Was ist Taufe?

Für viele Christen wird die Taufe als persönliches Zeugnis und nicht als Sakrament verstanden. Mit der Taufe vollzieht der Täufling einen Gehorsamsschritt und bezeugt damit seinen Glauben „vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt“. Dieses Verständnis ist nicht falsch, dennoch unvollkommen, denn es zeigt nur die menschliche Seite des Glaubens. Dadurch wird nicht dokumentiert, dass in erster Linie Gott die Rettung eines Menschen bewirkt und nicht der freie Wille. Dadurch wird auch nicht ausreichend betont, dass Gott durch die Taufe unseren Glauben stärken möchte, was die eigentliche Bedeutung des Sakraments ist.

Die Taufe ist ein Befehl des Herrn.

Dass ein Mensch getauft wird, wenn er zum Glauben findet, ist in der Tat Gehorsam, denn der Herr Jesus selbst hat die Taufe angeordnet, als Er seinen Jüngern den Missionsbefehl gab:

Jesus kam und sagte zu seinen Jüngern: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe. Und ich versichere euch: Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit.«
Matthäus 28, 18-20

Die Taufe ist die Bitte an Gott um ein reines Gewissen.

Baptisten haben auch Recht, wenn sie behaupten, dass die Taufe mit dem eigenen Gewissen zu tun hat.

Der erste Petrusbrief betont, dass die Taufe eine Bitte (eperotema) an Gott um ein reines Gewissen ausdrückt:

Die Taufe ist keine körperliche Reinigung, sondern die Bitte an Gott um ein reines Gewissen. Dies ist möglich durch die Kraft der Auferstehung von Jesus Christus.
1 Petrus 3, 21

Dieser Vers wird oft missverstanden. Er bekämpft jedenfalls die Idee, dass die Taufe eine magische Wirkung hat, ohne geistlichen Aspekt. Der Vers unterstreicht die Idee des Sakraments: die Taufe stärkt das Gewissen des Täuflings, der an die Reinigung seiner Sünde durch Jesus Christus glaubt.

Kann die Taufe retten?

Nach Ansicht der katholischen Kirche rettet die Taufe tatsächlich. Sie bewirkt die Wiedergeburt und erzeugt den Glauben, wie Feuer das Holz anzündet.

Das Konzil von Trient sieht in der protestantischen Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben eine Ablehnung der katholischen Auffassung von der Wirksamkeit der Sakramente „ex opere operato“.

In Can. 8 der Canones de sacramentis in genere heißt es:

Wer sagt, durch die Sakramente des neuen Gesetzes selbst werde die Gnade nicht ex opere operato mitgeteilt, sondern allein der Glaube an die göttliche Verheißung zur Erlangung der Gnade genüge, der sei ausgeschlossen.
(DS 1608)

Lutheraner vertreten in einigen Punkten eine ähnliche Ansicht wie Katholiken; bei zwei unglücklichen Gedanken können wir nicht zustimmen:

– wie in der katholischen Kirche wird die Taufe als eine Handlung verstanden, die tatsächlich rettet. Das Wasser selbst rettet nicht, sondern das Wort Gottes, das in der Taufformel enthalten ist. Da Luther immer betont hat, dass ohne Glauben keine Rettung möglich ist, resultiert ein zweiter Unterschied:

– Säuglinge empfangen bei ihrer Taufe den Glauben. Dieser Glaube zeigt sich noch nicht, aber er ist „geheimnisvoll“ vorhanden.

Katholiken und Lutheraner haben jedoch Recht, wenn sie sagen, dass die Taufe heilsnotwendig ist. Das heißt aber nicht, dass jemand, der nicht getauft werden konnte, nicht gerettet wird.

Im Markusevangelium wird die Notwendigkeit der Taufe verdeutlicht:

Und er sagte zu ihnen: »Geht in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die gute Botschaft. Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.
Markus 16, 15-16

Die Taufe ist Pfand und Wahrzeichen unserer Errettung.

Reformierte sehen vor allem in der Taufe ein Pfand unserer Errettung.

