Wenn es um die Lehre der letzten Dinge geht (Eschatologie), gibt es in der christlichen Kreisen zwei Auslegungstraditionen:

  • „Futuristen“ vertreten die Ansicht, dass die Wiederkunft des Herrn, das Endgericht und die Auferstehung der Toten noch zukünftige Ereignisse sind. Sowohl Prämillenaristen als die meisten Amillenaristen und Postmillenaristen vertreten eine solche Position.
  • Dagegen sind „Präteristen“ der Meinung, dass diese Dinge bereits in der Vergangenheit erfüllt worden sind. Sie haben sich im Jahre 70 erfüllt, als der Tempel von Jerusalem zerstört wurde.

Es ist wichtig, einen Unterschied zwischen Vollpräteristen und Teilpräteristen zu machen. Teilpräteristen sind der Meinung, dass viele Prophetien sich damals erfüllt haben, aber sie betrachten die leibliche Wiederkunft Jesu und die Auferstehung der Toten als noch nicht erfüllt. Ihre Position ist deshalb noch im Rahmen der Orthodoxie. Vollpräteristen sind der Meinung, dass wir keine Wiederkunft des Herrn und keine leibliche Auferstehung erwarten sollten. Sie glauben, dass wenn Christen sterben, ihre Seele in den Himmel kommt. Unsere Erde wird kein baldiges Ende haben. Diese Ansicht ist zutiefst unbiblisch.

Die Behauptungen der Präteristen können den unkundigen Leser überraschen, sie beruhen jedoch nicht auf einer willkürlichen Exegese. Präteristen stützen sich auf Stellen der Schrift, insbesondere der Ölbergrede, die zunächst sehr plausibel erscheinen können. Ihre Hauptargumente sind Aussagen Jesu wie:

Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.
Matthäus 16,28

Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.
Matthäus 24,34

Paulus sagt auch, wenn an die Geschichte des Volkes Israel in der Wüste denkt:

Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist.
1Korinther 10,11

Die Folgerungen dieser Auslegung sind:

  • Die Wiederkunft Jesu hat im Jahre 70 stattgefunden. Sie war aber verborgen.
  • Das Endgericht betraf in erster Linie das jüdische Volk, das seinen Messias verworfen hat.
  • Die Auferstehung der Toten war keine leibliche, sondern eine geistliche Auferstehung. Die Seelen der gläubigen Verstorbenen sind direkt vom Totenreich in den Himmel gewandert.
  • Christen leben heute in einem neuen Zeitalter, im ewigen Reich Gottes.

Wichtige theologische Prämissen

Die Auferstehung in der Bibel

Wenn die Bibel von Auferstehung spricht, meint sie nicht immer die Auferstehung des Leibes, sondern auch die geistliche Auferstehung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Wiederbelebung der Totengebeine in Hesekiel 37. Dort ist nicht die Rede von einer leiblichen Auferstehung, sondern von einer geistlichen Erweckung des Volkes Israel.

Ein anderes Kapitel, wo beide Auferstehungen in Frage kommen, ist Johannes 5. Im Vers 24 meint Jesus eine geistliche Auferstehung: wer an ihm glaubt „ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“. In den Versen 28-29 fasst er eine leibliche Auferstehung ins Auge: „es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts“.

In Epheser 2,5-6 zeigt Paulus, dass die leibliche Auferstehung Jesu die Voraussetzung für unsere geistliche Auferweckung ist: „auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus“. Ähnliche Stellen finden wir auch in Kolosser 2,13 oder 3,1.

Paulus sieht ebenso die Möglichkeit einer geistlichen Auferstehung für das Volk Israel in Römer 11,15. Sie wäre dann die endgültige Erfüllung der Prophetie von Hesekiel.

Nichtsdestotrotz lehrt bereits das Alte Testament, dass es auch mit Sicherheit eine leibliche Auferstehung der Toten gibt. Hiob sagt z.B. in Hiob 19,25-27:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Wir finden in dieser Stelle zu viele Andeutungen auf den Leib, um denken zu können, dass Hiob nur eine geistliche Auferstehung im Sinne hätte. Er hofft, Gott mit einem geheilten Leib und eigenen Augen zu sehen.

Wir finden in Daniel 12, 1-2 ein ähnliches Bild:

Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.

