1 Johannes 2, 20: Ihr habt alle das Wissen

In 1 Johannes 2, 20 lesen wir:

Doch ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und habt alle das Wissen.

Damals wurde der Hohepriester in Israel mit dem Öl des Heiligtums gesalbt. Gleicherweise wurde der Führer des Volkes mit einer Ölsalbung inthronisiert. Jesus wurde vom Vater selbst als Messias gesalbt und lässt den Christen an seinem Segen teilhaben. Mit Salbung ist hier die Gemeinschaft des Heiligen Geistes gemeint, eine Gabe, die ein Christ empfängt, wenn Gott ihn errettet. Dafür braucht man keine zweite Erfahrung, kein esoterisches Wissen, sondern alles geschieht bereits bei der Wiedergeburt.

Es sieht so aus, als ob die Kinder des Neuen Bundes durch den Heiligen Geist genug Wissen hätten, um in der Wahrheit selbständig zu wandeln. Bedeutet dies dann, dass sie keine Belehrung mehr brauchen? Können sie sich Pastoren und Lehrer sparen?

Den Vers könnte man auch so übersetzen: ihr habt die nötige Erkenntnis. Sehr wahrscheinlich bezieht sich Johannes auf die Stelle in Jeremia 31, 34a, wo von der Erkenntnis der Gläubigen im Neuen Bund die Rede ist:

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR…

Auf dem ersten Blick könnte auch diese Aussage die Tatsache bestätigen, dass die Gemeinde keine Lehrer mehr braucht. Aber im Wirklichkeit ist etwas anderes gemeint, was eigentlich mit der Natur des Neuen Bundes zu tun hat. Im Alten Bund fürchteten nur sehr wenige Gott und hatten auch nicht an Gottes Geist und an das Evangelium teil wie heute. Die Propheten konnten sich zwar bemühen, dem Volk immer wieder anzuspornen; das half aber nicht sehr viel.

Im Neuen Bund wohnt der Heilige Geist in den Herzen von vielen Menschen. Der Geist schreibt die Gebote Gottes auf ihr Herz und macht sie dazu fähig, den Willen Gottes zu erkennen. Das ist das, was Paulus in 2 Korinther 3, 3 bestätigt:

Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen.

Hier weist auch Johannes auf ein Wissen hin, das die Empfänger seines Briefes bereits empfangen hatten. Damit meint er gerade die apostolische Lehre im Gegensatz zu der Lehre der falschen Propheten, der sogenannten Proto-Gnostiker, welche die damaligen Gemeinden bedrohten.

Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind nun schon viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist.   1 Johannes 2, 18

Gott verteilt seine Gaben so, dass Er bestimmte Menschen als Pastoren und Lehrer befähigt. Jeder Christ ist nicht in der Lage, das Wort sicher auszulegen und zu verkünden, aber in seiner Vorsehung sorgt Gott dafür, dass wir auf einer geprüften Grundlagen unseren Glauben aufbauen können: das ist die apostolische Lehre und die Lehre derer, die diesem Fundament treu bleiben. Übrigens, brauchen wir deshalb auch Bekenntnisse: Damit wir nicht durch fremde Lehren von irgendwelchen rücksichtlosen Predigern hin und her gerissen werden.

Wie aktuell diese Frage ist, sehen wir an den heutigen evangelikalen Gemeinden. Viele erleiden Schiffsbruch, weil sie längst auf eine Konfession verzichten haben, um angeblich viele Besucher nicht zu schockieren.

Fassen wir uns zusammen: dieser Vers meint keinesfalls, dass die Christen sich Predigten und gesunde Lehre ersparen können. Johannes betont im Gegenteil, dass die Empfänger seines Briefes bisher korrekt unterrichtet worden sind und dazu kommt noch, dass der Heilige Geist ihnen als Beihilfe zur Seite steht, um falsche Doktrinen zu prüfen.

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