Schauen wir, was der Heideberger Katechismus zu den Fragen 72 und 73 sagt:

72: Ist denn das äußerliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?
– Nein, denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reiniget uns von allen Sünden.
73: Warum nennet denn der Heilige Geist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?
– Gott redet also nicht ohne große Ursache: Nämlich, nicht allein, daß er uns damit will lehren, daß, gleichwie die Unsauberkeit des Leibs durch Wasser, also unsere Sünden durch Blut und Geist Christi hinweggenommen werden, sondern vielmehr, daß er uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, daß wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.

Die Taufe bedeutet Reinigung und Vergebung der Sünden.

Die Taufe ist das äußere Zeichen einer inwendigen Realität. Sie ist untrennbar mit dem Heilsgeschehen verbunden, das Gott in dem Menschen bewirkt und durch den Glauben erfasst wird.

Da wir also einen großen Hohen Priester haben, der über das Volk Gottes eingesetzt ist, wollen wir mit aufrichtigem Herzen in die Gegenwart Gottes treten und ihm ganz und gar vertrauen. Denn unsere Herzen wurden mit dem Blut Christi besprengt, um unser Gewissen von Schuld zu reinigen, und unsere Körper sind mit reinem Wasser gewaschen!
Hebräer 10, 22

Es muss nochmal betont werden, dass die Taufe von dem Rettungsakt Gottes untrennbar ist.

Was zögerst du noch? Steh auf und lass dich taufen. Rufe den Namen des Herrn an und lass deine Sünden abwaschen.
Apostelgeschichte 22, 16

Die Taufe wirkt dennoch nicht „ex opere operato“; die Handlung hat keine übernatürliche Wirkung in sich. Sie veranschaulicht nur, was Gott getan hat. Er hat den Täufling von seinen Sünden gereinigt, ihm eine vollkommene Vergebung und seinen Geist geschenkt.

Die Taufe bedeutet die Ausgießung des Heiligen Geistes.

Das ist aus dem Titusbrief ersichtlich.

Er rettete uns, nicht wegen unserer guten Taten, sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit. Er wusch unsere Schuld ab und schenkte uns durch den Heiligen Geist ein neues Leben.
Titus 3, 5

Diese Verheißung war bereits im Alten Testament enthalten:

Ich werde meinen Geist auf deine Nachkommen und meinen Segen über deinen Kindern ausgießen.
Jesaja 44, 3

»In den letzten Tagen«, spricht Gott, »werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgießen.
Joel 3, 1 (2, 28)

Die Taufe bedeutet unsere Vereinigung mit Christus.

Durch die Taufe werden wir mit Jesus Christus eins gemacht. Wir sterben mit ihm und werden zu einem neuen Leben erweckt.

Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, gehört nun zu Christus.
Galater 3, 27

Denn durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und begraben. Und genauso wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, so können auch wir jetzt ein neues Leben führen.
Römer 6, 4

Denn als ihr getauft wurdet, wurdet ihr mit Christus begraben. Und ihr wurdet mit ihm zu neuem Leben auferweckt, weil ihr auf die mächtige Kraft Gottes vertraut habt, der Christus von den Toten auferweckt hat.
Kolosser 2, 12

Baptisten betonen, dass diese Verse eindeutig für eine Taufe durch Untertauchen sprechen. Das ist auch die Meinung vieler Kirchenvätern, aber dieses Argument ist nicht endgültig, denn die Heilige Schrift verwendet auch andere Bilder für die Taufe: Besprengen, Aufgießen.

Die Taufe ist das Zeichen unserer Zugehörigkeit zum Volk Gottes.

Es wurde bereits gezeigt, dass wir durch die Taufe mit Jesus Christus vereinigt werden. Durch sie werden wir auch in seinen Leib eingegliedert. Die Taufe ist deshalb das Zeichen des Neuen Bundes in Ihm.