Wenn Jesus nach Betanien kommt, um seinen Freund Lazarus zu erwecken (Johannes 11), sagt er zu Martha: Dein Bruder wir auferstehen (V.23). Martha antwortet: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage (V.24). Beide, Jesus und Maria denken hier an eine leibliche Auferstehung.

Paulus befasst sich auch ausführlich mit dem Thema im 1. Korintherbrief. Im Kapitel 15 erwähnt er die letzte Auferstehung. Er beschreibt den Prozess einer Auferstehung des Leibes sehr deutlich. Präteristen sind jedoch der Meinung, dass Paulus nur eine geistliche Auferstehung beschreiben würde. Sie stützen sich auf Vers 44: Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Dies ist aber zu kurz gegriffen, denn Paulus erläutert im Vers 49, was er damit meint: Wir werden einen Leib bekommen, der Christi Leib nach seiner Auferstehung ähnlich sein wird. War Jesus nach seiner Auferstehung nur ein Geist? Nein! Christus selbst widerspricht diesen Gedanken, wenn er seinen Jüngern erscheint:

Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.
Lukas 24,39

Philipper 3:20-21 zeigt auch deutlich, dass Paulus hoffte, bei der Wiederkunft des Herrn einen solchen verherrlichten Leib zu bekommen:

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.

Offenbarung 20,4-6 stellt ein unlösbares Problem für Präteristen dar. Präteristen müssen gestehen, dass das tausendjähriges Jahr vor dem Jahr 70 stattgefunden hat, denn das Weltgericht, das in den Versen 11 bis 15 beschrieben wird, nach dieser Zeit kommt. In diesem Kapitel ist aber die Rede von zwei Auferstehungen: eine Auferstehung der Seelen im V. 4 (d.h. am Anfang des tausendjährigen Reichs) und eine leibliche Auferstehung im V. 13 (am Ende dieses Reichs).

Neuer Bund und Zentralität von Golgatha

Für die Präteristen nimmt das Jahr 70 eine zentrale Bedeutung ein, denn alle Prophetien müssen sich bis dahin erfüllen. Die Zerstörung des Tempels von Jerusalem markiert das Ende des alten Bundes. Ihre Ansicht ist sehr fraglich. Wir glauben, im Gegensatz dazu, dass der echte Dreh- und Angelpunkt der Geschichte das Kreuz von Golgatha ist.

Präteristen verstehen z.B. die 70 Jahrwochen von Daniel wörtlich. Das heißt, dass jede Jahrwoche 7 Jahre dauert, auch die letzte. Wie können sich die Ereignisse, die Daniel im Kapitel 9 seines Buchs beschreibt (V. 24-27), innerhalb von 7 Jahren erfüllt haben? Zwar sind Präteristen der Meinung, dass Golgatha in dieser Prophetie erwähnt wird, aber für sie ist wird ewige Gerechtigkeit erst gebracht, wenn der alte Tempel zerstört ist. Wir sind dagegen der Ansicht, dass die Zerstörung des Tempels eine unbedeutende Rolle in dieser Prophetie hat. Das, was in Daniel 9 prophezeit wird, hat sich vorrangig am Kreuz erfüllt:

1.  „dem Frevel wird ein Ende gemacht“: es wurde am Kreuz erfüllt (Matth. 21,33-45; Matth. 23,32.35.36.38; Luk. 11,47-51; 1 Thess. 2,14-16)

2. „die Sünde wird abgetan“: es wurde auch am Kreuz erfüllt (Joh. 1,29; Matth. 1,21; Apg. 10,43; Hebr. 9,12-14.26; 10,9-14)

3. „die Schuld wird gesühnt“: auch am Kreuz erfüllt (Röm. 5,8-11; 2. Kor. 5,17-21; Hebr. 2,17; Kol 1,12-21)

4. „ewige Gerechtigkeit wird gebracht“: ebenso am Kreuz erfüllt (Röm. 3,21-26; 4,13; 5,17.18; 9,30.31; 14,17 (Jes. 51,8) ; Hebr. 9,12; 2. Thess 2,16; 1. Kor. 1,30; 2. Kor. 9,9)

