Je nachdem zu welcher Konfession man gehört, nimmt das Mahl des Herrn eine besondere Bedeutung ein. In bestimmten Gemeinden wird es wöchentlich gefeiert, in anderen vielleicht nur mehrere Male im Jahr.

Aber wer kann noch sagen, was das Abendmahl wirklich bedeutet? Vereinfacht dargestellt,  werden 4 Positionen vertreten: die katholische; die lutherische; zwei reformierten (Zwingli und Calvin).

Im Katholizismus hat das Abendmahl eine zentrale Bedeutung. Während dem Gottesdienst wird das Opfer Christi wiederholt: Brot und Wein werden in den Leib und in das Blut Jesu verwandelt. Diese Verwandlung der Substanzen nennen die Katholiken Transsubstantiation.

Martin Luther betont die Einzigartigkeit des Opfertodes Jesu, widerlegt dagegen eine  Verwandlung der Substanzen, obwohl er in dem Brot und  Wein den Leib und das Blut Christi sieht. Die Lutheraner sprechen von Konsubstantiation. Luther illustriert diese Vorstellung durch das Bild eines im Feuer zum Glühen gebrachten Eisens: Feuer und Eisen sind im rotglühenden Eisen verbunden, aber beide noch vorhanden. Ein anderer Vergleich ist der Vergleich mit den beiden Naturen Jesu: Er vereinte in sich die göttliche und die menschliche Natur, aber beide blieben unvermischt.

Der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli sah im Abendmahl nur ein Erinnerungsmahl. Die Position von Zwingli wird heute in den meisten evangelikalen Gemeinden übernommen.

Die calvinistische Position sieht im Abendmahl keine Realpräsenz, aber mehr als nur ein Erinnerungsmahl; Jesus Christus ist im Abendmahl durch seinen Geist gegenwärtig. Warum diese Auffassung die bibeltreuste ist, möchte ich jetzt zeigen.

Natürlich erinnern wir uns an das Opfer Christi, wenn wir das Abendmahl feiern, aber dahinter steht noch mehr: Brot und Wein sind Zeichen geistlicher Realitäten. Zunächst will Christus unsere geistliche Speise und unser seelischer Trank sein. Dann dürfen wir sicher sein, dass alles, was Jesus aufgrund seines Gehorsams vom Vater empfangen hat, auch uns gehört. In anderen Worten werden uns seine Gerechtigkeit, seine Unsterblichkeit und sein Erbe auch geschenkt. Durch sein Leiden sind wir auch zum ewigen Leben erweckt worden.

Der Heidelberger Katechismus fasst es in der Frage 79 so zusammen:

Christus redet so nicht ohne große Ursache: Nämlich, daß er uns nicht nur damit lehren will, daß, gleich wie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, so auch sein gekreuzigter Leib und vergossenes Blut die wahre Speise und Trank unserer Seele zum ewigen Leben ist (Joh 6, 51-55); sondern vielmehr, daß er uns durch dieses sichtbare Zeichen und Pfand versichern will, daß wir so wahrhaftig an seinem wahren Leib und Blut durch Wirkung des Heiligen Geistes Anteil haben, wie wir diese heiligen Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seinem Gedächtnis empfangen (1.Kor 10, 16-17) und daß all sein Leiden und Gehorsam so gewiß uns gehören, als hätten wir selbst in unserer eigenen Person alles gelitten und Genüge getan.

Calvin betont, dass es beim Abendmahl nicht nur darum geht, zu erkennen, was Jesus für uns getan hat, sondern auch mit ihm eine innige Gemeinschaft zu genießen (Institutio IV, XVII, 5).