Ein Retter aller Menschen?

Paulus sagt in 1.Timotheus 4, 10:

denn dafür arbeiten wir auch und werden geschmäht, weil wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, der ein Retter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen.

Was meint Paulus, wenn er sagt, dass Gott ein Retter ALLER Menschen ist? Welche Bedeutung hat das Wort „Retter“ in diesem Fall? Lehrt Paulus, dass ALLE Menschen am Ende vom ewigen Tod gerettet werden sollen? Warum fügt er diesen Satz hinzu: besonders der Gläubigen? Wie soll man das Wort „besonders“ verstehen?

Wir werden in diesem Artikel vier Positionen anschauen und am Ende die beste herausstellen:

  • Die Position der Allversöhner.
  • Das Wort Retter bedeutet in diesem Kontext: Helfer.
  • Gott ist der Retter aller, die an Ihn glauben.
  • Es ist der Wille Gottes, dass Menschen gerettet werden, aber nur die Gläubigen werden gerettet.

Die Position der Allversöhner

Allversöhner argumentieren, dass das Zahlwort „ALLE“ alle Menschen ohne Ausnahme einschließt. Zunächst werden diejenigen gerettet, die glauben, aber am Ende werden auch die übrigen Menschen gerettet werden.
Es gibt zwei Gründe, weshalb wir diese Auffassung ablehnen müssen:
1. Die Bibel lehrt an anderen Stellen nicht, dass alle Menschen, auch Ungläubige, letztendlich gerettet werden.
2. In einem solchen Fall wäre der Zusatz „besonders der Gläubigen“ überflüssig oder Paulus hätte hinzugefügt, dass einige „in dieser Zeit“ gerettet werden.

Das Wort Retter bedeutet Helfer

Eine sehr beliebte Erklärung ist, dass das Wort „Retter“ (sōtēr) hier die Bedeutung von „Helfer“ einnimmt. Gott ist in der Tat ein liebender und beschützender Gott, der sich um alle Menschen kümmert. Der Psalm 145 verkündet z.B. im Vers 9:

Der HERR ist gütig gegen alle, und seine Barmherzigkeit waltet über allen seinen Werken.

Man spricht in diesem Sinne von der „allgemeinen“ Gnade Gottes. Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte lesen wir in Matthäus 5, 45.
Diese Erklärung, auch wenn sie im Prinzip möglich ist, entspricht nicht wirklich dem Kontext, denn im Kapitel 4 spricht Paulus in erster Linie von der Errettung der Seelen. Er warnt seine Leser vor dem Abfall (V. 1-5) und spricht von der Hoffnung und der Verheißung des ewigen Lebens (V.8+10). Sicherlich spricht er auch im Vers 8 von einer Verheißung für dieses Leben, aber damit ist Segen gemeint, den die Gottesfürchtigen in diesem Leben genießen.

Gott ist der Retter aller, die glauben

Diese Interpretation setzt voraus, dass das griechische Wort „malista“ (besonders) im Sinne von „das ist zu sagen“ übersetzt wird. Paulus würde sagen, dass Gott der Retter aller Menschen ist, die gläubig geworden sind.
Es ist sicherlich möglich, „malista“ so zu verstehen, aber an anderen Stellen, wo dieses Wort gebraucht wird, ist fast immer eine Untermenge erwähnt.

Es ist der Wille Gottes, dass alle Menschen gerettet werden, aber letztendlich werden nur die Gläubigen gerettet

Diese Interpretation passt am besten, denke ich, weil Paulus an anderen Stellen dieses Briefs sagt, dass es dem Willen Gottes entspricht, dass alle Menschen gerettet werden. Das lesen wir zum Beispiel im Kapitel 2, Vers 4:

(Gott) will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Man spricht in diesem Fall von dem „desiderativen“ Willen Gottes (was er wünscht und uns offenbart) im Gegensatz zu seinem geheimen Ratschluss, wodurch er das ewige Schicksal der Menschen festgelegt hat.

Die Bibel lehrt zum Beispiel, dass Gott kein Gefallen am Tod des Gottlosen hat, sondern daran, dass er umkehre und lebe (Hesekiel 33, 11); und trotzdem lesen wir in 1.Samuel 2, 25, dass die Söhne Elis nicht auf die Stimme ihres Vaters hörten, weil Gott beschlossen hatte, sie zu töten.

Paulus möchte deshalb sagen, dass Gott ein „potentieller“ Retter aller Menschen ist, aber dass dafür eine Bedingung trotzdem notwendig ist: der Glaube an das erlösende Werk seines Sohnes.

Wenn wir das behaupten, schwächen wir auf keinen Fall die Lehre der bedingungslosen Erwählung bzw. die Souveränität Gottes ab. Wir betonen nur, dass die Verheißung des Evangeliums nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt werden darf und eine universale Tragweite hat.

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