Die Bedeutung des Abendmahls

Je nachdem zu welcher Konfession man gehört, nimmt das Mahl des Herrn eine besondere Bedeutung ein. In bestimmten Gemeinden wird es wöchentlich gefeiert, in anderen vielleicht nur mehrere Male im Jahr.

Aber wer kann noch sagen, was das Abendmahl wirklich bedeutet? Vereinfacht dargestellt,  werden 4 Positionen vertreten: die katholische; die lutherische; zwei reformierten (Zwingli und Calvin).

Im Katholizismus hat das Abendmahl eine zentrale Bedeutung. Während dem Gottesdienst wird das Opfer Christi wiederholt: Brot und Wein werden in den Leib und in das Blut Jesu verwandelt. Diese Verwandlung der Substanzen nennen die Katholiken Transsubstantiation. Weiterlesen „Die Bedeutung des Abendmahls“

Gläubigentaufe und Kindertaufe

Der Begriff „Gläubigentaufe“ bezeichnet eine Taufe, die an mündigen Taufbewerbern vollzogen wird. Dieser Begriff ist passender als „Erwachsenentaufe“, weil in der Praxis auch minderjährige Kinder getauft werden. Diese Taufe wird in vielen Freikirchen praktiziert: Baptisten, offene Brüdergemeinden, Pfingstgemeinden… Vertreter der Gläubigentaufe betrachten die Taufe als ein Zeugnis und einmaliges Festmachen der eigenen Glaubensentscheidung vor der Gemeinde. Nach ihrem Standpunkt erfüllt eine Kindertaufe diese Voraussetzungen nicht, weil Säuglinge nicht glauben können. Dies war auch lange meine eigene Position; ich musste sie leider irgendwann revidieren!

Mit der Kindertaufe (wie sie in der reformierten Theologie verstanden wird) wird eine Taufe gemeint, die an Säuglingen von mindestens einem christlichen Elternteil vollzogen wird. Man spricht auch manchmal von Haustaufe, weil man damit ausdrücken will, dass die Taufe ein äußerliches Zeichen für den Bund ist, den Gott mit den Gläubigen schließt, in dem er auch der Gott ihrer Nachkommen sein will. Im Gegensatz zu den Katholiken glauben die Reformierten nicht, dass die Taufe alleine den Täufling rettet! Wiedergeboren wird man nur durch den Glauben! Weiterlesen „Gläubigentaufe und Kindertaufe“

Religion zum Anfassen!

Vor einiger Zeit habe ich eine interessante Kritik von David Wells gelesen: es heißt Natural Vs. Supernatural Religion. In diesem Artikel bezeichnet Wells die modernen Spiritualitätsformen, die sich zur Zeit in der Aufkommenden Gemeinde („Emerging Church“) oder sogar in den Gemeinden für Kirchenfernen entwickeln, als natürliche Religion. Auf der anderen Seite gibt es das, was er übernatürliche Religion nennt; darunter versteht er den rechtmäßigen Gottesdienst, so wie er bisher nach dem biblischen Vorbild (Apostelgeschichte 2, 42) gefeiert wurde.

Nach seiner Auffassung sind die Merkmale der natürlichen Religion folgende:

  • der Zugang zu Gott ist selbstverständlich; wir brauchen keine besondere Vorbereitung dazu. Wenn ich mich entscheide, einen Spaziergang im Wald zu machen, habe ich einen unmittelbaren Zugang zu der Natur und kann sie nach Lust und Laune genießen. Wenn ich einen Gottesdienst für Kirchenfernen besuche, kann ich mich gemütlich hinsetzen und mich auf das Angebot einstellen. Ich entwickle damit auch eine Verbrauchermentalität, urteile über die Qualität der Veranstaltung, evaluiere und kritisiere die Darsteller. Weiterlesen „Religion zum Anfassen!“

Die Regeln des Gebets nach Johannes Calvin

Psalm 147, 11 verkündet:

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

Wie sehr wir Gott fürchten, zeigt sich im Gebet. Wie wir mit Gott reden beweist, wie hoch wir ihn schätzen.

Im dritten Buch seines Hauptwerks Unterricht in der christlichen Religion (Kapitel 20) spricht Johannes Calvin über das Gebet. Er erwähnt vier Regeln, die unser Gebet leiten sollten. Ich möchte diese Gedanken des Genfer Reformators einfach so wiedergeben, obwohl uns der damalige Stil ein wenig fremd erscheinen mag. Beachten wir, wie sehr sich diese Auffassung von vielen heutigen Meinungen unterscheidet, die oft das Gespräch mit Gott auf eine Art Kumpelgespräch reduzieren. Weiterlesen „Die Regeln des Gebets nach Johannes Calvin“

Ist Jesus stellvertretend für uns gestorben?

Bei modernen Theologen findet die Lehre, dass Jesus für unsere Sünden stellvertretend am Kreuz gestorben ist, kaum noch Anerkennung. Wie könnte ein liebender Gott zulassen, dass sein Sohn auf eine solch grausame Art umgebracht wird? Und wenn es so wäre, wie könnte das Opfer eines einzigen Menschen so viel Wert haben, dass er eine ganze Menschheit rettet? Höchstens wird die Stellvertretung Jesu als die Fürbitte eines Gerechten vor Gott verstanden. Die folgende Argumentation habe ich zum größten Teil aus einer Artikelreihe von Greg Herrick: Introduction to Christian BeliefSalvation entnommen.

Historischer Überblick

Im Verlauf der Kirchengeschichte wurden eine Reihe verschiedener Ansichten über die theologische Bedeutung vom Tod Jesu aufgestellt.

Die Rekapitulations-Hypothese formulierte Irenäus (ca. 120 bis ca. 200). Nach seiner Ansicht vereinigt Christus alles Menschsein in sich dadurch, dass er alle Stadien des menschlichen Lebens durchlief, – ohne je der Versuchung zu erliegen, – dann starb und von den Toten auferstand. Von seinem Leben, Tod und seiner Auferstehung können daher alle profitieren, die durch den Glauben an ihm teilhaben. Weiterlesen „Ist Jesus stellvertretend für uns gestorben?“

Das tausendjährige Reich: wörtlich oder allegorisch?

Das einzige Kapitel der Bibel, in dem von einem tausendjährigen Reich buchstäblich die Rede ist, ist Offenbarung 20. Es beschreibt wie ein großer Engel vom Himmel herunterkommt und Satan für 1000 Jahre in Ketten legt.
Je nach dem, ob man diese Worte wörtlich nimmt oder eher allegorisch, spricht man von Prämillenarismus – weil die Wiederkunft Jesu vor dieser Zeitperiode erfolgt – oder von Postmillenarismus und Amillenarismus.

Die römisch-katholische Kirche, so wie die lutherischen und reformierten Kirchen vergeistlichen diesen Text und vertreten in der Praxis eine Mischung aus Postmillenarismus und Amillenarismus. Wird der Text dagegen eher wörtlich ausgelegt, wie in den meisten Freikirchen und im pietistischen Milieu, erwarten die Christen ein Millenium unmittelbar nach der Wiederkunft Jesu. Weiterlesen „Das tausendjährige Reich: wörtlich oder allegorisch?“