zeremonialgesetz abgeschafft und das moralische Gesetz an unserer Stelle erfüllt, so dass es uns nicht mehr verurteilt.
      Christus hat gesagt, dass kein Buchstabe vom Gesetz fallen kann und das Gesetz von diesen beiden Geboten abhängig ist: du sollst Gott und deinen Nächsten lieben. Sein neues Gesetz der Liebe ist deshalb eine Neuformulierung der 10 Gebote. Das Gesetz darf deshalb nicht auf das mosaische Gesetz reduziert werden. Es galt auch für Abraham. Siehe wie viele Imperative der Bund, den Gott mit Abraham in 1.Mose 17 abschließt, enthält.

      1. Rob

        Diese Überlegungen sind menschlich und rechtsphilosophisch verständlich: natürlich brauchen die Menschen in ihrem irdischen Zusammenleben immer Grund-Regelungen. Nur – wenn man es genau nimmt – widerspricht der biblische Textbefund und die tausendjährige jüdische Tradition der philosphischen Deutung der 10 Gebote als ewiges abstraktes Moralgesetz, das den Menschen mit Gott verbindet und zu Gott führt.

        Im Judentum ist das Gesetz traditionell unteilbar, kein Buchstabe des Gesetzes (10 Gebote + andere 603) kann fallen; sie sind alle eine Einheit und gehören in den Bund des Sinai. Jeder Jude feiert Bar mizwa, den Bund vom Sinai, und erklärt sich hier zum „Sohn“ (bar) dieser 613 Gebote. Erst wenn der Messias kommt und alles erfüllt, was von ihm im Gesetz und den Propheten steht, kann er eine neue Hochzeit von Himmel und Erde, einen Neuen Bund mit Gott schließen. Dann wird der alte Ehe-Bund von Himmel und Erde vergehen. Am Kreuz hat Jesus von sich behauptet, dies vollbracht zu haben. Er stiftet einen Neuen Bund der Söhne Gottes, nicht mehr der Söhne des Gesetzes.
        Alle 613 jüdischen Gebote werden im NT mit dem Wort „nomos“ (gr. = Gesetz) gekennzeichnet. Dies bedeutete in der Sprache der Zeit nicht nur (irdisches, durch Vernunft erkennbares) Gesetz als Regelung des menschlichen Zusammenlebens, sondern wurde auch für die vom Menschen erkannten Naturgesetze gebraucht. Für Paulus z.B. galt nun Jesus als Überwinder und Vollender dieses „nomos“: Er ist auferstanden und hat die irdische, fleischliche Gesetzlichkeit des Todes überwunden. Er ist durch den irdischen (jüdischen) „nomos“ verurteilt worden, aber Gott hat ihn für ewig gerechtfertigt.
        Nach Paulus – wenn man ihn wörtlich nimmt – ist das Gesetz, der Bund vom Sinai (Symbol Bundeslade, 10 Gebote) nur noch eine irdische, fleischliche Regelung, ein irdischer Schatten der freien himmlischen Gnade, die sich in Jesus zeigte – einer freien Gnade die weit über dem irdischen Gesetz steht, die selbst ihre Feinde nicht verurteilen will. Diese Gnade ist die spirituelle Wahrheit, die über allem Irdischen, Gesetzlichen steht: „Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Wenn der Glaubende aus dem Geist dieser Gnade lebt – ein Kind dieser Gnade ist – braucht er das irdische, fleischliche Gesetz des Sinai nicht mehr und wird auch nicht mehr danach gerichtet (wie Jesus). An ihm erfüllt sich dann spirituell die Verheißung Abrahams als Sohn Gottes und Erbe des himmlischen über alles irdische erhabene Jerusalem.
        Paulus schreibt über den „nomos“ = Gesetz u.a.: „Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, den einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung. Diese Worte haben tiefere Bedeutung. Denn die beiden Frauen bedeuten zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar; denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter.“
        Dies bedeutet für einen Christen nach Paulus sicher nicht, dass es keine irdischen Regelungen mehr braucht. Es bedeutet eher, dass für einen Christen die Gnade, selbst für den Feind, der Ausgangspunkt aller irdischer Regelungen sein muss. Nicht dem irdischen Gesetz muss zuerst genüge getan werden, sondern zuerst der Gnade.

