Warum lassen sich Menschen tätowieren oder Körperteile „piercen“? Eine einfache Antwort wäre: weil sie schön aussehen wollen. Man sollte aber weiter denken: ist es der wahre Grund dafür? Viele Psychologen sind der Meinung, dass Tattoos oder Piercings einem tieferen Drang entsprechen. Der Mensch möchte dadurch seine Persönlichkeit behaupten. Junge Leute wollen ein individuelles Bild von sich schaffen.

Viele Christen machen mit, weil sie ähnliche Wünsche haben. Auch sie spüren das Bedürfnis, ihre eigene Persönlichkeit zu entwicklen. Ich möchte hier folgende Frage stellen: darf ein Christ bei dieser Mode mitmachen?

Die alttestamentliche Verbote hatten religiöse Gründe

Man hört oft in „frommen“ Kreisen folgende Antwort: das Alte Testament verbietet so etwas. Ich muss gestehen, dass die Aussagen des mosaischen Gesetzes ziemlich zutreffend sind:

Ihr sollt euer Haar am Haupt nicht rundherum abschneiden noch euren Bart stutzen. Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe keine Einschnitte machen noch euch Zeichen einätzen; ich bin der HERR.
3 Mose 19, 27-28

Wir sehen zunächst, dass dieses Phänomen nicht neu ist. Es gab bereits vor 3500 Jahren Menschen, die sich tätowieren ließen, die eine außergewöhnliche Kopfrasur hatten, die sich sogar intime Körperteile „piercen“ ließen. Warum taten sie das? Für ungefähr die gleichen Gründe wie heute. Anscheinend wollten sie zeigen, dass sie besondere Individuen waren. Ihre Motive waren aber eher religiös. Sie sahen ihre Einzigartigkeit darin, dass sie einer Gottheit gewidmet waren. Das unterscheidete sie vom gemeinen Pöbel.

Gott möchte deshalb durch sein Gesetz sagen: Israeliten, weil ihr zu mir gehört, seid ihr bereits ein besonderes Volk, imitiert die anderen Völker nicht!

Christus möchte unsere Persönlichkeit verändern

Die Lehre des Neuen Testaments besteht nicht prinzipiell aus Geboten und Verboten. Sie beinhaltet viel mehr. Christen sind Menschen, in denen der Geist Gottes wohnt.

Die erste Frage, die sich ein Christ stellen sollte, der sich tätowieren oder piercen lassen möchte, ist folgende: Gefällt es meinem Herrn, wenn ich mich so darstellen möchte? Das gilt auch für das Intimleben.

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.
1 Korinther 6, 19-20

Einen zweiten wichtigen Punkt möchte ich anhand folgender Fragen erwähnen: Was unterscheidet letztendlich Christen von Nicht-Christen? Ist meine tiefe Überzeugung etwas, was ich nur mit „äußeren Symbolen“ bekunden kann, auch mit „frommen“ Symbolen? Oder ist es etwas, was meine ganze Persönlichkeit ausmacht, was an meinen Worten und an meinem Verhalten erkennbar ist?

Als ich mich damals entschied, Jesus nachzufolgen (ich war noch jung), fand ich absolut notwendig, Aufkleber wie „Jesus ist Herr“ zu verwenden. Ich möchte niemand entmutigen, einen Aufkleber auf sein Auto anzubringen. Ich will nur fragen: Sagen Symbole, was wir wirklich sind, wie wichtig Jesus Christus für uns ist oder ist eher unser Lebensstil maßgebend?

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2 Korinther 5, 17