Führen alle Religionen zu Gott?

Vor einigen Jahrhunderten hätte keiner in Europa eine solche Frage gestellt. Es stand außer Frage, dass das Christentum die einzig wahre Religion war. Wenn ich heute behaupten würde, dass meine Religion die einzig richtige ist, würde ich auf keine große Zustimmung stoßen. Es ist nämlich total modern zu denken, dass jeder irgendwie Recht hat, dass Glaube Privatsache ist und dass seine Meinung über die Meinungen der anderen zu stellen, inakzeptabel ist.

Was hat dazu geführt?

1.Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und das Zusammenkommen der Kulturen in unserem „globalen Dorf“ zwingt irgendwie jeden, andere Religionen und Weltansichten zu akzeptieren, denn sonst wäre ein Zusammenleben unmöglich.

2.Viele unserer Mitmenschen spüren eine tiefe Abneigung gegen die „Kirche“ als Institution. Die letzten Skandale in der katholischen Kirche verstärken diesen Trend. Warum sollten diese Menschen nicht andere Spiritualitäten kennen lernen?

3.Die Aufklärung hat uns irgendwie in eine Sackgasse geführt. Da wir nicht mehr über Gott objektiv reden können, müssen wir uns mit relativen und subjektiven Aussagen begnügen: Das ist meine Meinung, ich denke, ich vermute…

4.Komischerweise findet eine Spaltung in der Gesellschaft statt: viele Menschen verwerfen mit Recht den religiösen Radikalismus, wo andere gerade in diesen Radikalismus verfallen, weil sie auf der Suche nach absoluten Werten sind, die ihnen in unserem multireligiösen System vorenthalten sind.

Was versteht man unter Pluralität, Pluralismus und Synkretismus?

Pluralität ist ein soziologischer Begriff und bedeutet Vielzahl der Kulturen. In Großstädten kommen Menschen aus unterschiedlichen Horizonten zusammen. Dort finden wir zum Beispiel sehr emanzipierte Frauen aber auch verhüllte muslimische Frauen. Um den sozialen Frieden zu bewahren, ist es von großer Bedeutung, dass ich Menschen aus anderen Kulturen kennen lerne und verstehe.

Der Pluralismus (im religiösen Sinne) sieht alle Religionen als gleichwertig an. Keine Religion kann eine Überlegenheit beanspruchen und jede Religion enthält ein bisschen Wahrheit. Der Pluralismus betrachtet auch deren individuelle Verwirklichung und Vertretung als legitim und sogar wünschenswert. In diesem Artikel möchte ich jedoch zeigen, dass eine solche Ansicht Widersprüche enthält.

Was versteht man jetzt unter Synkretismus? Es ist der Versuch, verschiedene Religionen zu einem neuen religiösen System zu vermischen.

A. Drei wichtige Grundfragen

Im Grunde müssen wir, wenn wir uns mit der Frage beschäftigen „Führen alle Religionen zu Gott?“ uns auch gewissermaßen mit den 3 Grundfragen der Philosophie befassen. Das sind:

  • Was war am Anfang? Woher kommt es, dass wir da sind (die metaphysische Frage)
  • Was ist das rechte Handeln? (die ethische Frage)
  • Was kann ich mit meiner Vernunft erkennen und beweisen? (die Erkenntnistheorie)

1. Was war am Anfang?

Der Mensch hat immer wieder versucht, folgende Fragen zu beantworten: Woher kommt das Leben? Was war am Anfang? Wozu bin ich da? Was kommt nach dem Tod? Ist alles nur Illusion? Ist alles eine und die selbe Realität oder existiert eine Vielfalt von Wesen?

Wenn man das Problem sehr vereinfachen will, dann kann man sagen, dass es 3 mögliche Antworten zu dieser Frage gibt:

  • Am Anfang gab es nichts.

