Beglaubigt die Bibel sich selbst?

Ein häufig verwendetes Argument zur Verteidigung der Autorität der Heiligen Schrift ist, dass sie sich selbst beglaubigt. Man spricht von Selbstauthentifizierung. Die Tatsache, dass die Bibel sich selbst authentifiziert, bedeutet, dass sie keinen äußerlichen Beweis für ihren göttlichen Ursprung benötigt. Sie beweist von sich aus, dass sie das ist, was sie vorgibt zu sein: nämlich das Wort Gottes. Es ist nicht nötig, weitere Beweise als auf den Seiten der Schrift selbst zu suchen.

Wenn wir sagen, dass die Bibel sich selbst beglaubigt, berufen wir uns nicht auf ein zirkuläres Argument. Ein zirkuläres Argument wäre z. B.: Die Bibel ist der Beweis dafür, dass Gott existiert, weil sie selbst behauptet, Gottes Wort zu sein und Autorität zu besitzen. In diesem Fall spricht man von Selbstbestätigung. Es gibt auch noch etwas anderes, das wir nicht behaupten, wenn wir von Selbstbeglaubigung sprechen: Dass die Bibel das Wort Gottes ist, weil man beim Lesen wirklich den Eindruck hat, dass sie göttlichen Ursprungs ist.

Woher stammt der Gedanke einer selbstauthentifizierten Bibel?

Die Analogie zur allgemeinen Offenbarung

Wir können sehen, wie das Konzept der Selbstauthentifizierung funktioniert, wenn wir die allgemeine Offenbarung Gottes durch die Schöpfung betrachten. So wie „die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände.“ (Psalm 19,2), so erzählt auch die Bibel von der Herrlichkeit Gottes und enthüllt sich selbst als Gottes eigenes Werk. Die „Fingerabdrücke“ Gottes sind überall in der Bibel zu sehen. Wir können behaupten, dass die Schöpfung Gottes Werk ist, weil sie seine Schönheit, Größe und Vortrefflichkeit widerspiegelt. Ebenso können wir behaupten, dass die Bibel Gottes Werk ist, weil sie ähnliche Merkmale offenbart.

Die Fähigkeit der Gläubigen, die Stimme Gottes in der Bibel zu erkennen.

Ein weiterer Grund, warum wir die Bibel als selbstauthentifiziert betrachten, ist, dass das Volk Gottes in ihr die Stimme Gottes wahrnimmt. Im Johannesevangelium, Kapitel 10, verwendet Jesus die Analogie der Schafe, die die Stimme ihres Hirten erkennen, wenn er sie ruft: „Meine Schafe hören meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir nach.“ (Johannes 10, 27). Wenn wir seine Schafe sind, können wir sicher sein, dass die Heilige Schrift Gottes Wort sind, weil wir ihn kennen. Wir erkennen seine Stimme, weil wir „vom Vater gelehrt“ sind (Johannes 6, 45). Aus diesem Grund brauchen diejenigen, die von Gottes Geist erleuchtet wurden, keinen Beweis oder eine äußere Autorität, um zu erkennen, dass die Bibel das Wort Gottes ist.

Das Zeugnis der Kirchenväter und der Reformatoren

Jeder, der mit den Schriften der Reformatoren vertraut ist, weiß, dass die Selbstauthentifizierung der Schrift ein zentrales Argument von Autoren wie Johannes Calvin, John Owen und anderen war. Die Idee der Selbstauthentifizierung findet sich auch im Westminster-Bekenntnis, in dem es heißt, „dass die Bibel durch ihre eigenen internen Eigenschaften von selbst beweist, dass sie von Gott stammt“ (1.5).