5. „Gesicht und Weissagung werden erfüllt“: auch am Kreuz erfüllt (Matth. 13,14.15 (siehe auch Jes. 6,9.10); 17,5; Joh. 1,1; 12,39-41; Apg. 7,37; 28,25-27; Röm. 1,1-2, 3,21; 16,25-26; Eph. 2,11-17; 3,3-6; Kol. 1,26; Hebr. 1,1-2; 1. Petr. 1,9-11; 2. Petr. 1,19-21)
– „Blindheit“(Jes. 8,16; 29,11; Dan. 8,26; 12,4; Matth. 13,3-23; 22,29; Luk. 24,44-47; Joh. 12,37-41; Apg. 3,17; 13,27; 28,23-29; Röm. 9,32-33; 11,7-10.,25; 1. Kor. 1,22-23; 2,6-8; 2. Kor. 3,14; 1. Petr 2,7-8; Offb. 10,4; 22,10)

6. „Allerheiligste wird gesalbt“: erfüllt sich auch am Golgotha. Die Rede ist nicht von einem sichtbaren Tempel (Matth. 3,15-17; Luk. 4,18; Joh. 1,32; Apg. 2,32.33.38.39; 4,26.27; 7,48-49; 10,37.38.44.45; Hebr. 9,22-24)

Wie wir hier sehen, ist die Zerstörung des Tempels nicht das entscheidende Moment der Prophetie, sondern eher Golgatha.

Altes und Neue Zeitalter

Dadurch dass für sie Jesus schon wiedergekommen ist, sind Präteristen der Ansicht, dass wir uns bereits im zukünftigen Zeitalter befinden. Schauen wir deshalb, was Jesus im Bezug auf dieses kommende Zeitalter lehrt.

Als seine Jünger ihn fragen, das Gleichnis des Unkrauts zu deuten, antwortet Jesus in Matthäus 13 mit folgenden Worten:

37 … Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. 38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. 40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!

Jesus vergleicht die Welt (griech: kosmos) mit einem Acker. Wenn er aber von dem Ende dieser Welt spricht, verwendet er ein anderes Wort: das Wort aiṓn. Die Bedeutung dieses Wort ist Zeitalter (Äon). Genauso im Vers 40: so wird es auch am Ende der Welt gehen. In anderen Worten: es geht hier nicht um das Ende der materiellen Welt (des kosmos also), sondern um das Ende des Zeitalters, in dem sich die Zuhörer Jesu noch befinden.

Das Problem mit dieser Interpretation des Wortes aiṓn ist, dass man andere wichtige Aussagen der Schrift außer Acht lässt. Beachten wir zunächst, dass Jesus nur von zwei Zeitaltern spricht. Es gibt diese Zeit und die Zeit, die kommen wird. Wann beginnt aber diese Zeit? Beginnt sie sofort nach dem Jahr 70, oder erst bei der Auferstehung der Toten, am Ende der Geschichte? Schauen wir diesbezüglich, was Jesus in Markus 10 lehrt:

Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit (kairos) Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen – und in der zukünftigen Welt (aiṓn) das ewige Leben.  Markus 10,29-30

Jesus meint, dass wir leibliche Verwandte in dieser Zeit um des Evangeliums willen verlieren können, aber dennoch Brüder und Schwestern im Glauben (ein Bild für die Gemeinde) als Ersatz bekommen werden. In der zukünftigen Welt werden wir noch dazu das ewige Leben empfangen. Die Exegese der Präteristen hört sich hier und in der Parallelstelle von Lukas 18,30 sehr gezwungen an, denn was Jesus hier sagt, ist, dass die geistliche Gemeinschaft prinzipiell dieser Zeit nützt, nicht der zukünftigen. Wenn diese Zeit im Jahr 70 aufhört, was sollen wir von der Art der Gemeinschaft denken, die wir heute in der Gemeinde haben.

Dies gilt auch für andere Arten von Gemeinschaft, die der zukünftigen Zeit gehören. Als er z.B. von der Sadduzäern nach der Auferstehung gefragt wird, in Lukas 20, antwortet Jesus:

34 … Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten; 35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen. 36 Denn sie können hinfort auch nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind.

Die Sadduzäer hielten eine leibliche Auferstehung für nicht möglich, weil sie ihren menschlichen Vorstellungen widersprach. Jesus macht deutlich, dass in der zukünftigen Welt, unsere jetzige Denkweise unangebracht sein wird, denn wir werden den Engeln gleich sein. Paulus argumentiert übrigens nach dem gleichen Prinzip in 1Korinther 15, 35-49.