Mit „gar nichts“ meine ich nicht die Urknalltheorie, denn die Urknalltheorie löst unsere Frage nicht. Sie setzt voraus, dass es bereits irgend etwas gab, das man nicht begreifen kann, weil die Regeln der Physik damals noch nicht galten. Nein, ich meine damit, dass das Universum plötzlich und ohne Ursache angefangen hat, zu existieren. Das war rein Zufall, denn es gibt hier keinen Urheber, den man Gott nennen könnte. Eine solche Hypothese ist etwas, was man nur schwer unterstützen kann, es sei denn man will die Frage nach den ersten Gründen des Seins total außer Acht lassen.

  • Es gab einen „unpersönlichen“ Anfang.

Diese Idee führt uns zum Pantheismus, d. h. Alles ist Gott, oder die Natur ist göttlich. Sie geht davon aus, dass das Universum immer existiert hat, vielleicht nicht in der Form, die wir heute kennen, aber dennoch es war da. Aristoteles sagt dazu: Die einfache Wirklichkeit ist die Gesamtheit der Dinge, nicht aber irgendeines von ihnen.
Weil das Universum ewig ist, muss es mit Gott identisch sein. Dieser unpersönlicher Gott ist immanent, d. h. er ist in uns selbst zu finden. Er ist innewohnend.

  • Es gab einen „persönlichen“ Anfang.

Diese Idee nennt man Theismus, sie kommt vom Wort Theos (Gott). Sie geht davon aus, dass das Universum von einem allmächtigen und persönlichen Gott erschaffen worden ist. Dieser Gott ist transzendent, das heißt, Er wohnt nicht in dem materiellen Universum, sondern außerhalb. Die Frage nach der Herkunft dieses allmächtigen Gottes ist absurd, denn sonst fangen wir wieder an mit einer Kette von Ursachen und Wirkungen.
Einige werden sagen: aber warum ein und nicht mehrere Götter? In Wirklichkeit ist Polytheismus eine Form von Pantheismus, denn ab dem Moment wo ich mehrere Götter voraussetze, können sie nicht unendlich sein.

2. Was ist das rechte Handeln?

Wir versuchen damit folgende Fragen zu beantworten: Was ist gut und was ist böse? Gibt es einen Unterschied zwischen den beiden? Ist der Mensch von Natur aus gut? Warum kann der Mensch manchmal so grausam sein?
Im Pantheismus gilt: Weil die Realität eins ist, ist entweder alles nur gut oder nur böse, oder das Gut und das Böse sind nur subjektive Größen, wie bei Baruch Spinoza: das Böse ist das, was die Selbstbehauptung des Einzelnen hemmt.
Im Theismus wird angenommen, dass Gott vollkommen gut ist. Deshalb muss man sich in diesem System mit der Frage befassen, woher das Böse kommt und warum Gott es zulässt.

3. Was kann ich erkennen?

Seit Immanuel Kant und dem kritischen Rationalismus sind wir in einem geschlossenen System gefangen, wo wir die metaphysische Frage nicht mehr beantworten können. Wenn ich nur das erkennen kann, was unter die Sinne fällt, dann weiß ich nicht woher ich komme und wozu ich lebe.
Interessanterweise postuliert Kant, dass es doch einen Gott geben muss und dass die Seele unsterblich ist, damit die Moral einen Sinn macht. Leider überzeugt Kant nicht wirklich, weil er nicht akzeptieren will, dass dieser Gott mit uns kommunizieren kann.
Wenn wir akzeptieren, dass der transzendente Gott sich offenbaren kann und will, dann haben wir eine mögliche Erklärung für unseren Ursprung und unser Schicksal. Wenn Gott schweigt, dann sind letztendlich Mystizismus und Aberglaube die einzig möglichen religiösen Formen.

