Der ontologische Gottesbeweis

puzzleIn der theoretischen Philosophie befasst sich die Ontologie mit der Frage des Seienden (auf griechisch, on: seiend). Wichtige Fragen, die die Ontologie versucht zu beantworten, sind: was ist möglich und was exitiert wirklich. Ein ontologischer Gottesbeweis ist deshalb eine Demonstration, wo man versucht, Gottes Existenz nur anhand logischer Schlussfolgerungen zu belegen.

Der Theologe Anselm von Canterbury war der erste, der sich mit dem ontologischen Gottesbeweis auseinandergesetzt hat. Für Anselm konnte man sich nichts Größeres und Vollkommeneres vorstellen als Gott. Existiert aber etwas, was man sich vorstellen kann, wirklich in der Realität? Anselm geht folgendermaßen vor:

  1. Der Mensch kann sich etwas ausdenken, das vollkommen ist und durch nichts übertroffen wird.
  2. Es gibt nur etwas Größeres als diese Vorstellung, nämlich wenn dieses Wesen nicht nur als Möglichkeit gedacht wird, sondern wirklich existiert.
  3. Es gibt nichts Größeres, das man sich ausdenken kann, als Gott. Wenn Gott wirklich existiert, dann ist er notwendigerweise größer als ein Gedanke.
  4. Deshalb muss Gott existieren.

Auch René Descartes hat diese Argumentation verwendet, um Gott zu beweisen.

Leibniz hat diesen Beweis kritisiert und gezeigt, dass er nur logisch sein kann, wenn bewiesen ist, dass Gott notwendigerweise vollkommen ist. Dass Gott ein notwendiges Wesen ist, kann man nicht aus seiner Existenz ableiten, denn sie muss erst bewiesen werden. Leibniz will deshalb zuerst beweisen, dass ohne ein notwendiges Wesen wie Gott, nichts in der Welt existieren könnte.

Seine Argumentation sieht wie folgt aus:

  1. Ein notwendiges Wesen ist ein Wesen, das existieren muss.
  2. Ein Wesen, das existieren muss, existiert wirklich (Es gibt unbedingt ein Beispiel dafür)
  3. Deshalb existiert Gott.

Immanuel Kant hat vor allem den ontologischen Beweis von Anselm und Descartes kritisiert. Seine Argumentation klingt auf den ersten Blick überzeugend:
Sein ist kein modaler Begriff, der der Kategorie „Qualität“ unterzuordnen wäre, also keine Eigenschaft. Es ist nicht, weil man sagt, dass ein Wesen existiert, dass man diesem Wesen eine Eigenschaft hinzufüge. Kant nennt das Beispiel von hundert Talern: Hundert echte Taler enthalten nicht das geringste mehr als hundert ausgedachte Taler. Aus einem Begriff lässt sich nicht die Existenz dieses Begriffs beweisen. Somit sind für Kant, die Dinge, die man in der Realität nicht erfahren kann, mit der reinen Vernunft nicht beweisbar.

Das Problem von Kants Argumentation ist, dass ein Taler kein notwendiges Wesen ist. Es existiert in einer oder mehreren möglichen Welten, muss aber nicht in allen möglichen Welten existieren. Der Begriff „mögliche Welt“ sollte an dieser Stelle nicht missverstanden werden. Damit ist keine Dimension gemeint, die parallel zu unserer Welt existiert, sondern wie unsere Welt aussehen würde, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wären. Ein Beispiel dafür: es gibt eine mögliche Welt, wo Einstein nicht der berühmte Physiker geworden wäre, der er in unserer Welt war. Hätte Einstein kein Interesse für Mathematik und Physik gehabt, hätte er nicht seine Relativitätstheorie formuliert. Das gleiche gilt für das Fabelwesen Einhorn, das auch oft als Beispiel zitiert wird. Die Existenz eines solchen Tier ist möglich, aber ein Einhorn ist kein notwendiges Wesen. Es ist anders mit Gott. Wenn Gott existiert, dann muss er notwendigerweise in allen möglichen Welten existiert, sonst ist er kein Gott. Wenn Gott eine maximale Größe hat, dann lässt sich seine Existenz davon herleiten.

