Die Befürworter der Bundestheologie (auch Föderaltheologie genannt) haben ein Modell entwickelt, welches vorsieht, dass im Laufe der Heilsgeschichte Gott seine Beziehungen zu den Menschen im Rahmen von Bünde (oder Verträgen) gestaltet. Dies ist keine bloße Erfindung, sondern basiert auf festen biblischen Belegen.

Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, kann zum Beispiel die Stelle von Jeremia 30, 22 erwähnt werden, wo Gott sagt:

Und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

Gott hat nach dieser Theorie sechs Bünde mit den Menschen geschlossen:

  1. einen Bund mit Adam
  2. einen Bund mit Noah
  3. einen Bund mit Abraham
  4. einen Bund mit Mose
  5. einen Bund mit David
  6. einen Neuen Bund in Jesus Christus

Der erst genannte Bund basierte auf Werken; da er von Adam gebrochen wurde, können die Menschen nie wieder auf der Grundlage ihrer Werke Gott gefallen. Die 5 anderen Bünde sind deswegen Ausdrücke der Gnade Gottes. Dabei liegt der Grundgedanke, dass der Gnadenbund, den Gott schon mit Noah und anschließend mit Abraham schloss und mit Mose erneuerte, im Neuen Testament in Jesus Christus seine Fortsetzung findet. Folglich handelt es sich nicht um unterschiedliche Bünde, denn es ist eine gewisse Kontinuität vorhanden. Gleichzeitig ist auch eine Entwicklung zu erkennen. Deshalb wird auch vom Alten und vom neuen Bund gesprochen.

Das Gegenstück der Bundestheologie stellt der Dispensationalismus dar. Er sieht die Heilsgeschichte als eine Abfolge von 7 Zeitaltern. Wenn die Wurzeln der Bundestheologie bereits bei Ausgustinus zu finden sind (später bei Calvin und Johannes Coccejus), ist der Dispensationalismus relativ neu und wurde in England von John Nelson Darby entworfen. Der Amerikaner Cyrus Ingerson Scofield hat diese Auffassung in seiner berühmten kommentierten Bibel systematisiert, so dass dieses Gedankengut schnell andere Kreise als die „Plymouth Brethren“ erreicht hat. Die 7 Zeitalter sind (nach Scofield) folgende:

  1. Unschuld: von der Erschaffung des Menschen bis zum Sündenfall
  2. Gewissen oder moralische Verantwortung: vom Sündenfall bis zur Sintflut
  3. Menschliche Regierung: von der Sintflut bis zur Berufung Abrahams
  4. Versprechen: von der Berufung Abrahams bis zum Auszug aus Ägypten
  5. Gesetz: vom Sinai bis zu Jesus Christus
  6. Gnade: von Pfingsten bis zur Entrückung der Gemeinde
  7. Königreich: von der Entrückung der Gemeinde bis zur Ewigkeit

Man könnte vielleicht behaupten, dass beide Modelle sich ähneln. In Wirklichkeit weisen sie sehr große Unterschiede auf:

  1. In der Bundestheologie besteht bei den letzten 5 Bünden eine relative Kontinuität. Im Dispensationalismus ist jedes Zeitalter von den anderen klar zu unterscheiden, denn es herrschen andere Gesetze.
  2. In der Bundestheologie wird die Kirche als Fortsetzung Israels verstanden (das Neue Israel), wobei dies keineswegs bedeutet, dass Gott das Volk Israel verworfen hat. Im Dispensationalismus ist Israel allein das Volk Gottes. Die Kirche ist nur ein Einschub in der Geschichte zwischen Gott und seinem Volk.
  3. Die Hermeneutik der Bundestheologen ist eher allegorisierend und harmonisierend. Die Dispensationalisten legen die Bibel relativ wörtlich aus.
  4. Laut der Bundestheologie bleibt das moralische Gesetz in Kraft (es ist eine ewige Norm), obwohl Menschen zu jeder allein durch den Glauben gerettet werden konnten (auch im Alten Bund). Die Dispensationlisten sehen das anders: das Gesetz wurde abgeschaft. Es wird auch kein Unterschied zwischen dem moralischen und zeremoniellen Gesetz gemacht. Damals war das Gesetz der Heilsweg für Israel und heute ist das Evangelium unser Heilsweg.
  5. Was die Endzeit betrifft, erwarten die Dispensationalisten eine wortwörtliche Erfüllung der altestamentlichen Prophetien im Tausendjahrreich. Die Bundestheologie sieht die Erfüllung dieser Prophetien zum Teil in der Zeit der Gemeinde und zum Teil bei der Wiederkunft Jesu. Für die meisten Bundestheologen ist das Tausendjahrreich entweder eine Allegorie oder wird vor der Wiederkunft Jesu in Kraft treten.