      2. Un wo findest du bitte sehr die irdischen Regelungen, die du noch brauchst, wenn nicht in Gottes Gesetz?
        Dass Gottes Gesetz für alle Menschen am Jüngsten Gericht gelten wird, erfährt man in Römer 2, wenn Paulus sagt:
        13 Denn vor Gott sind nicht gerecht, die das Gesetz „hören,“ sondern die das Gesetz „tun,“ werden gerecht sein. 14 Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. 15 Sie beweisen damit, dass in ihr Herz geschrieben ist, was das Gesetz fordert, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen – 16 an dem Tag, an dem Gott das Verborgene der Menschen durch Christus Jesus richten wird, wie es mein Evangelium bezeugt.
        Heißt es, dass auch wir Christen so gerichtet werden? Ja, mit dem Unterschied, dass das Gesetz uns nicht mehr verurteilen kann, weil Jesus es für uns erfüllt hat. Nichtsdestotrotz werden unsere guten Taten „nach den Prinzipien des Gesetzes“ beurteilt und belohnt. Paulus sagt im selben Kapitel, V.6, etwas, was den Kopf der Befürworter der „billigen“ Gnade zerbricht: Gott wird einem jeden geben nach seinen Werken: 7 ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; 8 Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit;
        Wo finden wir bitte die Grundsätze der Gerechtigkeit, wenn nicht in Gottes Gesetz !? Oder gibt es solche Prinzipien außerhalb von Gottes Willen?
        Wenn Paulus sagt, dass Christus das Ende des Gesetzes ist, meint er in Wirklichkeit, dass eine neue Ordnung angefangen hat. Es ist nicht mehr das Gesetz (nómos), das unser Leben ordnen soll, sondern der Geist Gottes. Paulus meint nicht nur das mosaische Gesetz. Das Gesetz gab es schon im Garten Eden. Es ist deshalb nicht falsch, das Wort „Gebot“ zu gebrauchen. In Römer 7 – 8 erklärt er, dass wir wegen dem Fleisch die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllen können. Dann sagt er ab V.4 einen wichtigen Punkt: Wir haben den Geist empfangen…
        damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. 5 Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt.
        Das heißt nicht nur, dass Christus alle Gerechtigkeit erfüllt hat, sondern auch, dass wir „IN IHM“ befähigt werden, Gott zu gefallen. Zwar hängt die Sünde noch an uns, solange wir in diesem Leib sind, aber wir haben jetzt Gefallen an Gottes Geboten und die Kraft, sie zu halten. Keine absolute Perfektion ist gemeint, sondern ein Potential.

    2. non nomia

      ja, wenn das stimmen würde, dass jesus alle Gebote aus dem At abgeschafft hätte, so wäre auch das Liebesgebot aus dem AT aufgelöst; damit wäre es unnötig im Geist zu wandeln und die Frucht des geistes zu bringen, die Liebe ist , damit bräuchten wir uns überhaupt nicht mit Jesus einszumachen, sondern wären als Übeltäter erlöst.
      wo bleibt die biblische Begründung, dass wir angeblich die Gebote ignorieren sollten, da das moralische Gesetz unteilbar ist. Da der Buchstabe und der Geist des Gesetzes nicht gegeneinander ausgespielt werden kann und darf, so müsste eine Ablehnung von Gesetzlichkeit zur Kriminalität führen, so dass wir als Mörder und DIEBE WEGGESPERRT WERDEN ; was ist gesetzlich?
      ist es gesetzlich das Gebot du sollst nicht morden zu halten und keine Laiche im Keller zu haben ?Nein, so etwas wagt ja Konsequente Gnade nicht zu sagen, denn das würde wirklich keiner mehr glauben ? Das heißt ihr lebt selbst nach den Gesetze wie die Pharisäer solange ihr Euch daran gebunden fühlt, ihr lebt selbst nach euren Geboten, die sich von den 10 Geboten ableiten – nur dass ihr wie die Pharisäer Euch die Gebote auf euer menschliches Niveau zurechtbiegt und mehr auf eine äußere Frömmigkeit als auf den Willen Gottes Wert legt

  2. Niemand gibt uns das Recht, die über 600 Gebote des mosaischen Gesetzes in immer noch zu haltende und inzwischen ungültige Gebote zu unterteilen. DESWEGEN sagt Jesus, dass kein Jota des Gesetzes geändert werden soll – und nur so kann das Gesetz seine Funktion erfüllen: uns als Zuchtmeister in die Schule der Gnade zu bringen

    Welche Gebote enthält denn 1.Mose 17 ausser der Beschneidung?