Wenn wir uns der patristischen Periode zuwenden, sehen wir, dass dieses Konzept ebenfalls von Anfang an vorhanden war. Origenes ist völlig klar darüber, dass die göttlichen Qualitäten der Bücher bei ihrer Beglaubigung eine Rolle spielen: „Wenn jemand über die prophetischen Worte nachdenkt … ist es sicher, dass in der Tatsache selbst, dass er sie liest und fleißig studiert, sein Geist und seine Gefühle von einem göttlichen Hauch berührt werden, und er wird erkennen, dass die Worte, die er liest, nicht Worte von Menschen, sondern von Gott sind“ (De Principiis 4.1.6). Origenes betont außerdem, dass das Evangelium „eine ihm eigene Demonstration“ bietet (Gegen Celsus 2.1).

Hieronymus verteidigt den Philemonbrief mit der Begründung, dass es sich um ein „Dokument handelt, das so viel von der Schönheit des Evangeliums in sich trägt“, was das „Zeichen seiner Inspiration“ ist (Prolog Phlm.). Er beruft sich auch auf die Kraft der Worte der Schrift, wenn er den Judasbrief gegen seine Kritiker verteidigt. Diejenigen, die Judas ablehnen, schreibt er, „verstehen nicht, welche Kraft und Weisheit unter jedem dieser Worte verborgen ist“ (Vorwort, Philm. Komm.).

Clemens von Alexandrien behauptet, dass man die Worte von Menschen von denen der Schrift unterscheiden kann, denn „niemand wird von den Ermahnungen eines der Heiligen so beeindruckt sein wie von den Worten des Herrn selbst“ (Protrepticus 9).

Die Natur des Wissens

Wenn wir behaupten, dass etwas wahr ist, berufen wir uns oft auf eine Autorität, um unsere Behauptungen zu überprüfen. Wir sagen, dass eine Aussage A wahr ist, indem wir uns auf eine Aussage B berufen. Aber was beweist, dass diese Aussage B wahr ist? Nun, sie ist wahr aufgrund von C, und C aufgrund von D. Wir kommen an einen Punkt, an dem wir in der Argumentationskette nicht mehr weitergehen können. Was authentifiziert nun das letzte Element der Kette? Es muss sich selbst authentifizieren. Auf diese Weise wird er zur ultimativen Autorität. Das gilt übrigens auch für die wissenschaftliche Argumentation. Sie geht zum Beispiel davon aus, dass die Sinneswahrnehmung „notwendigerweise“ gültig ist. So wird die Gültigkeit der Sinne zum „Axiom“ und entzieht sich damit den Grenzen des Beweises. Wir nehmen an, dass sie ein selbstauthentifiziertes Argument ist.

Jeder von uns hat eine ultimative Autorität in seiner eigenen Weltanschauung. Für Christen ist es der Gott der Bibel. Für Nichtchristen ist es vielleicht ihre Vernunft oder ihre persönliche Erfahrung. Unabhängig von der Frage, ob Gott existiert oder nicht, weisen viele auf den „Zirkelschluss“ hin, den die Tatsache impliziert, dass Gott sein eigenes Wort als autoritativ autorisiert. Aber auf welche höhere Autorität könnte sich Gott berufen? Auf keine! Wenn er schwört, weil er bei niemand Höherem schwören kann, schwört er bei sich selbst, um sein eigenes Wort zu bestätigen (Hebräer 6,13). Eine höhere Autorität zu fordern, um das Wort Gottes zu autorisieren, ist keine neutrale Forderung. Es ist eine Weigerung, die Autorität des Schöpfers zu akzeptieren. Denn wenn Gott existiert, dann ist er per Definition die höchste Autorität, und damit ist es auch sein Wort.

Wie zeigt die Bibel ihren göttlichen Ursprung?

Zunächst einmal durch ihre Schönheit und Vortrefflichkeit.

Wenn wir von der Schönheit der Schrift sprechen, meinen wir nicht so sehr die Grammatik oder den Stil, sondern die Art und Weise, wie die Bibel von Gott und Christus im Besonderen spricht. Obwohl viele Schriftsteller die Schönheit und Vortrefflichkeit der Bibel gelobt haben, kommt die beste Beurteilung von den inspirierten biblischen Autoren selbst, die uns sagen, was wir von ihr halten sollen. Die Bibel spricht viel über sich selbst, vor allem in den Psalmen, und das längste Kapitel dieses Buches (Psalm 119) ist den Attributen der Bibel selbst gewidmet!