B. Der religiöse Pluralismus: sind alle Religionen gleich?

Ich möchte betonen, dass ein religiöses System, wo man alle Religionen als die verschiedenen Facetten eines Diamanten versteht, rein pantheistisch ist.
Im Theismus ist der Pluralismus nicht möglich: Gott schweigt nicht, weil Er Liebe ist und sein offenbarter Wille bestimmt die absolute Wahrheit. Wenn er schweigen würde (wie beim Gott der Philosophen) dann wäre Gott kein liebender Gott.
Einer der bekanntesten Vertreter des religiösen Pluralismus ist John Hick. Von ihm ist das Bild der 3 Blinden bekannt, die er aus einer alten orientalischen Tradition ausgeliehen hat:

Drei Blinden fassen einen Elefant an: der eine fasst ein Bein an und behauptet, ein Elefant ist wie ein Baum; der zweite berührt seinen Rüssel und meint ein Elefant ist wie eine Schlange; der dritte hält den Schwanz und behauptet ein Elefant sei wie ein Seil.

Hick meint damit, dass nur Blindheit die Religionen daran hindert, zu erkennen, dass es nur eine Wirklichkeit gibt. Dabei verwendet Hick die gleiche Begrifflichkeit wie Immanuel Kant:

  • Es gibt die göttliche Realität wie sie wirklich ist (Gott an sich)
  • Es gibt diese Realität wie sie uns erscheint (als Phenomenon). Es ist abhängig von unserer Kultur und unserer Geschichte.

Laut Hick kann nur die ethische Frage objektiv betrachtet werden. Das ist die Schnittmenge von allen, weil jede Religion sich das Ziel vornimmt, den Menschen zu verbessern. Ein ichbezogener Mensch sollte ein gottbezogener Mensch werden.

Die Schwäche von dieser Theorie fällt sofort auf: Wenn Gott nicht wirklich erkennbar ist, was weiß man dann über Ihn? Wenn Er sich nicht offenbart, wie soll ich wissen, ob Er überhaupt existiert?

Im religiösen Pluralismus sehe ich zwei Richtungen:

  • diejenigen, die ihren Glauben eher mit einer metaphysischen Argumentation begründen
  • die andere, deren Argumentation auf der Erkenntnistheorie ruht.

1. Die Argumentation der traditionellen Religionen des Pantheismus

Im Hinduismus oder in anderen pantheistischen Religionen besteht die Annahme, dass alle Religionen zu Gott führen. Der Mensch selbst ist ein Teil von Gott. Er braucht nur an der Oberfläche zu kratzen, um Gott in sich selbst zu finden.
Aus diesem Grund ist es im Hinduismus möglich, zu sagen, dass viele Wege zu Gott führen.

a. Eine der größten Schwierigkeiten, die die Vertreter eines unpersönlichen Anfangs haben, ist die Vielfalt zu erklären.

In einem pantheistischen System ist die Realität ein und die selbe: Die Anhänger des Pantheismus glauben, dass das wirkliche Sein wie das Meer sei und alles Erschaffene wie seine Wellen. Diese Wellen, die alles Erschaffene darstellen, seien die unzähligen Formen des wirklichen Seins; die einzige Wirklichkeit sei also das Meer der Präexistenz, und die zahllosen Formen der Geschöpfe seien die Wellen, die erscheinen.

Wenn das Universum ein und das selbe ist, warum haben wir so starke Persönlichkeiten. Warum sind wir egoistisch und grausam? Warum fällt es uns so schwer, den Tod, die Rückkehr zu Gott, zu akzeptieren?

Es gibt in der Tat zu viele Unterschiede, um behaupten zu können, alle Religionen sind gleich. Nehmen wir ein Beispiel: Das Christentum behauptet, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden sei, während der Islam diese Möglichkeit als Gotteslästerung bezeichnet.
Was hat der Buddhismus (ohne persönlichen Gott) mit dem Christentum zu tun (wo Gott als Vater geschildert wird)?

b. Die ethische Frage führt auch in einem pantheistischen System zu unlösbaren Widersprüchen.

Diese Frage kann nur so gelöst werden, dadurch dass entweder der Mensch nach ethischen Zielen strebt, für die es in einem unpersönlichen Universum keine Erfüllung gibt oder dadurch dass die Unterscheidung zwischen Gutem und Bösem irrelevant ist, da die Realität eins ist und Gut und Böse keinen Sinn haben.
Im größten pantheistischen Land, Indien, gibt es wenig Platz für Barmherzigkeit. Es ist nicht ein Zufall, dass die bedeutendsten Menschenorganisationen in einer Stadt wie Calcutta christliche Organisationen sind, wie zum Beispiel die Missionarinnen der Nächstenliebe, die Mutter Theresa gegründet hat.