    1. Im AT war das Gesetz eine Einheit, das stimmt. Aber für uns heute nicht mehr!!! Selbstverständlich dürfen wir – und MÜSSEN sogar – zwischen Zeremonial- und Moralgesetz unterscheiden. Wir sind z.B. nicht mehr an die Reinheitsgebote gebunden. Wir brauchen keine Tieropfer mehr. Alle diese Dinge hat Christus erfüllt. Wer aber tötet oder die Ehe bricht, bricht immer noch das Gesetz. Oder gelten diese Gebote nicht mehr? Paulus betont in Römer 13,8-10, dass die Liebe Erfüllung des Gesetzes ist. In 1.Kor. 6,9-11 warnt er uns, dass keiner, der die Gebote bricht, in den Himmelreich kommen wird. In 1.Kor. 9,21 erklärt er den Unterschied zwischen dem mosaischen Gesetz und dem neuen Gesetz der Liebe in Christus. Johannes ist auch klar: wer die Gebote nicht hält, ist nicht in der Wahrheit (1.Joh 2,4-6).
      Die Verheißung des Neuen Bundes (in dem wir leben) war: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Jeremia 31,33

      1. Rob

        In der Tat spricht Johannes von den Geboten Gottes für die „Jünger Jesu“: „Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.“
        Welches die Gebote sind, erklärt er kurz darauf – Glaube an den Sohn + Liebe im Geiste Jesu: „Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist. Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat.“ (1 Joh 3)
        Was meint Johannes damit, wenn er sagt, dass die Christen dem Gebot Jesu folgen sollen, sich zu lieben? Dies zielt auf das Abendmahl und den Neuen Bund. Hier fordert Jesu seine Jünger auf, dem Geist seiner dienenden und verzeihenden Liebe zu folgen (Sinnbild der Fußwaschung = dienende und verzeihende Liebe). Jesus fordert: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. (Joh 13)
        Jesus legt im Abendmahl fest, dass die Jünger, um Gott zu „verherrlichen“ im neuen Geist seiner Liebe bleiben sollen, die eine Freiheit und einen Frieden gibt, der nicht von dieser Welt ist. „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid … „(Joh 13).
        Wir haben hier also nicht mehr einen Bund des Buchstabens, des Gesetzes, sondern einen Neuen Bund im Geiste. Die dienende und verzeihende Liebe Jesu, die sich in den Evangelien zeigt – ihr Geist – soll den Christen leiten und lenken. (Dabei spricht Jesus im Abendmahl ausdrücklich von „seinen Jüngern“ und „seinem Gebot“; im Gegensatz zu den jüdischen Gelehrten, die sich im Evangelium als „Jünger des Mose“ bezeichnen.)
        Paulus spricht in diesem Zusammenhang davon, dass der Glaubende nun „im Gesetz Christi“ ist. Er meint damit den Geist der Gnade, der sich in Jesus zeigte und unsere Lasten getragen, und uns erlöst hat: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal 6,2)

        (Natürlich verstoße ich gegen den Geist der Gnade Jesu, wenn ich raube, töte usw.; Ich verstoße sogar dagegen, wenn ich formal kein Gesetz breche und einfach meinen Nächsten hasse)

      2. … wenn im Neuen Testament von Geboten und Gesetz geredet wird, ist eben oft genug nicht das Mosaische Gesetz gemeint (etwa „Gesetz des Geistes“, „Gesetz Jesu“), sondern etwa die Gebote Jesu … wo es aber gemeint ist, ist in 1Kor 15,56 „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz“ … deshalb ist ja auch jedes Hochhalten des Gesetzes (oder Schielen darauf) so fatal für den Gläubigen: das Gesetz gibt der Sünde erst Kraft … wer das Gesetz hochhält, um das Sündigen zu bekämpfen, stellt sich selbst ein Bein … deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass wir nicht mehr unter Gesetz sind …

        Übrigens: dass nicht das Mosaische Gesetz auf unsere Herzen geschrieben wurde, merken wir Gott sei Dank auf Schritt und Tritt …

      3. Habe ich mit Gesetz immer das „mosaische“ Gesetz gemeint? Der Begriff „Gesetz“ ist in der Bibel eine Kategorie, wie Gnade eine andere Kategorie ist.
        Wenn z.B. David im Psalm 119 von dem Gesetz spricht, meint er nicht in erster Linie die 613 Vorschriften der Tora, sondern eher das Wort des Herrn im Allgemeinen.
        Wenn Paulus negativ über das Gesetz spricht, meint er die Forderungen des mosaischen Gesetzes, die uns anklagen, wenn wir sie nicht tun. Er will trotzdem nicht sagen, dass die Gebote Gottes schlecht sind. Ich behaupte deshalb, dass das Gesetz Christi etwas ist, was wir tun sollen !!! Das Evangelium dagegen ist etwas, woran wir glauben sollen !!!