Beachten wir zum Beispiel diese wenigen Aussagen Davids in Psalm 119:

„Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz.“ (18)
„Das Gesetz, das aus deinem Mund kommt, ist besser für mich als Tausende von Gold- und Silberstücken.“ (72)
„Von aller Vollkommenheit habe ich ein Ende gesehen; aber dein Gebot ist unbeschränkt.“ (96)
„Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, mehr als Honig meinem Mund!“ (103)
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ (105)
„Wunderbar sind deine Zeugnisse; darum bewahrt sie meine Seele.“ (129)
„Die Erschließung deiner Worte erleuchtet und gibt den Unverständigen Einsicht.“ (130)
„Dein Wort ist wohlgeläutert, und dein Knecht hat es lieb.“ (140)

Zweitens durch seine Kraft und Wirksamkeit.

So wie Gott ein lebendiger Gott ist, so ist auch sein Wort lebendig und wirksam. Es ist „Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt.“ (Römer 1,16). Es wirkt auf den Menschen ein, überführt ihn der Sünde, bringt ihm Licht, Verständnis, Glauben, Freude, Ermutigung, Weisheit und Leben. Man könnte meinen, dass wir es sind, die die Bibel lesen, aber in Wirklichkeit erforscht sie uns: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“ (Hebräer 4,12). Deshalb sollten wir die Bibel niemals wie ein beliebiges Buch lesen, nur um unsere Neugier zu befriedigen.

Das Lesen des Wortes Gottes ist nicht nur das Lesen menschlicher Worte, sondern das Hören auf Gott selbst. Natürlich lässt Gott das Herz mancher Menschen verhärtet, und wie Samenkörner, die auf steinigen Boden fallen, nützt ihnen das nichts. Aber am Tag des Gerichts werden Gottes eigene Worte der Maßstab des Urteils sein, der gegen diejenigen verwendet wird, die seine Gebote missachtet haben. (Johannes 12,48).

Drittens: Die Attribute der Schrift entsprechen den Attributen und dem Charakter Gottes.

Es gibt zweifellos viele Attribute der Bibel, die Gottes Eigenschaften selbst entsprechen, und einige wurden bereits erwähnt. Eines dieser Attribute ist jedoch insbesondere die Übereinstimmung der Bibel mit sich selbst. Es entspricht der Natur Gottes, dass er sich notwendigerweise nicht selbst widersprechen kann (deshalb kann er nicht lügen), und dieses Attribut trifft auch auf sein Wort zu. Dies ist besonders erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Bibel von ca. 40 verschiedenen Autoren mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Kulturen über einen Zeitraum von etwa 1500 Jahren verfasst wurde. Sie äußern sich oft zu bestimmten Punkten der Lehre und der Geschichte, und doch scheinen sie alle in völliger Übereinstimmung zu sein. Nur Gott konnte eine solch erstaunliche Einheit des Denkens ermöglichen.

Diese Einheit besteht nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Geschichte des Volkes der Bibel. Die Schrift enthält nicht nur einzelne Lehren und Geschichten; sie zeichnet die Geschichte der menschlichen Rasse vom Anfang bis zum Ende nach, wobei in jeder Phase dieser Geschichte ein Gott am Werk ist. Gott verfolgt seinen Plan auf unausweichliche Weise: die Erlösung seines auserwählten Volkes durch das Werk Christi, und zwar von der Schöpfung über den Sündenfall, die Erlösung bis hin zum Abschluss der Geschichte. Auch wenn die biblischen Autoren nicht vollkommen wahrnahmen, was sie ankündigten, malten sie dennoch eine riesige, harmonische Leinwand oder errichteten ein Gebäude, bei dem die Bausteine perfekt ineinander passten.