Wenn der Buddhismus zu einer liebevollen Einstellung einlädt, dann ist es immer ein Mittel zur Selbsterlösung. Was bringt Mitgefühl in einem System, wo man in die Nicht-Existenz flüchten möchte, um mit dem Leiden nicht mehr konfrontiert zu werden?

2. Die Antwort der kritischen Theologie (Panentheismus)

Im religiösen Pluralismus findet man nicht nur die traditionelle Position des pantheistischen Glaubens, sondern auch die Position der kritischen Theologie. Hier ist die Argumentation nicht in ersten Linie metaphysisch, sie ruht eher auf der Grundlage der Erkenntnistheorie.
Im Zuge der Aufklärung verwirft die moderne Theologie die Auffassung, wonach der biblische Bericht ein inspiriertes und unfehlbares Zeugnis von Gott sei. Dies gilt auch für die anderen sog. inspirierten Schriften. Die Existenz Gottes oder die Echtheit der religiösen Erfahrungen werden dabei nicht bestritten, aber da in unserer direkten Umwelt Gott nicht spricht und Ihn man nicht direkt erfahren kann, bleibt alles subjektiv. Aus diesem Grund kann religiöse Erfahrung keine absolute Wahrheit vermitteln.
Durch ihre epistemologische Position führt die kritische Theologie de facto zum Panentheismus (Alles ist in Gott). Gott ist der Welt innewohnend (deshalb ist die religiöse Erfahrung möglich) aber Er ist auch transzendent und diesen Teil von Ihm kann man nicht erkennen.
Ein Eingreifen Gottes ist nach konsequenter panentheistischer Betrachtung nicht bloß unnötig, sondern schlechthin undenkbar, da eine Veränderung der Welt und ihrer Abläufe auf der materiellen Ebene (durch göttliche Eingriffe) überhaupt nicht „im Sinne des Erfinders“ wäre. Deshalb ist zum Beispiel die Menschwerdung von Gottes Sohn einfach unvorstellbar. Warum würde Gott die Welt erlösen wollen, wenn sie von Natur aus gut ist.
Die kritische Theologie befasst sich mit dem Gott der Bibel als ob dieser Gott ein Objekt wäre, welches sich um den Menschen drehen würde. Die Botschaft der Bibel ist anders: Ich kann Gott nicht erkennen, wenn ich Ihn nicht als Schöpfer und Herr betrachte und gleichzeitig meine Unzulänglichkeit bekenne.
Folgendes steht im Brief, den Paulus den Römern schreibt (das gilt übrigens für alle Formen von Pantheismus):

Gott lässt aber auch seinen Zorn sichtbar werden. Vom Himmel herab trifft er alle Menschen, die sich gegen Gott auflehnen und so die Wahrheit mit Füßen treten. Sie führen ein Leben ohne Gott und tun, was ihm missfällt. Dabei wissen sie ganz genau, dass es Gott gibt, er selbst hat ihnen dieses Wissen gegeben. Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren können. Sie haben also keine Entschuldigung. Denn obwohl sie schon immer von Gott wussten, wollten sie ihn nicht anerkennen und ihm nicht danken. Stattdessen kreisten ihre Gedanken um Belangloses, und da sie so unverständig blieben, wurde es schließlich in ihren Herzen finster.
Römer 1, 18-21

Und in Vers 25:

… Sie haben Gottes Wahrheit verdreht und ihrer eigenen Lüge geglaubt. Sie haben die Schöpfung angebetet und nicht den Schöpfer. Ihm allein aber gehören Lob und Ehre bis in alle Ewigkeit.

Der biblische Theismus

Ich glaube persönlich an einen Gott-Mensch, der von sich behauptet hat, Er sei der Weg, die Wahrheit und das Leben. (Johannes 14, 6).