  3. Rob

    Im Prinzip hängen unsere Meinungsunterschiede daran, welchen religiösen Stellenwert man dem moralischen Gesetz im Heilsplan Gottes einräumt. Führt das Gesetz (selbst die 10 Gebote!) und alle Moralphilosphie zu Gott, oder ist es nur ein irdischer Notbehelf?
    Viele würden sagen, dass die Grundabsicht Gottes, wie aus Genesis hervorgeht, nicht ein moralisches Gesetz war, sonderen ein paradiesisches Leben in und aus der Gnade/Geist Gottes. Das moralische Gesetz bezieht sich letztendlich auf die Erkenntnis von Gut und Böse, die der Mensch gewinnen wollte, um Gott ähnlicher zu werden. Ist dieses Streben nach göttlicher Erkenntnis nicht zum Scheitern verurteilt? Einmal laufe ich als Mensch Gefahr immer falsch zu urteilen, zum anderen: Wenn ich das Gesetz anwende, verurteile/richte ich immer zuerst und überlege mir dann, ob ich Gnade anwenden kann. Ich gehe also biblisch gesehen immer von der gefallenen Schöpfung aus, von der Übertretung, der Sünde: Wie kann ich mich dann von ihr spirituell befreien?

    1. Du gehst von einer „negativen“ Definition des Gesetzes aus, weil du nur das „mosaische“ Gesetz vor Augen hast und den Begriff nicht differenzieren willst. Du scheinst nicht begriffen zu haben, dass das Moralgesetz Ausdruck des moralischen Willens Gottes. Es ist einfach Gottes EWIGER Wille und wird immer gelten! Seit der Schöpfung ist der Mensch verpflichtet, diesen Willen zu tun. Er hat keine andere Wahl. Der Gedanke, dass man „unmittelbar“ Gemeinschaft mit Gott haben könnte, dass sein Wille in uns einfach so „fließen“ kann, ist schwärmerisch bzw. pantheistisch. Gott ist heilig und eine Voraussetzung, um Gemeinschaft mit ihm zu haben, ist, dass seine Geschöpfe jederzeit tun, was er sagt.
      Deine Definition von Gnade ist auch nicht richtig. Gnade ist nicht Liebe, sondern aus Liebe. Gnade existiert nur wegen der Sünde. Sie ist eine (Er)Lösung. Im Paradies hatte Gnade keinen Platz, da der Mensch sündlos war. Historisch gesehen fängt Gnade mit dem Protoevangelium an (1.Mose 3,15), nach dem Sündenfall also. In Gottes neuen Welt wird Gnade auch nicht mehr nötig sein, denn der Mensch wird wieder ohn Sünde sein.
      Dein Fazit lautet: das Gesetz ist gefährlich, Gnade ist die Lösung. Nein! Die Frage lautet eher: Was passiert, wenn der Mensch die Gebote Gottes nicht halten kann?
      Du behauptest, der Baum der Erkenntnis hat mit dem menschlichen Streben nach göttlicher Erkenntnis von Gut und Böse zu tun. Ich stimme zu, aber steht dieses Streben nicht gerade im Gegensatz zu dem, was das Gesetz verlangt? Es ist deshalb nicht gleichzusetzen. Seit dem Sündenfall versucht der Mensch sein eigenes Gesetz zu etablieren, statt Gottes Willen zu befolgen.
      Paulus vermindert nicht das Gesetz. Er macht deutlich, dass das mosaische „System“, in dem das Gesetz im Vordergrund steht, keinen Erlösungsweg darstellt. Auch im Alten Bund vermochte das Gesetz nicht zu retten, weil es Vollkommenheit verlangt und der Mensch das nicht leisten kann. Schon damals konnte deshalb der Mensch nur aus Gnade errettet werden. Gesetz und Gnade/Evangelium schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus: im Gesetz verlangt Gott etwas von uns und im Evangelium bietet er uns einen Rettungsweg an. Der Unterschied zwischen altem und neuem Bund liegt darin, dass Christus den Weg zur Unsterblichkeit eröffnet hat. Deshalb ist das alte „System“ obsolet geworden.

