Christsein und Verfolgung

Alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden.

Mit dieser Unabwendbarkeit warnt Paulus in 2 Timotheus 3,12 seinen Mitarbeiter Timotheus. Paulus sitzt im Gefängnis und weißt, dass ihm nur wenig Zeit übrig bleibt, bevor er hingerichtet wird. Im Kapitel 4 sagt er:

Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen (V.6)

Seine Botschaft ist nicht neu. Sein Leben lang ist er in den Fußstapfen dessen gelaufen, der einmal sagte:

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Matthäus 5, 10

In vielen Orten unserer heutigen Welt ist die Situation der Christen  alarmierend. In Ländern wie Nord Korea oder Erithrea zum Beispiel sterben immer wieder Menschen für ihren Glauben.

Aber wie ist es in freien Ländern wie Deutschland? Selbstverständlich werden kaum Christen ermordert oder inhaftiert, aber ist wirklich keine versteckte Form von Verfolgung vorhanden?

Was soll man unter Verfolgung verstehen?

Wenn die Bibel sagt, dass jeder Christ Vefolgung erleben wird, meint sie, dass derjenige, der seinem Herrn treu sein möchte, irgendwann mit Problemen rechnen muss. Damit sind nicht die Probleme gemeint, die auf  unsere eigene Persönlichkeit zurückzuführen sind, sondern auf unsere offenkundige Verbundenheit zu Jesus Christus. Paulus sagt deshalb: jeder, ein Leben zur Ehre Gottes führen will… Manche Christen werden einfach gehänselt, weil sie eine unangenehme Persönlichkeit haben und meinen jedoch, sie wären „um der Gerechtigkeit willen“ verfolgt.

Die Anfechtungen, die wir als Christen erleiden, können massiv sein, sie können auch leicht und vorübergehend sein. Trotzdem werden sie bei uns viele Fragen aufwerfen: Sind wir jederzeit bereit, gewisse Kosten zu zahlen, wenn es um unser Leben mit Gott geht?

Warum werden echte Christen verfolgt?

Die Jünger Jesu stehen in einem geistlichen Kampf, der bereits mit dem Sündenfall angefangen hat. In 1Mose 3 lesen wir, dass eine Feindschaft zwischen dem Teufel und der Frau sowie zwischen seinem Nachkommen und ihrem Nachkommen besteht. Der versprochene Messias wird dem Teufel den Kopf zertreten und Satan wird ihn in seine Ferse beißen (1 Mose 3,15). Als Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung den Sieg errungen hat, wurde Satan, der Ankläger der Christen, auf die Erde hinabgeworfen (Offenbarung 12,10) und seitdem führt er einen unerbittlichen Kampf gegen die Gemeinde Jesu:

Und als der Drache erkannte, dass er auf die Erde hinabgeworfen worden war, verfolgte er die Frau, die das Kind zur Welt gebracht hatte.
Offenbarung 12,13

Mit „Nachkommen der Schlange“ sind die Menschen gemeint, die unter der Herrschaft des Teufels leben, weil sie die Wahrheit nicht lieben. Jesus sagte einmal zu den Juden, die ihn töten wollten:

Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr tut mit Vorliebe die bösen Dinge, die er tut.
Johannes 8,44 (Neues Leben)

Was wird von uns gefordert?

Es wird nicht von allen Christen gefordert, dass sie mit dem Martyrium rechnen. Viele von uns sind einfach friedliche Menschen, die nicht ständig die Konfrontation suchen und lieber schweigen, wenn sie aufgrund ihrer religiösen Überzeugung verspottet werden. Die meisten sind vielleicht auch nicht in der Lage ihren Glauben in heftigen theologischen Diskussionen zu verteidigen. Ich habe gerade in einem Buch über die Verfolgung der Hugenotten gelesen, welche verfängliche Fragen die katholische Inquisition stellte. Zu einem einfachen Mensch, der behauptete: „Ich verlasse mich lieber auf die Heilige Schrift als auf die Lehre der Kirche“, wurde die Frage gestellt: „Woher weißt du, dass die Bibel das Wort Gottes ist, wenn nicht durch die Kirche?“

Es gibt nichts verwerfliches dabei, Konfrontationen zu meiden. Verlangt wird dennoch, dass ein Christ seine Überzeugungen nicht über Bord wirft, wenn er explizit über seinen Glauben gefragt wird. Die Schrift sagt:

Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist…
1 Petrus 3,15

Dies gilt für alle Christen, nicht nur für Evangelisten und Pastoren.

