Echtes Fasten

Ab heute beginnt für manche die Fastenzeit. Ich sage bewusst manche, weil Fasten bei Christen nicht mehr sehr aktuell ist. Ich selbst als evangelischer Christ meine, wir sollten keiner Tradition blindlings folgen, aber ich finde trotzdem schade, dass Protestanten und Evangelikale nicht mehr fasten können. Das liegt sicherlich daran, dass der Sinn des Streites, den die Reformatoren gegen die katholische Fastenzeit geführt haben, nicht richtig verstanden wurde. Man wollte damals ausdrücken, dass ein Christ sich keiner menschlichen Tradition unterwerfen soll (siehe dazu Galater 5,1 und Kolosser 2,16). In Jesus erlangt er seine Gerechtigkeit nicht mehr durch Gesetzlichkeit, sondern durch Gnade. Aber warum und wie sollten die Christen heute fasten? Dazu eine Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet?… Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
Jesaja 58, 5-7

Äußerliches Fasten ohne inwendige Realität hat keinen Wert

Zur Zeit Jesajas fasteten die Juden in der Hoffnung, dass Gott sie sehen und dafür belohnen würde. Jesus macht den Pharisäern den Vorwurf, sie fasteten, um von den Menschen gesehen zu werden. Heute fasten sogar manche Christen, um etwas Frommes zu tun und nebenbei auch ein wenig abzunehmen. Im schlimmsten Fall ist für Gott eine solche Einstellung reine Heuchelei und im besten Fall hat sie keinen Wert. Wir sehen in dem Text oben, dass Gott etwas anderes von unserem Fasten erwartet. Er wünscht eine Veränderung, dass wir innerlich umkehren und eine sichtbare Frucht der Gerechtigkeit hervorbringen. Dies ist auch sehr gut erklärt in Joel 2, 13 zum Beispiel:

Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es gereut ihn bald die Strafe.

Buße (und Fasten gehört dazu) soll nicht äußerlich sein, sondern vor allem innerlich.

Was ist in Jesaja 58 gemeint?

In Jesaja 58 stellen wir fest, dass Gott eine andere Definition vom Fasten hat. Für Ihn geht es vor allem darum, Barmherzigkeit den Menschen zu zeigen. Ich denke nicht, dass Gott nur das meint, wenn Er von dem echten Fasten spricht, so dass wir Fasten fallen lassen sollten. Es handelt sich hier eher um einen rhetorischen Satz. „Ihr wollt etwas tun, mir zu gefallen“ behauptet der Herr, „und ihr denkt, ihr erreicht das mit eurem Fasten, dann tut lieber, was mir wirklich Freude macht: übt Gerechtigkeit und Liebe zu den Menschen!“

Dieser Gedanke finden wir auch letztendlich in Matthäus 6, 33:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Fasten heißt: Gottes Willen suchen

Was bedeutet das Fasten? Anhand der Definition von Jesaja 58 heißt es: Gottes Willen suchen und davon leben.

Jesus hat diesen Gedanken in seiner Antwort zum Teufel vollkommen klar ausgedrückt, als Er in der Wüste versucht wurde:

Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Matthäus 4, 4

Als die Jünger ihn darum baten, etwas zu essen, antwortete er:

Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisst… Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.
Johannes 4, 32.34

Fasten heißt genauer gesagt: die normalen Bedürfnisse des Körpers eine Zeit lang außer Acht lassen, um sich auf wichtigere Dinge konzentrieren zu können.

Wir sehen, dass die Ur-Gemeinde bei wichtigen Anlässen gefastet hat. Als es darum ging, Missionare zu schicken, haben die Leiter der Gemeinde in Antiochien gefastet (Apg. 13, 3).

Wir könnte Fasten praktisch aussehen?

Wir könnten an einem Sonntag (sofort nach dem Gottesdienst) an einem schönen und einsamen Ort gehen und dort den ganzen Nachmittag mit Bibel, Liedern und Gebet verbringen. Aber das ist nur ein Vorschlag…

Ein Gedanke zu “Echtes Fasten

  1. Pingback: “Besser ist es, die Zunge zu beherrschen, als zu fasten bei Wasser und Brot.” - Johannes vom Kreuz « +vox+☧+pacis+

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