Die Präteristen sind inkonsequent, denn sie heiraten immer noch. Die meisten von ihnen evangelisieren auch.

Wenn Jesus sagt: Handelt, bis ich wiederkomme!  (Lukas 19,13) oder wenn er in Matth. 28 den Missionsbefehl erteilt und hinzufügt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, dann macht er damit deutlich, dass Evangelisation im zukünftigen Alter überflüssig sein wird.

Der Tag des Herrn

Für die Präteristen ist der eschatologische Tag des Herrn ein Ereignis, das das Ende des Alten Bundes bezeichnet. Dieser Tag wird mit markanten Bildern beschrieben:

Denn siehe, des HERRN Tag kommt grausam, zornig, grimmig, die Erde zu verwüsten und die Sünder von ihr zu vertilgen. Denn die Sterne am Himmel und sein Orion scheinen nicht hell, die Sonne geht finster auf, und der Mond gibt keinen Schein.  Jesaja 13,9-10

Zu der Zeit wird der HERR das Heer der Höhe heimsuchen in der Höhe und die Könige der Erde auf der Erde,  dass sie gesammelt werden als Gefangene im Gefängnis und verschlossen werden im Kerker und nach langer Zeit heimgesucht werden. Und der Mond wird schamrot werden und die Sonne sich schämen, wenn der HERR Zebaoth König sein wird auf dem Berg Zion und zu Jerusalem und vor seinen Ältesten in Herrlichkeit.  Jesaja 24,21-23

Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, … Und ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. Und es soll geschehen: Wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein, wie der HERR verheißen hat, und bei den Entronnenen, die der HERR berufen wird. Joel 3,1-5

Jesus benutzt die gleichen Symbolen, wenn er von seiner Wiederkunft spricht:

Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Matthäus 24,29

Wir sind nicht der Meinung, dass der Tag des Herrn sich ausschließlich auf das Ende des alten Bundes bezieht. Dieser Tag wird in 2 Petrus 3 als ein Ereignis von universellem Ausmaß beschrieben. Es soll eine chemische Veränderung der Elemente stattfinden:

Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.

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Auslegung von der Ölbergrede Jesu

Bei der Betrachtung der Ölbergrede Jesu in Matthäus 24, Lukas 21 und Markus 13 wollen wir folgende Fragen beantworten:

  • Welche Vorstellung hatten die Jünger, als sie Jesus über die Endzeit fragten?
  • Was bezweckte Jesus bei seiner Antwort? Stimmte er ihnen zu oder wollte er ihre Ansichten richtig stellen?
  • Was meint Jesus in Matthäus 24,34 mit „dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht“?

Die Vorstellung der Jünger

Für die Jünger war der Tempel eine dauerhafte Realität, da er Gottes Gegenwart symbolisierte. Es war für sie unvorstellbar, dass ein solches Gebäude zerstört werden konnte. Deshalb konnte der Tempel nur ein Ende haben, wenn Jesus wiederkommen und sein messianisches Reich beginnen würde. Beide Ereignisse sind in ihren Gedanken unzertrennlich:

Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? Mt 24,3

Jesu Antwort

Meiner Meinung nach möchte Jesus schon auf die erste Frage der Jünger bezüglich des Tempels eingehen, aber er will ihnen auch sagen, dass seine Wiederkunft nicht notwendigerweise gleichzeitig erfolgen wird. Es könnte sich noch verzögern, denn die Evangelisation der Welt (nicht nur der damals bekannten Welt!) wird nicht in wenigen Jahren abgeschlossen sein.

Die Jünger müssen auch verstehen, dass der Tempel nicht mehr das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes ist, denn ab Pfingsten wird der Heilige Geist in den Herzen wohnen.  Christus möchte aber auch seinen Nachfolgern genug Beweise liefern, damit sie ihre Hoffnung nicht verlieren, wenn sie sehen, dass die Wiederkunft ihres Herrn sich verzögert.

Problem dieser Ansicht

Das Problem unserer Ansicht ist jedoch, dass die meisten Ereignisse, die Jesus ankündigt, sich tatsächlich erfüllt haben. Ein zweites Problem ist auch der Satz: „Dieses Geschlecht wird nicht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht“.

