Muss man Gott fühlen, um zu glauben?

Viele Christen meinen, sie können Gott nicht fühlen und deshalb fällt es ihnen schwer, in ihrem Glaubensleben voran zu kommen. Wenn Gott in ihrem Leben mächtig eingreifen würde, so sagen sie, dann wäre das der ausschlaggebende Punkt für ihren Glauben. Sie könnten sich mit Überzeugung für Ihn einsetzen. Im Grunde suchen sie dabei Beweise für die Existenz Gottes, ohne es zuzugeben.

„Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht“, sagte der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Damit meinte er, Gott lässt sich nicht unserem Verstand unterwerfen. Gott offenbart sich auch nicht gerade, wo und wann wir Ihn brauchen. Sicherlich gibt Er genug Zeichen von seiner Macht und Liebe, aber nicht gerade wie es uns passt. Denn Gott ist souverän, wir können Ihn nicht zwingen. Wenn Er manchmal Gebete beantwortet, die seinem Willen nicht unbedingt entsprechen, ist es nur, weil Er uns gnädig ist.

Es ist nicht, dass wir keine Hinweise von dem Handeln Gottes in der Geschichte hätten (denken wir zum Beispiel an das Leben Jesu), sondern Gott möchte vor allem durch den Glauben erfahren werden und der Glaube erfordert Vertrauen, auch wenn man es nicht sieht. Der Hebräerbrief sagt im Kapitel 11, 1-2:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen.

und weiter im Vers 6:

Aber ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.

Hier sehen wir, dass Gott Menschen benutzen konnte, weil sie Ihm vertraut haben. Heißt es vielleicht, der Glaube sei unvernünftig? Nein, es sei ferne. Der Glaube ruht auf vernünftigen Argumenten (zumindest sollte er): Damals hat Gott klar zu den Propheten gesprochen. Heute glaube ich, weil ich mich auf glaubwürdige biblische Zeugnisse verlasse (Johannes 20, 31) und auch weil Gott meine Gebete erhört (1 Johannes 5, 14). Nur wenn ich glaube, kann ich Gott erfahren, und auch wenn ich lange nichts erfahren würde, hätte ich genug Gründe weiter zu glauben. In dem Text von Hebräer 11 lesen wir, dass bestimmte Menschen wie Abraham fast 25 Jahre auf Gott gewartet haben, bevor sie die Erfüllung  seiner Verheißungen erleben konnten. Glaube muss manchmal mit Zweifel umgehen, aber er lässt sich nicht besiegen.

Neben dem Besuch des Gottesdienstes vergessen wir oft eine wichtige Tätigkeit in unserem Leben: Glaube braucht Kontakt zu Gott in der Stille. Das Lesen des Wortes Gottes und das Gebet sind ein Dialog mit Gott; durch sein Wort kann uns Gott wichtige Hinweise geben. Die Bibel berichtet, wie Gott dem Elia begegnete. Es kam ein Sturm auf, aber Gott war nicht im Sturm. Es geschah ein Erdbeben, aber Gott war nicht im Erdbeben. Es brach ein Feuer aus, aber Gott war nicht im Feuer. Und es kam ein leichter Lufthauch – und Gott war darin (1 König 19, 11). Viele Christen suchen Gott in Mega-Events aber finden ihn nicht; sie engagieren sich in vielen Aktivitäten mit der Hoffnung, Gott werde sich wohl offenbaren. Sie vergessen einfach oft das Wesentliche.

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.   Matthäus 6, 6

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