Wie kann ich Probleme vermeiden?

Um Verfolgung zu vermeiden, ist der einfachste Weg, dass wir uns an unsere Umwelt anpassen und immer wieder Kompromisse machen. Nur die Schrift ist ganz klar. Sie sagt, dass die Feigen keinen Platz im kommenden Reich Gottes finden werden (Offenbarung 21,8).

Zu Timotheus, der sich offensichtlich der Konfrontation mit Irrlehrern in Ephesus scheute, sagt Paulus:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.
2 Timotheus 1,7-8

Können „Christen“ auch Christen verfolgen?

Die Geschichte zeigt, dass Nachfolger Jesu auch von anderen Christen verfolgt werden können, gerade weil die Kirche auch „Wölfe im Schafsmantel“ beherbergt. Ein Beispiel dafür ist der englische Baptistenprediger John Bunyan (1628-1688), der mehr als 12 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte, weil er nicht ordiniert war und seinen Dienst außerhalb der Kirche von England ausüben wollte. Auch heute verfolgen offizielle Kirchen treue Diener Christi.

Gewisse Menschen, die aus Stolz handeln, können auch für andere zu echten Hindernissen werden. Diejenigen, die ihr Christsein konsequent leben wollen, werden oft durch sie gebremst oder sogar ausgeschlossen. In 3Johannes lesen wir was für ein schlechtes Beispiel Diotrephes, einem Leiter der Gemeinde, war:

Diotrephes, der unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht auf. Darum will ich ihn, wenn ich komme, erinnern an seine Werke, die er tut; denn er macht uns schlecht mit bösen Worten und begnügt sich noch nicht damit: Er selbst nimmt die Brüder nicht auf und hindert auch die, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde.

Die versteckte „Frucht“ der Verfolgung

Dass Verfolgung mit ewiger Seligkeit verbunden ist, wird in der Schrift immer wieder betont. Es ist einfach ein eindeutiges Zeichen, dass wir mit Jesu Vorbild im Einklang leben. Jesus hat sich erniedrigt, aber ist letztendlich auch erhöht worden. Petrus schreibt dazu:

… freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch.
1 Petrus 4, 13-14

Im Grunde ist ein Christ ein „kleiner“ Christus, der durch sein tägliches „Sterben“ die transformierende Macht Gottes an seinem Leib erlebt und immer wieder bezeugt:

Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.
2 Korinther 4, 9-10

2 Gedanken zu “Christsein und Verfolgung

  1. Hallo Jean-Louis,

    einen guten Artikel hast Du da geschrieben.

    Meiner Meinung nach finden wir in 2. Timotheus 3,12 jedoch einen Indikativ und nicht einen Imperativ, denn dass eine Verfolgung stattfindet, ist eine Tatsache und nicht nur eine Aufforderung, dass man sich verfolgen lassen solle:

    „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“

    Dass „vermeintliche Christen“ wahre Christen verfolgen, ist leider auch eine Tatsache, denn dies lesen wir sogar in der Bibel in 1. Petrus 5,9:

    “ Dem (Teufel) widersteht standhaft durch den Glauben, da ihr wisst, dass dieselben Leiden sich an eurer Bruderschaft in der Welt vollziehen ! “

    Weitere Bibelverse zur Verfolgung:

    “ Gedenkt des Wortes, das ich euch gesagt habe: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten.“ (Johannes 15,20).

    “ Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun.“ (Johannes 16,2).

    Es ist zutreffend, dass Verfolgung mit ewiger Seligkeit verbunden ist und so als versteckte „Frucht“ der Verfolgung die Gottesfurcht mit sich bringt, denn es ist ein eindeutiges persönliches Zeichen, dass man selber mit Jesu Vorbild im Einklang lebt.

    >>> Im Grunde ist ein Christ ein „kleiner“ Christus, der durch sein tägliches „Sterben“ die transformierende Macht Gottes an seinem Leib erlebt und immer wieder bezeugt<<<

    Gnade und Frieden
    in Jesus

    Oliver

  2. Pingback: Zwei Leiden des Christseins: Verfolgung und Sorgen « Soli Deo Gloria

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