Einige Ausleger, auch die Teilpräteristen, versuchen diese Schwierigkeit zu vermeiden, indem sie argumentieren, dass ab Vers 35 Christus nicht mehr das Gericht über Jerusalem ins Auge fasst, sondern seine Wiederkunft am Ende der Zeiten. Ihr Hauptargument ist, dass Jesus betont: von der Stunde weiß niemand (V.35). Eine solche Aussage steht im krassen Widerspruch zu den zahlreichen Details, die uns gegeben sind, wenn es um das Gericht von Jerusalem geht.

Aus unserer Sicht ist das Problem dieser Interpretation, dass sie einen Einschnitt in Jesu Rede vorsieht, obwohl alles in dem Text für eine gewisse Kontinuität spricht.

Wie lässt sich dann das Problem lösen?

Viele Ausleger (darunter Johannes Calvin oder Herman Ridderbos) waren der Ansicht, dass Jesus die Ereignisse vor seiner Wiederkunft als ein Kontinuum sieht. In anderen Worten weist seine Rede auf Geschehnisse kurz vor und während der Zerstörung des Tempels hin, aber auch auf die weitere Geschichte bis zu seiner Parusie. Wenn Jesus im V. 34 sagt: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht, meint er tatsächlich die Menschen seiner Zeit (Anfang der Erfüllung) aber er schließt nicht aus, dass die ganze Prophetie sich noch über die Existenz der damalige Generation hinaus erfüllen soll.  Mit dem Ausdruck „Dies Alles“ meint Christus eine ununterbrochene Periode, von der damaligen Zeit bis zur finalen Parusie.

Was Jesus auch erklären möchte, ist, dass die Ereignisse vor seiner Parusie möglicherweise die vom Jahr 70 ähneln werden. Alles, was im Jahr 70 geschehen ist, könnte sich dann wiederholen. Der Fall Jerusalems im Jahr 70 wäre ein genaues Urbild von der Zeit der Wiederkunft am Ende der Zeit.

Dieser Gedanke wird von der Geschichte bestätigt. Daniel meinte in seiner Prophetie mit dem Gräuerbild der Verwüstung nicht nur die Schändung des Tempels im Jhare 70 durch Titus, sondern auch die durch Antiochus Epiphanes.

Dieses Geschlecht…

Das griechische Wort, das die Lutherbibel mit Geschlecht übersetzt, ist das Wort genea. Präteristen meinen, dass dieses Wort sich auf die zur Zeit Jesu noch lebende Generation bezieht. Viele Futuristen vertreten dagegen die Ansicht, dass es eine zukünftige Generation betrifft oder auch dass das ganze jüdische Volk gemeint ist, wenn Jesus von Geschlecht spricht.

Der Kontext macht klar, dass Jesus seine Zeitgenossen meinte. In Lukas 23,28-30 sagt er zu den Frauen Jerusalems:

Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns!

Auch in Matthäus 23,34-36 macht Jesus seine Zeitgenosse für den Tod der Propheten verantwortlich:

Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen.

Beachten wir jedoch, dass der Begriff Generation eventuell eine andere Konnotation haben kann: Jesus macht auch die Schriftgelehrten und Pharisäer seiner Zeit für den Mord an Secharja, der 700 Jahre vorher stattgefunden hat. Er sagt: Ihr habt ihn auch mit-getötet. Mit Geschlecht ist hier das böse Geschlecht gemeint, das sich Gott im Laufe der Geschichte ständig widersetzt.

Jetzt gibt es etwas interessantes im Bezug auf den Ausdruck „dieses Geschlecht“, das wir nicht ignorieren wollen, und wo wiederum Leute aus unterschiedlichen Zeitepochen aufeinander treffen. Jesus sagt in Matthäus 12:

Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; Matthäus 12,41-42

Wie erklären Präteristen, wie sich hier die Prophetie erfüllen soll? Wenn wir an einem Gericht denken, haben wir im Kopf die Bilder einer Gerichtsverhandlung. Ist so etwas im Jahre 70 passiert?

Die Zeit ist nah und der Herr kommt bald.

Es gibt aber eine weitere Schwierigkeit, die wir nicht ignorieren sollten. Sie betrifft den  Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu. Wenn es um seine Wiederkunft geht, gibt Jesus keine genaue Zeitangabe, aber kündigt trotzdem ein Ereignis an, das nahe steht.