  4. Rob

    Paulus liest sich m.E. viel radikaler, gesetzeskritischer (10 Gebote), antiphilosophischer als Du ihn darstellst. Für ihn scheint ein Moralgesetz eben nicht Gottes ewiger Wille zu sein, sondern die gnadenvolle geistige Gemeinschaft mit Jesus: mit dem Geist Gottes, der uns als seinen Feinden unverdient Gnade geschenkt hat.

    Einige kurze Beispiele:
    Röm 7: Hier macht er dem 10. Gebot: Du sollst nicht begehren! den unglaublichen Vorwurf ihn zur Sünde anzustacheln: „Denn ich wusste nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte (2.Mose 20,17): »Du sollst nicht begehren!« Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden aller Art; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot. Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig…“

    2 Kor 3: Hier nennt er die steinernen Tafel der 10 Gebote ein priesterliches „Amt, das den Tod bringt“ und „Verdammnis“. Dessen Herrlichkeit sei Vergänglich, im Vergleich zum Amt im Geiste Jesu: „Ja, jene Herrlichkeit ist nicht für Herrlichkeit zu achten gegenüber dieser überschwänglichen Herrlichkeit. Denn wenn das Herrlichkeit hatte, was aufhört, wie viel mehr wird das Herrlichkeit haben, was bleibt.“

    1 Kor 15,55: Hier nennt er das Gesetz eine Unterstützerin/Kraft der Sünde, die allein im Glauben an die Gnade Jesu überwunden wird:
    „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“

    Gal 5: Hier sagt er doch glatt, dass selbst die kleinste Orientierung am Gesetz den Teig verdirbt – und zwar den Teig des Abendmahls (= ungesäuertes Brot) = Gemeinschft mit Christus.
    „Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. (…) Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“

    (Irgendwo, ich weiß leider nicht mehr wo, sagt er sogar, dass seine radikale Orientierung an göttlicher Gnade und Geist für einen griechischen Moralphilosophen, der von einem ewigen Gesetzes-Logos ausgeht, lächerlich, fast schon primitiv, ist.)

    1. Wie soll ich es sagen: du verstehst den Kontext dieser Worte nicht. Ich kann auch Verse zitieren, die zeigen, dass das Gesetz gut ist:

      Römer 7,12-14: So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut. Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot. Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.

      Römer 13,8-10: Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2.Mose 20,13-17): »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3.Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.

      1.Korinther 7,19: Beschnitten sein ist nichts und unbeschnitten sein ist nichts, sondern: Gottes Gebote halten.

      Epheser 6,1-3: Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. »Ehre Vater und Mutter«, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: »auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden« (5.Mose 5,16).

      Jakobus und Johannes bekräftigen das Gesetz:

      Jakobus 2,8-12: Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3.Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter. Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig. Denn der gesagt hat (2.Mose 20,13-14): »Du sollst nicht ehebrechen«, der hat auch gesagt: »Du sollst nicht töten.« Wenn du nun nicht die Ehe brichst, tötest aber, bist du ein Übertreter des Gesetzes. Redet so und handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen.

      1.Johannes 2, 3-6: Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat.

  5. Es gibt einige Bibelstellen im Neuen Testament, laut denen das Gesetz scheinbar weiter gilt – und noch weit mehr, nach denen es ganz klar nicht mehr für uns gilt: die Frage ist also, welchen Reim man sich darauf macht … da das Leben mit und unter Gesetz nicht lustig ist und üble Folgen hat, ist diese Frage SEHR wichtig

    Der Leser kann vielleicht selbst entscheiden, welche Argumente schwerer wiegen … lebt er allerdings konsequent unter Gesetz, dann wird er dankbar sein für jedes Argument, das ihn darin unterstützt, dieses schwere Joch abzulegen … unser Erleben bestimmt mit darüber, was wir erkennen können und wollen.

  6. non nomia

    ich denke, dass es viele Wortemacherei über dieses Thema gibt, aber die Diskussionen beruhen nicht auf biblischer Weisheit, sondern zeugen nur davon, dass der Mensch über Gottes Wort richten will statt es so aufzunehmen wie Jesus in dem Sämann Gleichnis zeigt, durch die unbiblische Auslegungen ist ein falsches Evangelium entstanden. Davor warnt mein Buch siehe http://workupload.com/file/wXuYH8t

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