Im 20. Jahrhundert haben jedoch einige Philosophen und Mathematiker versucht, den ontologischen Beweis durch die Modallogik zu untermauern:

Der amerikanische Philosoph Alvin Plantinga (*1932) argumentiert folgendermaßen:

  1. Es ist möglich, dass ein Wesen mit maximaler Größe und damit maximaler Vollkommenheit existiert.
  2. Ein solcher Wesen mit maximaler Größe existiert deshalb in einer möglichen Welt.
  3. Ein Wesen kann jedoch nur eine maximale Größe haben, wenn er in jeder möglichen Welt existiert.
  4. Wenn ein solcher Wesen in jeder möglichen Welt existiert, dann existiert er auch in unserer Welt.
  5. Deshalb existiert Gott.

Zu Plantingas Beweis muss folgendes gesagt werden: niemand ist gezwungen, die erste Annahme zu akzeptieren, dass ein Wesen mit maximaler Größe möglicherweise existiert. Wer aber diese Idee ablehnt, muss zeigen, dass sie inkohärent ist, so wie wenn man sagt, dass ein rundes Viereck existieren kann. Was ist inkohärent bei dem Gedanken, dass ein allmächtiger und vollkommener Schöpfer des Universums existieren kann? Von dem Augenblick an, wo ich diese Annahme akzeptiere, erweisen sich die übrigen Argumente als widerspruchsfrei.

Ähnlich wie Plantingas Beweis ist Kurt Gödels Argumentation aufgebaut:

Axiom 1: Jede Eigenschaft ist entweder positiv oder nicht positiv.
Axiom 2: Was notwendig eine positive Eigenschaft enthält, ist selber positiv.
Theorem 1: Ist eine Eigenschaft positiv, so ist es möglich, dass es etwas gibt, das diese Eigenschaft besitzt.
Definition 1: Ein Wesen ist göttlich, wenn es alle positiven Eigenschaften besitzt.
Axiom 3: Göttlichkeit ist eine positive Eigenschaft.
Theorem 2: In einer möglichen Welt ist ein göttliches Wesen logisch möglich.
Definition 2: Eine Eigenschaft eines Wesens heißt wesentlich, wenn alle weiteren Eigenschaften dieses Wesens daraus notwendig folgen.
Axiom 4: Jede positive Eigenschaft ist notwendig positiv.
(Dies bedeutet, dass Notwendigkeit in der Positivität einer Eigenschaft enthalten ist. Somit ist Notwendigkeit selbst eine positive Eigenschaft.)
Theorem 3: Wenn ein Wesen göttlich ist, dann ist seine Göttlichkeit eine wesentliche Eigenschaft.
(Daraus folgt, dass es höchstens ein göttliches Wesen geben kann.)
Definition 3: Ein Wesen existiert notwendig, wenn alle seine wesentlichen Eigenschaften notwendig sind.
Axiom 5: Die Eigenschaft der notwendigen Existenz ist positiv.
Theorem 4: Wenn die Existenz eines göttlichen Wesens logisch möglich ist, dann ist sie notwendig.
(Da wir die logische Möglichkeit der Göttlichkeit bereits in Theorem 2 festgestellt haben, folgt nun, dass genau ein göttliches Wesen notwendig existiert.)

Der Atheist Richard Dawkins hat versucht, diesen Beweis zu widerlegen, aber offensichtlich versteht er nicht den Unterschied zwischen Kontingenz und Notwendigkeit. Eine fliegende Untertasse, ein Einhorn oder ein Spaghettimonster sind keine notwendige, sondern kontigente Wesen. Sie exitieren vielleicht in einer möglichen Welt, aber weil sie nicht die Attribute eines gottähnlichen Wesen, sind sie nicht notwendig und können damit nicht mit Gott verglichen werden.

Der Dreh- und Angelpunkt des ontologischen Beweises ist dies:
Gott muss existieren, weil er notwendig ist. Würde Gott nicht existieren, würden wir auch nicht existieren.

Es ist, was Paulus in Apostelgeschichte 17,28 sagt:

In ihm leben, weben und sind wir;

Ein Gedanke zu “Der ontologische Gottesbeweis

  1. Pingback: Der philosophische Gottesbeweis | jesaja 66:2

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