Er sagt in Matthäus 24,36:

Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

In der Offenbarung lesen wir 4mal folgende Worte Jesu: Ich komme bald. Wir finden sie im Kap. 2, V.16, im Kap. 3, V.11, im Kap. 22, V.7, V.12 und V.20.

Welche Relevanz haben diese Worte, wenn die Wiederkunft jesu nicht bald geschehen soll und sich noch mehrere tausend Jahre hinziehen soll?

Interessanterweise finden wir zahlreiche Stellen in der Bibel, wo ein bevorstehendes Gericht angekündigt wird, jedoch nicht sofort ausgeübt wird. Betrachten wir z.B. das erste Kapitel vom Buch des Propheten Zefanja

Ich will meine Hand ausstrecken gegen Juda und gegen alle, die in Jerusalem wohnen (V.4)

Wann erfüllt sich diese Prophetie? Wenige Jahre später, mit der Zerstörung von Jerusalem durch die Babylonier, könnte man sagen! Ja, aber sie wird auch eine spätere Erfüllung haben, im Jahre 70 nach Christus.

Petrus behandelt das Thema in seinem 2. Brief, im Kapitel 3. Der Brief wurde wahrscheinlich kurz vor seinem Tod im Jahre 65-66 verfasst. Petrus erwähnt, dass Leute noch kommen werden, welche die Wiederkunft des Herrn in Frage stellen, weil sie sich verzögert:

Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.

Interessant ist aber die Antwort des Petrus:

Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass „ein“ Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.

Petrus hat nicht vergessen, was Jesus gesagt hat, aber ihm wurde geoffenbart, dass die Zeitrechnung bei Gott anders ist als bei den Menschen.

Die Thessalonicherbriefe

Die Fragen, die uns in diesem Kapitel beschäftigen werden, sind die:

  • Was meint Paulus, wenn er sagt, dass die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen werden?
  • Was meint er, wenn er sagt, dass diejenigen, die leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen?
  • Meinte Paulus, wenn er an die Wiederkunft Jesu dachte, etwas, was er noch erleben würde?

Die Bibel sagt zunächst, dass die Christen, die in Jesus sterben, sofort beim Herrn sind (siehe Lk. 23:43; Phil. 1:21-23; 2 Kor. 5, 6-8; Off. 6:9-11; 20:4). Wenn, wie die Präteristen meinen, die Auferstehung, die Paulus hier meint, nur eine Versetzung der Seelen vom Hades ins Paradies ist, würde das die Tatsache widerlegen, dass die Verstorbenen vor 70 AD sofort ins Paradies gegangen sind.

Wann hat Johannes die Offenbarung geschrieben?

Präteristen sind der Auffassung, dass das Buch der Offenbarung Ereignisse schildert, die rund um das Jahr 70 stattgefunden haben. Gegen die gängige Meinung, dass die Offenbarung erst relativ spät entstanden ist (gegen das Ende des Jahrhunderts), sind Präteristen der Auffassung, dass Johannes die Offenbarung vor dem Jahr 70 geschrieben hat.

Sie liefern eine genaue Interpretation der Ereignisse, die in diesem Buch geschildert sind und stützen sich auf die Aussage von Johannes am Anfang des Buches:

Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll;

Wir können leider nicht eine vollständige Exegese dieses Buch machen, aber wir werden zeigen, was gegen den Gedanken spricht, dass das Buch früh entstanden ist.

Historische Indizien

Dass Irenäus von Lyon die Meinung vertritt, dass das Buch unter Domitian geschrieben wurden, halten wir für einen interessanten Hinweis, aber nicht für entscheidend. Irenäus machte auch ungenaue Zeitangaben.

Interessant ist aber, was Johannes im Kapitel 1, Vers 9 sagt:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.

Johannes sagt zwei Dinge, die uns interessant erscheinen:

  1. Er macht deutlich, dass Christen bereits leiden
  2. Er erwähnt, dass er auf die Insel Patmos verbannt worden ist.

Die beiden Zeugen vom Kapitel 11

Hier fehlt was.

Schlusswort

Wären die  Ansichten der Präteristen biblisch sind, warum sind sie von der Kirche der ersten Jahrhunderte nicht vertreten worden? Es gibt zahlreiche Zeugnisse der Kirchenväter, die belegen, dass sie an eine zukünftige Wiederkunft des Herrn und an eine leibliche Auferstehung glaubten.