Der folgende Text stammt aus „De Genesi contra Manichaeos“ vom Kirchenvater Augustinus. Wie man feststellen wird, ist seine allegorische Auslegung von 1Mose 2,5 ziemlich „umwerfend“:

Kapitel 3 Was das Grüne des Feldes bedeutet (1Mose 2,5)

4. Deshalb wurde der Tag gemacht, an dem Gott Himmel und Erde, und all das noch nicht vorhandene Grüne des Feldes und alle Nahrung auf den Feldern erschuf. Vorher sprach die Schrift von sieben Tagen; jetzt sagt sie, es gibt doch einen Tag, an dem Gott Himmel und Erde und all das Grüne des Feldes und jede Nahrung gemacht hat. Wir verstehen richtig, wenn wir diesen Tag als den ganzen Ablauf der Schöpfung deuten. Denn Gott hat die Zeit sowie die irdischen Geschöpfe erschaffen, und „Himmel und Erde“ umfassen diese sichtbaren Geschöpfe. Das führt uns zu fragen, nachdem der Tag erwähnt wird, an dem Himmel und Erde geschaffen wurden, warum auch etwas über das Grüne des Feldes und die Nahrung gesagt wird. Wenn die Schrift sagt: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, erwähnt sie noch nicht, dass Gott all das Grüne und die Nahrung erschaffen hatte. Wir lesen deutlich, dass Gott das Grüne und die Nahrung auf den Feldern erst am dritten Tag geschaffen hat. Die Worte „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde „ gehören zu keinem dieser sieben Tagen. Bis zu diesem Zeitpunkt nannte die Schrift „Himmel und Erde“ das Material aus dem das Ganze erschaffen wurde oder die ganze Schöpfung ist zumindest unter diesen Worten „Himmel und Erde“ gemeint, wenn die Schrift sagt: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Anschließend erklärt uns die Schrift die Werke Gottes im einzelnen und folgt dabei aufgrund der prophetischen Absicht einer gewissen Ordnung – wie wir es bereits im ersten Buch erklärt haben. Was meint die Schrift, nachdem sie Himmel und Erde erwähnt hat, wenn sie dann das Grüne des Feldes und die Nahrung hinzufügt, und dabei über viele andere Dinge, die im Himmel, auf Erden und auch im Meer sind, schweigt? Sie möchte, dass wir uns darunter die unsichtbare Realität der Seele vorstellen. In der Schrift ist es so, dass das Wort „Feld“ auch sinnbildlich gebraucht wird. Sogar unser Herr im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen sagt: das Feld ist die Welt. Deshalb wird mit dem Grüne die geistliche und unsichtbare Seite des Lebens gemeint. Und auch das Wort Nahrung sollten wir sicherlich auf dieser Weise deuten.
Die dazu gehörenden Worte „ bevor sie auf der Erde waren“ bedeuten: bevor die Seele sündigte. Dadurch dass sie durch irdisches Begehren verunreinigt wurde, ist es richtig zu sagen, dass das Grüne auf der Erde „gesprosst“ hatte oder auf der Erde vorhanden war. Aus diesem Grund fügt die Schrift hinzu: denn Gott hatte noch nicht auf die Erde regnen lassen.

Kapitel 4 – Die Bedeutung von Vers 5: Warum hatte es noch nicht auf der Erde geregnet?

Jetzt schafft Gott auch das Grüne des Feldes, aber so, dass er auf die Erde regnen lässt. Das heißt, durch sein Wort lässt er die Seelen wieder „grün“ werden. Er bewässert sie aus den Wolken, das heißt durch die Schriften der Propheten und Apostel. Diese werden zurecht „Wolken“ genannt, weil diese Worte, die ertönen und vorüber gehen, nachdem sie die Luft geschlagen haben, sind wie „Wolken“, wenn man sie allegorisch deuten muss und deswegen von „Nebel“ umhüllt sind. Wenn sie durchs Studium ausgelegt werden, dann wird sozusagen der Regen der Wahrheit auf diejenigen ausgegossen, die richtig verstehen. Es war aber nicht so, bevor die Seele sündigte, das heißt bevor das Grüne auf der Erde war, weil Gott noch nicht auf die Erde hatte regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, den Erdboden zu bebauen. Der Regen aus den Wolken, den wir bereits erwähnt haben, ist notwendig für die Menschen, die auf der Erde arbeiten. Nach dem Sündenfall begann der Mensch auf der Erde zu arbeiten und gebrauchte die Wolken sehr. Vor dem Sündenfall hatte Gott das Grüne des Feldes sowie alle Nahrung, das heißt die unsichtbare Schöpfung erschaffen. Gott bewässerte sie durch eine innere Quelle, sprach den Verstand an, so dass die Seele keine Worte von außerhalb empfang, d.h. den Regen der vorher erwähnten Wolken. Im Gegenteil war der innere Mensch durch seine eigene Quelle gestillt, das heißt durch die Wahrheit die aus ihm floss.