Ist diese Behauptung nicht intolerant? Für mich ist Toleranz nicht gleich Pluralismus, sondern der Wunsch, mit anderen einen Dialog zu führen, auch wenn jeder unvereinbare Ideen vertritt. Dabei spielt Respekt eine entscheidende Rolle gerade weil mein Nächster auch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde und von ihm geliebt ist. Das heißt aber keineswegs, dass ich Kompromisse machen will und auf die Kernaussagen meines Glaubens verzichten muss.

Ich will jetzt versuchen, klar zu machen, dass der biblische Theismus eine vernünftige Antwort zu den Fragen gibt, die zu lösen sind.

– Der Gott der Bibel

Ich glaube, dass wir in der Bibel die Antwort zu unseren 3 Grundfragen finden:

  • Woher kommen wir? Gott hat uns erschaffen. Wir sind selbst nicht Gott, aber wir wurden als dessen Ebenbild geschaffen. Im biblischen Theismus stellt sich das Problem der Vielfalt nicht: jeder ist einzigartig, ein Original. Dass das Universum einen Anfang hat, stimmt auch mit der Beobachtung der modernen Physik überein (zumindest momentan).
  • Was sind Gut und Böse? Der Sündenfall erklärt, warum der Mensch sowohl gute Eigenschaften hat als auch grausam sein kann. Der Mensch wurde fehlerfrei und mit freiem Willen geschaffen. Seine Freiheit hat er missbraucht und Gottes Autorität verworfen: das erklärt den Widerspruch im Menschen.
  • Wir können erkennen, weil Gott klar und deutlich spricht. Er redet durch die Bibel und verwendet Begriffe, die wir verstehen können

– Das Christentum ist keine Religion

Das Christentum (der Glaube an Jesus Christus) ist keine Religion, wenn man die Religion als die gewissenhafte Einhaltung überlieferter Regeln versteht. Religion setzt eine Bewegung von dem Menschen zu Gott voraus. Beim christlichen Glauben handelt es sich um einen Rettungsakt, in dem Gott selbst die Initiative ergreift und wo menschliche Anstrengungen keine Rolle spielen.

Die zentrale Botschaft der Bibel ist Johannes 3, 16:

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.

Die Antwort des Menschen sollte Glaube und Vertrauen sein. Gott ist kein passives Kultobjekt, kein Götze, sondern eine lebendige Person, die sich um mich und mein Schicksal kümmert. Deshalb hat der Glaube an Jesus nicht primär mit einer Kirchentradition zu tun. Starre Kirchentraditionen sind der Grund weshalb, so viele Menschen eine so große Abneigung gegen das Christentum haben. Christlicher Glaube ist Beziehung zu einer auferstandenen Person: Jesus Christus.

– Warum brauchen wir Jesus als Wegweiser?

Jesus Christus hat selbst gesagt:

Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen. (Johannes 14, 6)

Nur Jesus kann den Menschen Rettung bringen. Nichts und niemand sonst auf der ganzen Welt rettet sie, lesen wir in Apostelgeschichte 4, 12

Warum ist Jesus so wichtig? Weil der religiöse Mensch in eine Sackgasse geraten ist. Er möchte Gott mit seinen religiösen Taten gefallen und sein Gewissen befriedigen, er erreicht aber nicht den Maßstab der Gerechtigkeit, den der vollkommene Gott verlangt. Deshalb kann keiner mit reinem Gewissen sagen, dass er in den Himmel kommt.

In seinem Brief an die Römer beschreibt Paulus wie der Mensch sich Gott nähern will aber nicht kann, weil dessen Verstand und Wille wegen dem Sündenfall gehemmt sind. Der Mensch besitzt von sich aus nicht die Fähigkeit, den Willen Gottes zu erkennen. Dazu muss uns Gott mit seinem Geist befähigen, so Paulus:

Wir haben den Geist Gottes bekommen. Und deshalb können wir auch erkennen, was Gott für uns getan hat. 1 Korinther 2, 12

C. Exklusivismus und Inklusivismus

Ich möchte einen letzten Punkt ansprechen: Wenn Jesus der einzige Weg zu Gott ist, können ehrliche Menschen aus anderen Religionen auch Teil an seiner Gerechtigkeit haben? Wenn ja, wie können Menschen durch ihn gerettet werden, wenn sie seine Botschaft nie gehört haben?