Dann gieße ich reines Wasser über euch aus, und ihr werdet rein sein… Ihr werdet mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.
Hesekiel 36, 25.28

Einige von uns sind Juden, andere Nichtjuden; einige sind Sklaven, andere frei. Aber wir haben alle denselben Geist empfangen und gehören durch die Taufe zum Leib Christi.
1 Korinther 12, 13

Dieses Verständnis ist absolut entscheidend, wenn wir wissen wollen, wie Gott zu den Kindern von Gläubigen steht.

Die Taufe im Kontext des Gnadenbundes.

Wir haben gesehen, was die Taufe bedeutet, nämlich: Reinigung der Sünden, neues Leben, Gabe des Heiligen Geistes und Zugehörigkeit zu Gott.

Im Alten Testament werden diese wertvolle Geschenke im Zusammenhang mit dem Neuen Bund versprochen, wie zum Beispiel in folgendem Vers:

Dann gieße ich reines Wasser über euch aus, und ihr werdet rein sein. Von allen euren Unreinheiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und euch einen neuen Geist schenken. Ich werde das Herz aus Stein aus eurem Körper nehmen und euch ein Herz aus Fleisch geben. Und ich werde euch meinen Geist geben, damit ihr nach meinem Gesetz lebt und meine Gebote bewahrt und euch danach richtet. Und ihr sollt in dem Land leben, das ich euren Vorfahren gegeben habe. Ihr werdet mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.
Hesekiel 36, 25-28

Warum handelt Gott mit den Menschen im Rahmen von Bünden? Wie neu ist der Bund in Jesus im Vergleich zu dem Alten? Es lohnt sich, dass wir uns kurz mit dieser Frage beschäftigen.

Gott rettet im Rahmen seines Gnadenbundes.

Abgesehen von bestimmten Randvorstellungen gibt es nur zwei umfassende Systeme, welche die Heilsgeschichte zu interpretieren versuchen.

Diese zwei Systeme sind:

  • die Bundestheologie
  • der Dispensationalismus

Klassische reformierte Christen befürworten die Bundestheologie.

Die meisten Evangelikale (sowie einige Reformierte-Baptisten wie John MacArthur) vertreten eine moderate Version des Dispensationalismus.

Wie kann man in wenigen Worten diese beiden Positionen zusammenfassen?

  • die Bundestheologie sieht in der Heilsgeschichte neben dem Bund der Werke (vor dem Sündenfall) nur einen einzigen Gnadenbund. Dieser Gnadenbund hat zwar verschiedene Formen (Noahs-, Abrahams-, Sinai-, Davids-, Neuer Bund) aber er bleibt in seinem Kern gleich.
    Der Theologe Louis Berkhof betont folgende Merkmale des Gnadenbundes: die Verheißung ist dieselbe (1 Mose 17, 7); die Gute Nachricht ist auch dieselbe (Hebräer 8, 10); der Glaube ist derselbe (Galater 3, 6-7); der Mittler – der Sohn Gottes – ist Derselbe (Hebräer 13, 8).
  • der Dispensationalismus widerspricht diese Einheit. Gott sieht im Laufe der Geschichte unterschiedliche Grundvoraussetzungen vor, um errettet zu werden. Diese Lehre stellt deshalb den radikalen Unterschied zwischen dem Alten und den Neuen Bund heraus.

Was die Anhänger der Bundestheologie (Paedobaptisten und Credobaptisten) trennt, ist die Frage, ob der Gnadenbund immer gleich bleibt. Die Credobaptisten billigen den Dispensationalisten die radikale Neuerung des Neuen Bundes zu.

Wie schon erwähnt hatte der Gnadenbund nicht immer die gleiche Form. Die Schrift stellt zum Beispiel den Alten Bund (Sinaibund) dem Neuen Bund gegenüber. Jeder Bund hat seine Zeichen:

  • im Alten Bund waren die sichtbaren Zeichen die Beschneidung (sie bedeutete den Eintritt in den Bund) und das Passafest.
  • Im Neuen Bund werden diese Zeichen durch 2 neuen ersetzt: die Taufe und das Herrnmahl.