Auch in der Bibel gibt es ein sich wiederholendes Muster der Symbolik. Sie beginnt mit der Schöpfung und endet mit einer Neuschöpfung. Sie beginnt mit dem Fall des Menschen und endet mit der Erlösung des Menschen. Sie beginnt mit dem verlorenen Paradies und endet mit einem wiedergefundenen Paradies. Sie beginnt mit einer verlorenen Beziehung des Menschen zu Gott und endet mit einer wiedergefundenen Beziehung. Das Alte Testament und das Neue Testament bilden ein Ganzes, keines ist unabhängig vom anderen vollständig.

Argumente gegen die biblische Selbstauthentifizierung

Warum glauben nicht alle Menschen, wenn die Wahrheit der Bibel so offensichtlich ist?

Wenn es wirklich Zeichen in der Schrift gibt, die ihren göttlichen Ursprung und ihre göttliche Autorität belegen, warum glauben dann so wenige, was sie sagt? Warum lehnen viele Theologen, die sie studieren, die Tatsache ab, dass sie von Gott inspiriert ist? Warum verändert nur bei einigen die Wahrheit der Bibel das Herz, während andere nichts für sie empfinden und sie im besten Fall als nicht anders als jedes andere Buch und im schlimmsten Fall als falsch und absurd betrachten? Kann es als Antwort darauf wirklich sein, dass die Eigenschaften, von denen wir gesprochen haben, nur eine Illusion sind? Wenn diese Eigenschaften der Schrift tatsächlich vorhanden sind, wie lassen sich dann die unterschiedlichen Reaktionen und Schlussfolgerungen erklären, die sich daraus ergeben?

Es ist der Geist Gottes selbst, der diesen Unterschied macht. Der Apostel Paulus lehrt im Brief an die Korinther, dass der „natürliche“ Mensch die Dinge Gottes nicht empfangen kann, „denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss“. (1. Korinther 2,14). Aber Gott hat sie den Gläubigen offenbart: „Denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Denn wer von den Menschen kennt die Gedanken des Menschen als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So kennt auch niemand die Gedanken Gottes als nur der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, sodass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich erklären.“ (1 Korinther 2, 10-13).

Nur in dem Maße, wie sie tatsächlich sehen können, was sie sehen sollen, können wir die Position derer akzeptieren, die die Bibel ablehnen. Bibelgegner wenden gerne ein, dass sie einen objektiven Ansatz verfolgen, sodass alles, was sie brauchen, um die Wahrheit der Bibel zu erfassen, lediglich darin besteht, sie auf „wissenschaftliche“ Weise zu lesen. Diese Annahme erweist sich jedoch als falsch. Die Bibel lehrt uns, dass Menschen, die nicht durch den Geist Gottes „erleuchtet“ wurden, trotz aller Intelligenz, über die sie verfügen, geistig blind sind (Johannes 12,40). Nur diejenigen, die vom Geist Gottes erleuchtet wurden, können die geistigen Wahrheiten erfassen. Nur die „Schafe“ Jesu (Johannes 10) erkennen seine Stimme und folgen ihm. Jesus sagte über diejenigen, die nicht glauben: „Ihr glaubt nicht, weil ihr nicht meine Schafe seid.“ (Johannes 10,26). Nur wenn Christus uns durch seinen Geist die Augen öffnet, sehen wir der Realität ins Auge. Und wenn Christus das tut, sind wir seiner Wahrheit gewiss und machen das Wort Gottes zum Gegenstand unseres Glaubens, indem wir uns vor der Autorität Gottes beugen.

Vermeintliche Subjektivität

Man mag einwenden, dass, wenn wir unbedingt die Erleuchtung des Geistes brauchen, um die Bibel zu verstehen, dies zu einer Form des Subjektivismus führt, der auf persönlichen Erfahrungen und Gefühlen beruht.