Der Exklusivismus vertritt die Vorstellung, dass der eigene Glaube, der einzig wahre und richtige ist und andere Glaubensrichtungen keinen Anteil an der Wahrheit oder zumindest an heilsentscheidenden Wahrheiten haben.

Der religiöse Inklusivismus erkennt an, dass auch andere Religionen Heilsbedeutsamkeit besitzen können, dass aber diese Heilsbedeutsamkeit erst in der eigenen Religion zu ihrer vollen Entfaltung und Bedeutung gelangt.

Die Religion Israels ist zwar exklusivistisch, denn Israel ist ein von Gott erwähltes Volk aber der Gott der Bibel ist auch ein universaler Gott, der sich um das Heil der anderen Völker bemüht und seine Herrschaft über die ganze Welt beansprucht.
Im Neuen Testament wird den Anhängern Jesu ein Auftrag gegeben: sie sollen in die ganze Welt gehen und die Gute Nachricht weiter sagen. Es geht nicht darum, den Menschen eine Lehre aufzuzwingen, sondern sie von der Wahrheit zu überzeugen. Jesus hat gesagt: mein Reich ist nicht von dieser Welt, ich führe meinen Kampf nicht mit dem Schwert.

Welche Positionen vertreten Christen diesbezüglich?

– Die traditionelle Lehre

Das ist die Lehre von Luther und Calvin, aber auch von Augustinus und Thomas von Aquin. Sie sagt, dass wir nur durch Jesus Christus gerettet werden können. Es gibt kein Heil in den anderen Religionen. Gott hat in seinem geheimen Rat die Menschen prädestiniert (vorherbestimmt), aber jeder Mensch, der die Gute Botschaft hört, steht vor der Verantwortung, eine Entscheidung zu treffen.

– Die Scientia Media von Luis Molina

Nach dieser Position weiß Gott, in seiner Allwissenheit, wie sich ein Mensch in einer bestimmten Situation für ihn entschieden hätte. Er hat dafür gesorgt, dass die Menschen, die ihn sowieso nie angenommen hätten, die Möglichkeit nicht bekommen, die Gute Nachricht zu hören.

– Der Universalismus

Der Universalismus vertritt die Meinung, dass die Menschen, die Jesus nicht angenommen haben, nach ihrem Tod eine weitere Möglichkeit bekommen werden, sich für ihn zu entscheiden. Universalisten sind der Meinung, dass Gott ein gnädiger Gott, der nicht möchte, dass irgendein Mensch verloren geht.

– Die Erklärung von Vatikan II (Nostra Aetate)

Beim 2. Konzil vom Vatikan hat die katholische Kirche folgende Position vertreten:
Das Werk Christi ist so einflussreich, dass Menschen aus anderen Religionen, die Gott mit einem aufrichtigen Herzen suchen, auch gerettet werden können.

Schlussgedanken

Die Bibel redet Klartext und beantwortet die meisten Fragen wie:

  • Woher kommen wir?
  • Wie sollen wir uns verhalten?
  • Was können wir wissen und hoffen?

Dennoch stehen wir vor ungeklärten Fragen:

  • Warum lässt Gott das Leid zu?
  • Was geschieht mit den Menschen, die Jesu Botschaft nie gehört haben?

Ich glaube an einen weisen und gerechten Gott und deshalb akzeptiere ich meine Begrenztheit und meine Unwissenheit. Ich vertraue diesem weisen und liebenden Gott und weiß, dass Er sich einen guten Plan ausgedacht hat für diejenigen, die Ihn lieben.
Ich entziehe mich nicht meiner Verantwortung und lehne das Angebot, das Gott in Jesus Christus macht, nicht ab. Wenn es so ist, dass ohne Jesus keiner zu Gott finden kann, dann möchte ich wie Paulus alles verlieren, um Christus zu gewinnen.

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