Taufe und Beschneidung sind Zeichen der selben Realität

Wir finden im Kolosserbrief eine unübersehbare Parallele zwischen der Beschneidung und der Taufe:

Durch eure Zugehörigkeit zu Christus wurdet ihr beschnitten, aber nicht durch einen äußerlichen Eingriff. Eure Beschneidung kam durch Christus, und damit wurdet ihr von eurem alten Wesen abgetrennt. Denn als ihr getauft wurdet, wurdet ihr mit Christus begraben. Und ihr wurdet mit ihm zu neuem Leben auferweckt, weil ihr auf die mächtige Kraft Gottes vertraut habt, der Christus von den Toten auferweckt hat.
Kolosser 2, 11-12

In diesem Vers wird die Wiedergeburt mit einer Herzensbeschneidung verglichen, die Jesus Christus selbst vollzieht. Dabei wird erläutert, welchen Sinn die Beschneidung hat; sie bedeutet die Trennung vom alten Leben. Die Taufe bedeutet auch das gleiche: Tod des alten Menschen und Auferweckung zu einem neuen Leben.

Es ist, was Jeremia 31, 33 verspricht: ich werde mein Gesetz in ihr Herz schreiben. Die Taufe symbolisiert gerade diese geistliche Beschneidung.

Dass die Beschneidung des Abrahamsbundes auch die Wiedergeburt symbolisierte, dazu finden wir im Römerbrief einen klaren Beweis:

Die Beschneidung war ein Zeichen dafür, dass Abraham glaubte und Gott ihn angenommen und gerecht gesprochen hatte, als er noch unbeschnitten war. Damit ist Abraham der geistliche Vater all derer, die glauben, aber nicht beschnitten worden sind. Sie werden von Gott wegen ihres Glaubens gerecht gesprochen.
Römer 4, 11

Die Schlussfolgerung ist kristallklar: Wenn die Beschneidung die gleiche Bedeutung wie die Taufe hat und sie im Alten Bund an Kindern von Israeliten vollzogen wurde, dann gehört die Taufe auch Kindern im Neuen Bund.

Gott verspricht, dass Er auch die Kinder der Gläubigen retten möchte

Nirgendwo in der Bibel wird die Rettung eines Einzelnen als unabhängig von der Rettung seiner Familie betrachtet.

Noahs Familie wurde mit ihm gerettet:

Dann sprach der Herr zu Noah: »Geh mit deiner ganzen Familie in das Schiff, denn unter allen Menschen auf der Erde bist du in meinen Augen der einzige, der gerecht ist.
1 Mose 7, 1

Lots Angehörigen durften die Stadt Sodom mit ihm verlassen, obwohl leider nicht alle dieses Geschenk in Anspruch genommen haben:

»Hast du noch irgendwelche Verwandten in der Stadt – Schwiegersöhne, Söhne, Töchter oder sonst jemand von der Familie?«, fragten die Engel Lot. »Dann bring sie aus der Stadt heraus.
1 Mose 19, 12

Gott verspricht, dass er die Nachkommen der Israeliten retten will:

Der Herr, euer Gott, wird euer Herz und die Herzen eurer Nachkommen reinigen (wortwörtlich: beschneiden), damit ihr ihn aufrichtig und mit aller Kraft liebt und am Leben bleibt.
5 Mose 30, 6

»Und dies ist mein Bund mit ihnen«, verkündet der Herr: »Mein Geist und die Worte, die ich euch gegeben habe, werden bei euch bleiben. Sie werden immer auf euren Lippen und den Lippen eurer Kinder und Enkel sein, von nun an bis in Ewigkeit«, spricht der Herr.
Jesaja 59, 21

Diese Tatsache ändert sich im NT nicht:

Petrus antwortete ihnen: »Kehrt euch ab von euren Sünden und wendet euch Gott zu. Lasst euch alle taufen im Namen von Jesus Christus zur Vergebung eurer Sünden. Dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Diese Zusage Gottes gilt euch und euren Kindern
Apostelgeschichte 2, 38-39

5 Gedanken zu “Was ist Taufe?

  1. Pingback: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe | apologet

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