Aber auch dieser Einwand beruht auf einer falschen Prämisse. Auch wenn einige Christen die Lehre vom inneren Zeugnis des Heiligen Geistes irrtümlich auf die Lehre von der Selbstauthentifizierung oder Selbstbestätigung der Bibel reduziert haben, sagen wir nicht, dass die Autorität und Wahrhaftigkeit der Bibel auf unseren persönlichen Erfahrungen oder Gefühlen beruht. Diese sind lediglich das Mittel, mit dem wir von der Wahrheit überzeugt werden. Im Gegenteil, die „selbstauthentifizierende“ Natur der Bibel beruht auf objektiven Elementen, sicheren Merkmalen, die da sind, ob wir sie nun erkennen oder nicht. Der Heilige Geist erleuchtet uns lediglich, damit wir wahrnehmen, was von Anfang an da war.

Die angebliche Ablehnung von Beweisen und Argumentation.

Es wird auch eingewandt, dass eine solche Wahrnehmung die Verwendung von „Beweisen“ ausschließt, um die Wahrheit der Bibel zu bestätigen oder zu widerlegen. Wir entgegnen, dass dies nicht der Fall ist; es schließt die Verwendung bestimmter Beweismethoden nicht aus, um den Inhalt der Bibel zu „prüfen“. Wir können uns nicht naiv auf die nackten Tatsachen als gemeinsamen Nenner zwischen Gläubigen und Ungläubigen beziehen und nicht erkennen, dass es letztendlich um die Interpretation dieser Tatsachen geht. Bestimmte Ereignisse, wie z.B. die Auferstehung Christi, können nur im Licht der Bibel richtig verstanden werden. Es besteht die Gefahr, dass jeder versucht, die Tatsachen allein im Licht seiner Annahmen und seiner Weltanschauung zu interpretieren. Jeder Versuch einer vermeintlich „neutralen“ Interpretation der Fakten, die einen möglichen göttlichen Ursprung der Bibel ausschließt, wird de facto zu einer Ablehnung der biblischen Autorität führen. Wir können niemals zu vollkommener Erkenntnis gelangen, indem der Autonomie des menschlichen Denkens einen „Thron“ errichten. Wir werden immer dort enden, wo wir angefangen haben. Wenn wir die Autorität Christi, der durch die Heilige Schrift spricht, als Prämisse voraussetzen, werden Sie zu dem Schluss kommen, dass die Bibel die Wahrheit sagt. Wenn wir die Autonomie der Vernunft als Prämisse voraussetzen, werden Sie dort stehen bleiben, wo wir uns befinden. Die Autorität der Schrift kann nicht durch irgendeine externe Quelle begründet werden. Sie kann aber durch sie wohl bestätigt werden.

Angeblicher Zirkelschluss?

Auch hier könnte man einwenden, dass es sich um eine rein „zirkuläre“ Argumentation handelt. Sie ist „zirkulär“ in dem Sinne, dass jede Weltanschauung zirkulär ist. Eine Weltanschauung ist ein System von Annahmen, die ineinander greifen und voneinander abhängen. Das gilt auch für die christliche Weltanschauung. Es ist daher logisch, dass die Argumente für die Wahrheit der Bibel die Existenz eines allmächtigen Gottes voraussetzen, genauso wie die Existenz eines souveränen Gottes die „Absolutheit“ der Bibel voraussetzt. Der Ausgangspunkt, die Methode und die Schlussfolgerung werden miteinander übereinstimmen. Das lässt uns nicht ohne Rechtfertigung für unsere Weltanschauung, sobald wir die Argumentationsmethode verstanden haben. Die Heilige Schrift kann zwar niemals direkt bewiesen werden, denn dazu müsste man sich auf etwas berufen, das über der Bibel steht, was unmöglich ist. Aber sie kann indirekt bestätigt werden – indem man die Unmöglichkeit des Gegenteils aufzeigt. Nicht nur Christen müssen sich in ihrer Argumentation der biblischen Autorität unterwerfen, sondern jeder muss dies tun, weil es ethisch notwendig ist und auch, weil es „epistemologisch“ notwendig ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s